Nachverdichtung

Mehr Wohnungen an der Geesthachter Straße

Die Bebauung an der Geesthachter Straße zwischen Silberberg und Keil soll nachverdichtet werden.

Die Bebauung an der Geesthachter Straße zwischen Silberberg und Keil soll nachverdichtet werden.

Foto: Dirk Palapies

Höher und dichter bebaut: Die Geesthachter Straße wird ihr Gesicht verändern. Die Nachfrage nach Wohnraum in Geesthacht ist groß.

Geesthacht. Die Nachfrage nach Wohnraum in Geesthacht wird anhalten, darin herrscht Einigkeit in Stadtverwaltung und Politik. Aber wo sollen die nötigen Wohnungen gebaut werden? Eine Möglichkeit ist die Nachverdichtung in der Stadt. „Aus Sicht der Stadtplanung gibt es ein riesiges Nachverdichtungspotenzial“, schildert Hildegard Adamofski vom Fachdienst Stadtplanung die Perspektiven.

Für die Umsetzung der Nachverdichtung ist ein B-Plan nötig

Die Verwaltung hat dafür nun zunächst ein Areal an der Geesthachter Straße ins Auge gefasst, für das ein Bebauungsplan aufgestellt werden soll. Das Plangebiet wird im Westen begrenzt durch die Geesthachter Straße, im Süden durch die Straße Keil, im Osten durch die Hugo-Otto-Zimmer-Straße und im Norden durch die Straße Silberberg. Im Ausschuss für Stadtplanung stieß das Vorhaben der Verwaltung auf breite Zustimmung.

Bislang ist das Gebiet nicht überplant. „Ein B-Plan dient einer geordneten und auf ein Ziel ausgerichteten Entwicklung“, teilt die Stadt mit. Solange es keinen gibt, ist eine Entwicklung in der gewünschten Richtung nicht möglich. Bauvorhaben mussten bisher nach § 34 BauGB beurteilt werden. Das bedeutet, sie haben sich am Bild dessen zu orientieren, was in der näheren Umgebung vorzufinden ist. Und da die Bebauung dort eher kleinteilig ist und die Geschossigkeit bei nur ein bis zwei Vollgeschossen liegt, ist eine höhere und großflächigere Bebauung ohne entsprechenden B-Plan nicht möglich.

Vermehrt Voranfragen für größere Gebäude eingegangen

Dabei ist der Wunsch seitens der privaten Grundeigentümer entlang der Geesthachter Straße durchaus vorhanden. Es seien vermehrt Voranfragen für Bauten mit bis zu drei Geschossen gestellt worden, teilt die Verwaltung mit. Diese Bauvoranfragen mussten bisher allerdings abgelehnt werden.

Die Fraktionen waren sehr angetan von dem Vorhaben der Stadt und gaben einstimmig der Erarbeitung eines B-Plans grünes Licht. Petra Burmeister (SPD) sagte für ihre Fraktion: „Das finden wir richtig gut.“ Sie regte an, höher zu bauen und gab der Verwaltung drei Gesichtspunkte mit auf den Weg: die Breite der Fußwege, einheitliche Gebäudefluchten und die Gelegenheit zu ergreifen, mehr Kita-Flächen auszuweisen. Karla Rohde (SPD) hofft nun auch auf eine Möglichkeit, an der in dem Plangebiet liegenden beengten Silberbergschule „baulich etwas anzupacken“.

Die Pläne sind eine Chance, Geesthacht optisch aufzuwerten

Der Ausschussvorsitzende Gerhard Boll (Grüne) sieht eine Chance, für den Fahrradverkehr etwas zu tun, und Dagmar Strauer (FDP) die Perspektive einer optischen Aufwertung beim „Erstkontakt“: „Es ist nicht schön, wenn man nach Geesthacht reinkommt und dann diesen ärmlichen Anblick hat“, sagte sie. Sven Minge (CDU) gab den Planern den Rat, in dem Bereich den Denkmalschutz nicht außer Acht zu lassen. Und Volker Harburg (BfG) meinte: „Wir haben keine andere Möglichkeit, die Flächen sind endlich, und es gibt ja die Nachfrage. Wir müssen etwas machen.“

Wie durchaus üblich, wurde auch eine Veränderungssperre beschlossen. Das bedeutet: Nach Erlass und Bekanntgabe dürfen in dem Gebiet in der Regel keine Umbaumaßnahmen, keine Neubauten und auch keine Abrissarbeiten mehr genehmigt werden. „Wir hätten sonst keine Chance, unsere Planungsziele umzusetzen“, erklärte Hildegard Adamofski. „Es heißt aber auch, dass wir ab morgen dran arbeiten müssen.“ Denn die Veränderungssperre ist auf zwei Jahre befristet, kann maximal zweimal ein Jahr verlängert werden.

Der Fachdienst Stadtplanung wird den Bebauungsplan nun selbst erarbeiten und zur Diskussion stellen. Eine frühzeitige Beteiligung der Bevölkerung wird angestrebt. So soll auch die mögliche höhere Bebauung mit den Bürgern diskutiert werden, teilt die Stadt mit. Begrenzende Faktoren der Verdichtung sieht der Fachdienst in den Anforderungen, die an ein städtisches, aber auch durchgrüntes Quartier zu stellen sind und in der Berücksichtigung der zu schaffenden Stellplätze. Wie viel mehr Menschen durch die Nachverdichtung dort wohnen könnten, könne erst mit der Konzepterstellung abgeschätzt werden. Auch gewerbliche Nutzung solle möglich bleiben. Die Kita St. Barbara und die Grundschule Silberberg sollen in das Konzept integriert und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Fachdienst will den B-Plan selbst erarbeiten

Weil die hauseigenen Experten das Konzept erarbeiten, fallen lediglich Kosten für Gutachten wie Lärmgutachten, Umweltbericht, die faunistische Untersuchung und sonstige Untersuchungen an. Die Höhe der einmaligen Kosten ist noch nicht ermittelt. Dass die Stadt selbst Grundstücke erwerben will, ist zurzeit nicht vorgesehen. Und so wird es letztlich von den privaten Grundeigentümern abhängen, ob und wie sie die Möglichkeiten des künftigen Bebauungsplans nutzen werden.

Für dessen Aufstellung rechnet die Verwaltung mit etwa zwei Jahren.