Neues Projekt

Stressfrei stillen in Geesthachts Innenstadt

Die SPD hat die Aktion „Stillfreundlicher Ort“ gestartet, das Café Plus ist dabei: V.li.: Julian Peemöller (SPD), Forazan Storb-Jalilvandi (Café Plus), Lisa Steinke mit Sohn Nuri (drei Monate) und Salih Kaman (SPD).

Die SPD hat die Aktion „Stillfreundlicher Ort“ gestartet, das Café Plus ist dabei: V.li.: Julian Peemöller (SPD), Forazan Storb-Jalilvandi (Café Plus), Lisa Steinke mit Sohn Nuri (drei Monate) und Salih Kaman (SPD).

Foto: Dirk Palapies

Eine Initiative der SPD Geesthacht: Aufkleber an Läden zeigen an, wo Mütter ihrem Baby die Brust geben können.

Geesthacht. Ein neues Gütesiegel ziert das erste Schaufenster der Geesthachter City. Im DIN-A5-Format zeigt es an: Hier finden Mütter mit Babys einen Ort, an dem sie ihrem Kind die Brust geben können. „Stillfreundlicher Ort“ steht auf dem Aufkleber, der am Café Plus in der Bergedorfer Straße gleich neben dem Eingang angebracht ist. Auf der Grafik dazu hält eine Frau ein Kind im Arm. Urheber dieser Initiative ist die Geesthachter SPD, dort vor allem Salih Kaman, der Kassierer des Ortsvereins. Seine Tochter Lisa Steinke hat ihn auf die Probleme stillender Mütter aufmerksam gemacht, ihr Sohn Nuri ist drei Monate alt.

Das Problem seien gar nicht die Gastronomen oder Einzelhändler, berichtet Lisa Steinke. Es seien die anderen Gäste, die sich daran störten: „Die stillt ihr Kind!“ als empörter Aufruf ist nicht nur Lisa Steinke geläufig. Hinzu komme die Unsicherheit, ob man sich mal eben auf die Schnelle an den Cafétisch draußen setzen könne, ohne etwas zu bestellen. „In meinem Bekanntenkreis gibt es Frauen, die deshalb früh abgestillt haben. Viele geben lieber die Flasche, um nicht unter Stress stillen zu müssen.“

Aktion stammt aus Süddeutschland

Vorhersehbar sei es nicht, wann der noch so junge Nachwuchs Milch will. „Babys kriegen völlig ungetaktet Hunger“, sagt sie. „Schön, wenn man dann einen Ort in der Stadt weiß, an den man sich zurückziehen kann. Ich saß zum Stillen auch schon mal im Nieselregen auf einer Bank. Es ist sehr exotisch, wenn man in der Öffentlichkeit stillen muss.“

Mit all den Ungewissheiten soll nun Schluss sein. Wer den Aufkleber zeigt, unterstützt stillende Mütter. Erfinder der Aktion ist die SPD nicht. Salih Kaman recherchierte nach den Schilderungen der Tochter im Internet und stieß auf eine Initiative aus Süddeutschland. Von ihr stammt auch das Logo. Die Aktion ist bis nach Niedersachsen vorgedrungen, hat sich in Schleswig-Holstein aber noch nicht verbreitet. „Ich gehe mal davon aus, dass auch bei uns keiner etwas dagegen hat“, sagt Salih Kaman.

Aufkleber von Jusos für Geesthacht modifiziert

Der Aufkleber wurde von den Jusos für Geesthacht modifiziert. Zur Diskussion stand, ob er nicht im SPD-Rot sein sollte. „Aber es soll ja keine Parteipolitik sein,“ sagt der Ortsvorsitzende Julian Peemöller. So einigte man sich auf Türkis. Im unteren Bereich finden sich vier Punkte zum Ankreuzen, ob vom Betreiber Unterstützung gewährt wird bei unhöflichem Verhalten Dritter, ob es bequeme Sitzgelegenheiten gibt, eine Wickelmöglichkeit oder frei zugängliche Toiletten. „In Bayern gibt es noch mehr Unterpunkte, aber wir wollen keinen Druck auf die Unternehmer aussetzen“, sagt Salih Kaman. 500 Stück wurden gedruckt, UV-beständig. 140 Euro hat die SPD bezahlt. Der Aufkleber liegt nun im SPD-Büro beim Rathaus aus. Er wird auch zugeschickt.

Das erste Café, das mitmacht, ist das Café Plus. Ehrensache für Forazan Storb-Jalilvandi: „Ich bin dreifache Mama und kenne das Problem. Wir hatten hier auch die Situation, dass sich ein Gast beschwerte. Aber andere haben Partei für die Mutter ergriffen. Wer dann gehen musste, das war sicher nicht die stillende Mutti.“ Auch das KTS werde mitmachen, kündigt Julian Peemöller an. Es sollen natürlich noch viel mehr Unterstützer werden. Peemöller will die Wirtschaftliche Vereinigung ansprechen. Und im Geesthachter Sozialausschuss wird ein Antrag folgen. „Die Stadt soll die stillfreundlichen Unternehmen auf ihrer Internetseite aufführen“, sagt Julian Peemöller.