Jährliche Aktion

Tierschützer wollen wissen: Wo sind die Katzen-Hotspots?

Julia Madloch von der Tierheimleitung Geesthacht zeigt eine der Fallen, die eingesetzt werden. Ausgelöst wird sie durch eine Mechanik.

Julia Madloch von der Tierheimleitung Geesthacht zeigt eine der Fallen, die eingesetzt werden. Ausgelöst wird sie durch eine Mechanik.

Foto: Dirk Palapies

Neue Kastrationsaktion läuft in Geesthacht an. Vorsitzende des Vereins fordert eine Katzenschutzverordnung. Die Hintergründe.

Geesthacht. Der Kampf gegen die Vermehrung und Ausbreitung von Straßenkatzen geht in eine neue Runde: Vom 17. Oktober bis 13. November kann die Kastration von herrenlosen Streunern erneut über einen Fond abgerechnet werden, der von der Tierärztekammer Schleswig-Holstein verwaltetet wird. Als einer der Unterstützer hat das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung 90.000 Euro im Haushalt 2020 bereitgestellt.

Tierschützer wollen Katzenhotspots in Geesthacht wissen

Das gilt aber nicht für Privatleute, darauf weist Sarah Kubisch hin. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Geesthacht und Umgebung, der auch das Tierheim in Geesthacht betreibt, kämpft in Geesthacht, Lauenburg und den Gemeinden des Amtes Hohe Elbgeest gegen das Elend der verwilderten Straßenkatzen. Viele von ihnen leiden an Mangelernährung oder sind krank. Es obliegt den Experten von Tierschutzorganisationen, die Straßenkatzen einfangen und den Tierärzten zur Kastration zuführen. Sie fangen das ganze Jahr wilde Katzen ein. Die Operation einer Katze kostet 120 Euro, bei Katern 85 Euro.

Aber erst müssen die Tierschützer wissen, wo sich Straßenkatzen aufhalten. Sandra Kubisch bittet um Mithilfe. Wer hat „Hotspots“ entdeckt? „Aktuell gibt es in Geesthacht keinen, von dem die Tierschützer wissen“, sagt sie. Ein Resultat der erfolgreichen Arbeit der vergangenen Jahre. Von ehemals sechs Hotspots hatten die Tierschützer ebenfalls durch Mitteilungen von Anwohnern erfahren. Informationen nimmt das Tierheim Geesthacht (Lichterfelder Straße 10) unter 04152/74 311 entgegen.

Viele Straßenkatzen sind unterernährt oder krank

Sieben ehrenamtliche Katzenfänger sind gerade dabei, den letzten bekannten Hotspot der Umgebung in Worth in den Griff zu bekommen, wo etwa 20 Katzen betreut werden. „Wir haben einen Fangtag in der Woche. Ab der Dämmerung gegen 17 Uhr geht es los“, erklärt Sarah Kubisch. Zunächst aber werden die Tiere ein paar Tage lang angefüttert und an die Falle gewöhnt.

Die Fänger haben es dank moderner Technik leichter als früher. Per Kameraübertragung aufs Handy kann das Geschehen an der Falle vom Auto aus verfolgt werden. Die Falle selbst wird ausgelöst, wenn die Katze auf dem Weg zum Napf auf eine Mechanik in der Mitte tritt.

Dabei muss bei mehreren Beobachtungsnächten zunächst geklärt werden: Handelt es sich wirklich um eine Straßenkatze? Bilder der Katzen werden zum Identifizieren auch auf Facebook hochgeladen. Bei einem Fehlgriff könnten Schadensersatzforderungen auf die Tierschützer zukommen. Bereits ein einfacher Test kann zeigen, ob es sich um Straßenkatzen handelt. „Ein Husten oder Niesen vortäuschen. Straßenkatzen kennen diese Geräusche nicht und würden wegflitzen“, erklärt Sarah Kubisch.

Straßenkatzen werden wieder ausgesetzt – mit gekerbtem Ohr

Eingefangene Straßenkatzen verbringen die Nacht im Tierheim. Nach dem Tierarztbesuch bleiben sie einen Tag zum Ausheilen, dann geht es ins alte Revier zurück. Ein Ohr ist nun V-förmig eingekerbt, damit sie von den unkastrierten Tieren zu unterscheiden sind. Die Tierschützer helfen diesen Tieren weiterhin mit Futter und wetterfestem Unterschlupf. Im Tierheim bleiben können sie nicht, sie agieren in Gefangenschaft wie richtige Wildtiere. „Die gehen die Wände hoch“, weiß Sarah Kubisch.

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Die Situation ließe sich weiter verbessern. Sarah Kubisch fordert, dass endlich eine Katzenschutzverordnung kommt. Es sollte Pflicht werden, dass Katzenbesitzer ihre freilaufenden Tiere kastrieren, chippen und registrieren. Bisher stößt sie bei Verwaltung und Politik eher auf taube Ohren.