Geesthacht

Bei einem Schnupfen zwei Corona-Tests für Kita-Kinder?

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Die Kita am Worther Weg in Geesthacht.

Die Kita am Worther Weg in Geesthacht.

Foto: Frauke Maaß / BGZ

Verordnung des Kreises hat Kita-Eltern aufgebracht. Gesundheitsamt hat die Vorgaben inzwischen gelockert. Eltern tragen Verantwortung.

Geesthacht. Der 22. Juni war für viele­ Geesthachter Eltern von Kleinkindern ein wichtiger Tag und sorgte vor allem bei Berufstätigen für große Erleichterung: Der Regelbetrieb in den Kitas startete wieder. Endlich konnte sich der Alltag wieder normalisieren, die Kinderbetreuung war gewährleistet – solange das Kind keinen Schnupfen hat.

Denn am 26. Juni erreichte die Kitas und Schulen ein Schreiben des Kreises mit Vorgaben, wie mit Kindern zu verfahren sei, die Symptome einer Covid-19-Infektion zeigten. Darunter fiel auch Schnupfen. Schritt 1: Kind sofort abholen. Schritt 2: Vorlage eines ärztlichen Attestes, dass eine Infektion mit dem Coronavirus ausgeschlossen ist und die Symptome anderweitig zu erklären sind. Wenn das nicht möglich ist, 14 Tage Quarantäne oder zwei Abstriche beim Kind machen lassen. Im Grunde das korrekte Prozedere derzeit.

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Mutter muss Kind aus der Kita abholen

„Aber auch bei Schnupfen?“ fragt Karina G.. Die Mutter und Elternvertreterin in der Kita am Worther Weg musste ihr Kind aufgrund der Verordnung aus der Kita abholen – und war nun ratlos und aufgebracht gleichermaßen. „Die Tests sind eine Tortur für die Kinder. Und davon mal ab – wo ist da die Verhältnismäßigkeit“ fragt sie. „Was kommt dann im Herbst? Da haben kleine Kinder jede Woche Schnupfen. Da müsste ich ja jedesmal einen Test machen, damit mein Kind schnell wieder in die Kita kann!“

„Das ist nicht der einzige Fall, in dem so verfahren werden musste“, bedauert Carmen Thieme, Leiterin der Kita Worther Weg. Sie kann den Ärger der betroffenen Eltern nachvollziehen, ist aber wie ihre Kollegen an die Umsetzung der Verordnung gebunden.

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Sprecher des Kreises erkennt keine Unverhältnismäßigkeit

Das Schreiben des Kreises fand allerdings auch sie „völlig sinnbefreit“. Denn: „Kinder in dem Alter haben gefühlt 365 Tage im Jahr Schnupfen“, sagt sie aus Erfahrung. Wenn Fieber dazu käme, sehe das jedoch anders aus. „Das Virus ist noch da und wir müssen aufpassen. Das ist klar. Wenn ein Kind offensichtlich krank ist und Fieber hat, dann muss es zu Hause bleiben.“ Aber eben nur dann.

„Eine Unverhältnismäßigkeit vermag ich nicht zu erkennen“, hält Tobias Frohnert, Sprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg. Die aktuelle Lage erlaube es nicht, leichtfertig mit möglichen Infektionen umzugehen. Frohnert: „Gerade bei Kita-Kindern ist das Einhalten der Abstandsregeln schwierig, sodass hier besonders sensibel mit eventuellen Infektionen umgegangen werden muss.“

„Verantwortung liegt jetzt bei den Eltern“

Diese Meinung teilt auch Carmen Thieme grundsätzlich, hätte die Verordnung nur gern etwas differenzierter gehabt. Und stand damit offensichtlich nicht allein. „Viele haben sich wohl beim Gesundheitsamt beklagt“, sagt sie. Das hat schnell auf die Einwände reagiert und rudert in einem zweiten Schreiben an die Schulen, Kitas und Tagesmütter zurück: „Ein einfacher Schnupfen ohne weitere Krankheitsanzeichen sollte zunächst für 48 Stunden beobachtete werden, ob weitere Symptome wie Husten, Fiber dazukommen. Wenn keine weiteren Symptome auftreten, kann die Einrichtung ohne ärztliches Attest wieder besucht werden“, heißt es. Auch Husten, wenn er einer nichtinfektiösen Grunderkrankung wie Asthma zuzuordnen ist und für die es eine Diagnose gebe, müsse nicht zum Ausschluss von Kita- oder Schulbesuchs führen.

„Die Verantwortung liegt jetzt bei den Eltern“, sagt Carmen Thieme. „Sie können entscheiden, ob das Kind Krankheitsanzeichen zeigt, die einen Arztbesuch notwendig machen.“ Sollte eine Untersuchung erfolgt, aber ohne Ergebnis sein, reiche eine schriftliche Erklärung der Eltern, dass das Kind gesund sei. Thieme: „Dann steht dem Besuch der Kita nichts mehr im Wege.“

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