Seltenes Hobby

Weinlese beim Hobbywinzer am Tesperhuder Elbhang

Jörg Zimmer frönt seit zwei Jahren seinem Hobby, dem Weinanbau, und das mitten in Geesthacht.

Jörg Zimmer frönt seit zwei Jahren seinem Hobby, dem Weinanbau, und das mitten in Geesthacht.

Foto: Dirk Palapies

Die Trauben gären nun für drei Wochen in einem Büro. Jörg Zimmer ist Geesthachts einziger Hobbywinzer und er hat noch so einige Pläne.

Geesthacht. Der eine oder andere Spaziergänger, der den Strandweg an der Elbe entlanggeht, schaut sicher etwas irritiert. Direkt am Hang wachsen Weinreben, und das im Geesthachter Ortsteil Tesperhude.

Der Besitzer der Rebstöcke ist Jörg Zimmer. Der 68-Jährige hat die Bäckereigeschäfte der Bäckerei Zimmer 2017 an seinen Sohn Denis übergeben und hat nun genügend Zeit für ein eher ungewöhnliches Hobby in Schleswig-Holstein – dem Anbau von Wein in einem Steilgarten.

Seit zwei Jahren Hobby-Winzer in Tesperhude

Mit einer Menge angelesenem Fachwissen, viel Fleiß und dem Einsatz von Maschinen und Spezialzubehör betreibt er seit zwei Jahren seinen eigenen Weinanbau. Mit dem Weingut im Miniformat hat der Geesthachter noch große Pläne: Denn zum Jahresanfang im kommenden Jahr sollen 45 Flaschen Weißwein aus dem eigenen Anbau trinkfertig sein. Doch bis es soweit ist, muss der Jahrgang 2021 nun zunächst einmal drei Wochen gären, und das passiert in dem Büro, das Jörg Zimmer in der Spandauer Straße für seine Immobilienverwaltung nutzt. Nach dem Gärprozess wird der Wein in Flaschen gefüllt und für drei bis vier Monate in dem Zimmerschen Weinkeller gelagert.

Auf dem Steilhang befinden sich 48 Rebstöcke der Sorte Phoenix. Die hellen Trauben mit dem leicht muskatigen Aroma entstanden beim Julius Kühn-Institut in Geilweilerhof im Jahr 1992. Gekreuzt wurde sie aus der Bacchus- und der Villard Blanc-Traube.

Rebsorte Phoenix ist robust und starkwüchsig

Es gibt mehrere Gründe, weshalb sich der Geesthachter für diese Rebsorte entschieden hat. Sie ist robust und starkwüchsig, gilt als pilztolerant und ist eine der wenigen, die für den Norden geeignet ist. Und nicht zuletzt schmeckt ihm der Wein, der seinen Namen dem Fabelwesen Phönix verdankt, das verbrennt, um aus der Asche neu aufzuerstehen. „Man hat nur einen Versuch. Wenn man den verdirbt, dann wird der Wein nicht mehr besser“, weiß Zimmer und spricht dabei aus Erfahrung. „Beim ersten Schnitt im vergangenen Jahr habe ich zu viel weggeschnitten, das war einer der Gründe, warum ich im vergangenen Jahr nur zwölf Flaschen produzieren konnte.“

Jörg Zimmer konnte in diesem Jahr 60 Kilogramm ernten

Inzwischen weiß Zimmer, wie der Hase läuft. Seine Tochter Sofia Zimmer, eine gelernte Garten- und Landschaftsgärtnerin, hat ihm Tricks und Kniffe gezeigt. Anderes hat sich der Hobbywinzer mittlerweile angelesen. Nun weiß er beispielsweise, wie man richtig gipfelt – das ist der Fachausdruck dafür, die überflüssigen Triebe zu entfernen – und wie der Zuckergehalt liegen muss. „Der Weinanbau macht ziemlich viel Arbeit. Zweimal im Jahr müssen die Reben geschnitten werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass nicht zu viel Laub entfernt wird, sonst bekommen die Trauben einen Sonnenbrand. Hängt es wiederum zu dicht, kann es zu einem Schimmelbefall kommen“, erklärt Zimmer.

Außerdem umhüllt der Geesthachter seine Trauben mit Organzasäckchen, damit sie nicht von den Wespen vernascht werden. 60 Kilogramm konnte er in diesem Jahr ernten. Einige Flaschen will er verschenken, eine wird wieder für einen guten Zweck versteigert und natürlich lässt sich der 68-Jährige den einen oder anderen Tropfen selbst schmecken.