Prävention

Nur richtiges Waschen schützt vor Covid-19

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Zwei Dinge gehören zum effektiven Händewaschen dazu: die Verwendung von ausreichend Seife und eine Waschdauer von mindestens 20 Sekunden.

Zwei Dinge gehören zum effektiven Händewaschen dazu: die Verwendung von ausreichend Seife und eine Waschdauer von mindestens 20 Sekunden.

Foto: Hans Ringhofer

Händewaschen hat im Zuge der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Richtig ausgeführt, ist es ein nachweislich effektiver Infektionsschutz.

Geesthacht. Händewaschen ist mehr als nur das Abspülen von Schmutz. Viel gefährlicher ist häufig das, was nicht zu sehen ist: Viren und Bakterien. Handhygiene gilt als wichtigste Maßnahme, um eine Ansteckung mit einem Krankheitserreger zu vermeiden. Aber sie muss richtig durchgeführt werden, um effektiv zu sein, weiß Dr. Wolfgang Hell. Er ist Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie sowie Facharzt für Hygiene im Geesthachter LADR Zentrallabor Dr. Kramer und Kollegen. Zum heutigen Internationalen Tag der Handhygiene erklärt er, warum präventives Händewaschen auch falsch gemacht werden kann, Desinfektionsmittel für den Alltagsgebrauch nicht sinnvoll sind und das Handschuhe kaum Schutz vor Ansteckung bieten.

Reinigung sollte mehrmals am Tag erfolgen

Lichtschalter, Türklinken, Toilettenbrillen, Spielgeräte auf dem Spielplatz, Haltestangen in Bus oder Bahn – im Laufe eines Tages berührt man eine ganze Menge Gegenstände mit den Händen, und alle sind mit Keimen kontaminiert. Um Krankheitserreger wie das Coronavirus nicht weiterzugeben oder sich anzustecken, müssen die Hände gewaschen werden. Oft. Nach jedem Toilettengang, vor und während der Essenszubereitung, vor dem Essen, nach jedem Nach-Hause-Kommen und bevor man sein Gesicht berührt – denn dadurch kann das Virus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen.

Seife löst die lipidhaltige Hülle des Coronavirus auf

„Ganz wesentlich beim Händewaschen ist die Seife“, erklärt Hell. Wasser allein, ob kalt oder warm, reiche nicht. Die Seife löse die lipidhaltige Hülle des Coronavirus auf und könne es so unschädlich machen. Um den gewünschten Effekt zu erzielen, muss man zwischen 20 und 30 Sekunden lang die Hände von allen Seiten einschäumen. Keimfrei seien die Hände danach jedoch nicht – aber die Anzahl der Viren und Bakterien sinke deutlich, und das würde die Hände als Übertragungsmedium quasi ausschließen.

Desinfektionsmittel können der Haut auch schaden

Desinfektionsmittel, die zu Beginn der Pandemie gehamstert worden sind, seien nicht notwendig. „Wer die Regeln der Handhygiene korrekt befolgt, braucht keinerlei Desinfektionsmittel“, betont der Hygieneexperte. Die seien nur für medizinische Einrichtungen notwendig. Im privaten Umfeld hingegen sei eine Händedesinfektion im allgemeinen nicht erforderlich. Zumal – wer sich häufig die Hände wäscht und zusätzlich desinfiziert, schadet bei falschem Gebrauch seiner Haut mehr, als dass er sie schützt. Wolfgang Hell: „Ich bin mir nicht sicher ob all die Mittel, die zurzeit auf dem Markt sind, teilweise wohl selbstgemischt, Rückfetter enthalten.“ Rückfetter seien aber wichtig, weil sie der Haut das an Pflege zurückgeben was sie ihr durch die Desinfektion entziehen. Die Gefahr: „Ständiges Desinfizieren macht die Haut spröde und rissig. Und das macht sie wiederum anfälliger für Krankheitskeime.“

Handschuhe bieten wenig Schutz vor Ansteckung

Wenig Sinn sieht der Hygieneexperte auch im Tragen von Einmalhandschuhen aus Plastik. „Diese Handschuhe bieten kaum Schutz vor Viren“, erklärt er. Handschuhe fungierten wie eine zweite Haut und könnten ebenso wie die Hände durch das Berühren vieler Gegenstände kontaminiert sein und das Virus übertragen. Darüber hinaus bestehe die Gefahr, dass man andere notwendige präventive Maßnahmen vernachlässige. Wer dennoch auf Handschuhe nicht verzichten möchte, sollte – so sein Tipp – jedesmal vor dem Einkaufen ein neues Paar anziehen und dieses sofort nach Gebrauch entsorgen.

Gründliche und richtige Handhygiene war bereits vor Corona ein zentrales Thema und wird uns laut Wolfgang Hell auch weiterhin begleiten: „Häufiges Händewaschen ist zu jeder Zeit der beste Schutz vor Infektionen!“

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