Ernte in Geesthacht

Kaffeekränzchen mit der Bohne vom eigenen Baum

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Dirk Palapies
Peter und Indray Rogalla genießen den Kaffee aus den eigenen Bohnen. Ihr Baum steht im Wintergarten.

Peter und Indray Rogalla genießen den Kaffee aus den eigenen Bohnen. Ihr Baum steht im Wintergarten.

Foto: Dirk Palapies

Erntezeit bei den Rogallas in der Oberstadt in Geesthacht: So schmeckt der Kaffee vom Baum aus dem eigenen Wintergarten.

Geesthacht. Erntezeit bei Familie Rogalla: Inday und Peter Rogalla beherbergen in ihrem Wintergarten in der Oberstadt einen Kaffeebaum. Nun waren die Kaffeekirschen reif und wurden gepflückt. Eigentlich sollte die Nachbarschaft bei einem Kaffeekränzchen im Juli von der seltenen Ernte profitieren, so der im Winter gefasste ursprüngliche Plan (wir berichteten). Der ließ sich wegen der Corona-Situation nun nicht mehr umsetzen.

Die Verkostung der allerersten Kaffeeproduktion ihres siebenjährigen Baumes erfolgte nunmehr im kleinen Kreis – mit dem Autor dieser Zeilen als Vorkoster.

Die Nachbarn haben etwas verpasst

Gleich nach dem ersten Kontakt mit der Zunge lässt sich sagen: Die Nachbarn haben etwas verpasst. Der Kaffee schmeckt vorzüglich mit leichter Spur von Karamell, ist kräftig, aber ohne bitter zu sein. Ordentlich munter macht die Geesthachter Röstung auch, vielleicht mehr als mancher Arabica-Kaffee aus Übersee. Der kaffeegewöhnte Redakteur bleibt für seine zwei kräftigen Tassen bei schwarz, den Rogallas indes ist es „ein bisschen zu doll“, sie greifen zu Milch und Zucker.

Auch für die beiden sind es die ersten Schlucke. Peter Rogalla ist eher Teetrinker, aber jetzt lobt er: „So schmeckt er richtig gut.“ Seine Frau ist nach den ersten Eindrücken erleichtert. Sie gesteht: „Das hätte ich gar nicht gedacht, dass er so gut schmeckt. Ich hatte geglaubt, der Baum braucht mehr Sonne und Temperatur.“

Geröstet wurde auf dem Herd

Einen Haken gibt es: Es ist nicht viel Kaffeemehl herausgekommen bei der Ernte. Die Menge der Bohnen passte nach dem Abschälen des Fruchtfleisches und der Innenhäute in einen großen Suppenteller. Gepflückt wurde von März bis vergangene Woche. Kaffeekirschen werden nach und nach reif, und die ersten wurden gesammelt und erst einmal gelagert.

Geröstet wurde dann auf dem
Ceran-Herd gleichmäßig bei mittlerer Temperatur. Inday Rogalla ließ die Bohnen in der Pfanne eine Stunde lang nicht aus den Augen. Dann war es gut. Die Zeit spielte aber keine Rolle, entscheidend war der Bräunungsgrad. So hat sie es sich einst als Kind bei ihrer Oma auf den Philippinen abgeguckt. „Was die wohl zu Kaffee aus Deutschland sagen würde?“, fragt Inday Rogalla in die Runde.

Zwei Portionen bleiben übrig

Nach dem Auskühlen wurden die Bohnen von Peter Rogalla in der elektrischen Mühle zermahlen und in kleine Portionen zu je zwei gehäuften Kaffeelöffeln abgefüllt. Zwei Portionen liefen bei der ersten Verkostung durch, drei werden verschenkt, bleiben nur zwei Päckchen übrig für Familie Rogalla. Peter Rogalla will sie in Folie einschweißen, damit sie ihr Aroma nicht verlieren.

Denn zu welchem Anlass sie in die Kaffeekanne fließen werden, ist noch unklar.

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