Diskussion

Nachttaxi in Geesthacht auch für Senioren und Behinderte?

Wichtige Größe beim Frauennachttaxi: Die Autoflotte der Taxiunternehmer Franziska Peya (mit der Gleichstellungsbeauftragten Anja Nowatzky), Andreas Riechert und Andreas Friedrich (v.li.).

Wichtige Größe beim Frauennachttaxi: Die Autoflotte der Taxiunternehmer Franziska Peya (mit der Gleichstellungsbeauftragten Anja Nowatzky), Andreas Riechert und Andreas Friedrich (v.li.).

Foto: Freya Baier

Geesthachter Sozialausschuss debattiert, ob das Angebot des Frauennachttaxis erweitert wird. Zuschuss-Summe soll aufgestockt werden.

Geesthacht. Um die Zukunft des Frauennachttaxis in jetziger Form geht es beim Sozialausschuss (Dienstag, 19 Uhr, Kleines Theater Schillerstraße). Soll alles so beibehalten werden, wie es ist? Oder sollen künftig auch weitere Gruppen von der Beförderungsbezuschussung profitieren können?

Darüber streiten sich zwei Blöcke. Die „Traditionalisten“ mit SPD, Grünen und FDP, auf der anderen Seite die CDU, Linken und BfG, die die Behinderten und Senioren ebenfalls umgehend mit einer Bezuschussung zum Taxi entlastet sehen wollen.

Mögliche Erweiterung des Frauennachttaxis in Geesthacht

Beide haben einen Antrag eingereicht. Der Sozialausschuss möge beschließen, dass das Frauennachttaxi als eigenständiges Angebot bestehen bleibt, heißt es im gemeinsamen Änderungsantrag von SPD, Grünen und FDP. Erhöht werden soll ab Januar der Zuschuss für Frauen, die das Angebot nutzen: von 3 Euro auf 5 Euro für Fahrten an den Stadtrand sowie von 5 auf 7 Euro für Fahrten außerhalb des Stadtgebietes. Damit gemeint sind Krümmel, Tesperhude, Grünhof, Grüner Jäger, die Heinrich-Jebens-Siedlung, Hamwarde, Vierlandenstraße, Am Wehr und auch Finkenweg-Ost.

Bezuschusst wird wie gehabt von 22 bis 4 Uhr von April bis September und von 19 bis 6 Uhr von Oktober bis März. Berechtigt sind alle weiblichen Personen ab 16 Jahre. Die Änderungen seien notwendig geworden, weil sich Faktoren wie Preiserhöhungen bei Taxis und eine geringere Nutzung ergeben hätten, hieß es. Durch die Erhöhung der Förderung soll das Angebot wieder attraktiver werden.

2019 wurden nur 9500 Euro ausgebezahlt

Der Kompromissantrag von CDU, Linken und BfG folgt diesem Antrag soweit, will aber weitergehend einen Fördertopf in Höhe von 25.000 Euro zusätzlich einrichten. Bisher stehen jährlich 12.800 Euro für das Nachttaxi zur Verfügung, die zuletzt nicht mehr ausgeschöpft wurden. 2019 etwa wurden nur 9500 Euro ausbezahlt.

Aus dem neu einzurichtenden Pool sollen analog zum Frauennachttaxi künftig Fahrten von Senioren und Behinderten bezuschusst werden. Beförderungsberechtigt wären nach Vorstellung von CDU, Linken und BfG Senioren mit einer niedrigen Rente (Grenze 1000 Euro) sowie Personen mit Handicap mit diversen Merkzeichen und entsprechendem Ausweis. Ihre Begleitperson soll kostenlos befördert werden. „Wenn wir in Geesthacht über Inklusion sprechen, müssen wir uns auch damit beschäftigen“, meint Volker Harburg (BfG). „Wir sehen das als Pilotprojekt“, sagt Christoph Hinrichs. Das „Taxi für Senioren und Menschen mit Handicap“ solle zunächst auf zwei Jahre begrenzt werden. Nach Auswertung der Erfahrungen könne dann über eine Verlängerung beraten werden.

Wichtig, dass das Projekt Frauennachttaxi erhalten bleibt

Aber auch diese Dreier-Koalition beteuert bezüglich des Frauennachttaxis: „Es ist uns ganz besonders wichtig, dass dieses Projekt erhalten bleibt.“

Die anderen politische Konstellation hat ebenfalls die Senioren und Behinderten im Blick – will entsprechende Förderprogramme aber getrennt sehen und nicht gemixt. „Es geht hier um präventive Maßnahmen von geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen“, stellt Ali Demirhan klar, warum er das Angebot einzigartig findet und nicht mit anderen sozialen Projekten in einem Topf werfen will. „Das muss man differenzieren. Über die anderen sozialen Maßnahmen beraten wir gern später mal im Nachgang.“

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Bezüglich der Inklusion möchte die Ausschussvorsitzende Kathrin Bockey (SPD) abwarten, was die Arbeitsgruppe, die sich zur Mobilität gebildet hat, für Konzepte entwickelt. „Behinderte einfach nur in ein Taxi zu setzen, greift zu kurz, findet sie. Auch Jörg Kunert von der FDP beteuert, die anderen Gruppen im Blick zu haben. „Wir wollen sie nur nicht miteinander vermischen“, sagt er. Aus seiner Erfahrung habe man immer wenig oder gar nichts erreicht, wenn man die Dinge vermischt. „Da fühlt sich am Ende des Tages jeder benachteiligt“, sagt er.