Herzogtum Lauenburg

Corona bremst die Hochzeitslaune im Kreis

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Isabella Sauer
Brautvater Manfred Neuborn hatte im Juli für die Trauung seiner Tochter im Lauenburger Standesamt extra eine „Umarmungsmaschine“ entwickelt. So konnte jeder Hochzeitsgast das Brautpaar umarmen, ohne dass ein Körperkontakt stattfand.

Brautvater Manfred Neuborn hatte im Juli für die Trauung seiner Tochter im Lauenburger Standesamt extra eine „Umarmungsmaschine“ entwickelt. So konnte jeder Hochzeitsgast das Brautpaar umarmen, ohne dass ein Körperkontakt stattfand.

Foto: Frauke Maaß / BGZ

Viele Paare haben Heiratspläne wegen der Pandemie auf nächstes Jahr verschoben. Bisher 81 Trauungen in Geesthacht, 101 in Lauenburg.

Geesthacht/Lauenburg.  Die Corona-Pandemie hat viele Hochzeitspläne vorerst platzen lassen. So teilte das Statistische Bundesamt mit, dass in den ersten sechs Monaten bundesweit 139.900 Ehen geschlossen wurden, 29.200 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch in Geesthacht und Lauenburg gaben sich bisher weniger Paare das Ja-Wort. Die Nachfrage an Terminen steige aktuell aber wieder.

Auch für Niklas und Vanessa Kalupa aus Geesthacht sollte 2020 das große Hochzeitsjahr werden. Aufgrund der Pandemie verschoben sie die freie Trauung, die für Anfang August geplant war. Die standesamtliche Hochzeit feierten sie aber trotzdem – unter besonderen Umständen. So hatten Bund und Länder Mitte März strenge Auflagen verhängt, um die Ausbreitungs des Virus zu verhindern. Niklas Kalupa erzählt, wie es bei ihm und seiner Frau war: „Anfangs sprach das Standesamt davon, dass sechs Personen mit ins Trauzimmer dürfen. Das war für uns in Ordnung. Wir wollten auf jeden Fall am 23. April heiraten, da es unser siebter Jahrestag war.“

Brautpaar ohne Gäste im Trauzimmer in Geesthacht

Doch wenige Tage vor der Hochzeit hieß es, dass nur noch das Brautpaar und keine Gäste im Trauzimmer erlaubt seien. „Das war für uns schon traurig, aber wir hatten uns damit abgefunden. Wir wollten unbedingt an unserem Jahrestag heiraten. Unsere Alternative war es, unsere Eltern und Trauzeugen am Abend zum Essen einzuladen“, erinnert sich der 27-Jährige zurück. Doch die Corona-Krise machte die Angehörigen erfinderisch. Sie organisierten für das Brautpaar eine Art Schnitzeljagd. „An der einen Station konnten wir zum Beispiel unsere Großeltern antreffen, an einer anderen gab es ein kleines Fotoshooting. Alles in allem war es ein unvergessener Tag für uns.“ Die große Feier haben sie aber nun doch in das nächste Jahr verschoben. „Schließlich wollen wir ausgiebig tanzen“, sagt der Geesthachter und lacht.

Erfinderisch zeigte sich im Juli auch Brautvater Manfred Neuborn aus Bergedorf. Da freudige Umarmungen zu diesem Zeitpunkt verboten waren, entwickelte er eine „Umarmungsmaschine“. Die kam dann am 1. Juli bei der Trauung von Konrad Kaszubski und Tanja Neuborn im Standesamt Lauenburg zum Einsatz.

In Geesthacht bisher 81 Eheschließungen

In Geesthacht gab es in diesem Jahr bisher 81 Eheschließungen. Vergangenes Jahr waren es 105. „Ein paar dürften aber noch hinzukommen, da aktuell die Nachfrage wieder steigt“, sagt Pressesprecher Torben Heuer. Verschoben wurden von Seiten der Paare zehn Trauungen.

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Auch in Lauenburg hat es in diesem Jahr bisher weniger Eheschließungen gegeben. Standesbeamtin Ramona Weiß sagt: „Bis zum heutigen Tag hatten wir 101 Eheschließungen, acht davon für das Amt Lütau. Bis zum Jahresende sind noch 14 vorgemerkt.“ 2020 gab es in Lauenburg 116 Trauungen, davon 12 für das Amt Lütau. Auch Ramona Weiß rechnet damit, dass für dieses Jahr noch weitere Termine hinzukommen. „Aufgrund der Corona-Pandemie aber nur an Paare, die auch in unserem Zuständigkeitsbereich gemeldet sind.“ Komplett abgesagt worden seien nur vier Hochzeiten. Zwölf hätten ihre Hochzeit in die zweite Jahreshälfte geschoben.

Vielerorts nur wenige Termine wirklich abgesagt worden

Auch Carola Hofbauer-Raup, Standesbeamtin in Schleswig und Vorsitzende des Landesverbands der Standesbeamten, vermutet, dass einiges wieder aufgeholt wird. Vielerorts seien nur wenige Termine wirklich abgesagt und dafür mehr verschoben worden. „Etwa jetzt in den Spätsommer“, sagt sie. Seitens der Statistiker heißt es, dass sich Erkenntnisse über die Auswirkung der Pandemie erst langfristig gewinnen ließen.

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