Atomkraftwerk

Baugenehmigung für Zwischenlager in Krümmel erteilt

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Marcus Jürgensen
Das neue Gebäude, in diesem Foto als Animation bereits eingefügt (Pfeil), entsteht an Stelle des etwas kleineren Außenlagers, das dafür abgerissen wird. Davor steht das Standort-Zwischenlager für die Castoren, das von der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung betrieben wird.

Das neue Gebäude, in diesem Foto als Animation bereits eingefügt (Pfeil), entsteht an Stelle des etwas kleineren Außenlagers, das dafür abgerissen wird. Davor steht das Standort-Zwischenlager für die Castoren, das von der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung betrieben wird.

Foto: Vattenfall Europe/Marcus Jürgensen

Betreiber Vattenfall will Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle auf dem Kraftwerksgelände errichten.

Geesthacht. Im Dezember 2019 war der letzte Castor-Behälter, gefüllt mit Brennstäben aus dem Reaktor des Kernkraftwerks Krümmel, ins Standort-Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände gerollt und damit in die Verantwortung der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) übergegangen. Jetzt geht es um den weiteren Rückbau des Kraftwerks und da ist Betreiber Vattenfall jetzt einen Schritt weiter: Am Donnerstag, 30. April, hat die Untere Baubehörde (UBB) der Stadt Geesthacht die Genehmigung für den Bau eines Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle – kurz „LasmAaZ“ – erteilt. Vattenfall hatte die entsprechende Genehmigung vor drei Jahren, am 31. März 2017 beantragt.

Damit die Stadt die Baugenehmigung erteilen konnte, war zuvor eine Umweltverträglichkeitsprüfung durch das Kieler Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Natur, Umwelt und Digitalisierung erforderlich. Dafür hatte Vattenfall unter anderem für die im Bereich der künftigen Baustelle lebenden Zauneidechsen ein neues Habitat schaffen und die betroffenen Tiere umsiedeln lassen. Zudem wurde der Konzern verpflichtet, beim Bau staub-, lärm- und erschütterungsarme Verfahren einzusetzen und diese auch baubegleitend zu messen.

Erster sichtbarer Schritt der Baumaßnahmen wird der Abbruch des bestehenden Außenlagers sein. Es steht derzeit auf der zu bebauenden Fläche und wird bisher vor allem als Lager für Ersatzteile genutzt. Mit den Baumaßnahmen soll voraussichtlich im Juni 2020 begonnen werden. Die neue Halle im rückwärtigen Bereich des Kraftwerkgeländes (siehe Foto) entsteht hinter dem Standort-Zwischenlager für hoch radioaktive Stoffe, in dem die in Castor-Behältern verpackten Brennelemente gelagert werden.

Neue Halle soll 65 mal 48 Meter groß werden

Die neue Halle wird 65 Meter lang, 48 Meter breit und zwölf Meter hoch. Der Neubau ist damit etwa ebenso groß wie eine Dreifeldsporthalle samt Tribüne und Umkleiden – aber doppelt so hoch.

Daran schließt sich ein Funktionsgebäude mit einer Länge von 36 Metern, einer Breite von zwölf Meter und einer Deckenhöhe von etwa zehn Metern an. Die Außenwände erhalten eine Wanddicke von circa 85 Zentimeter, die Stahlbetondecke von einem Meter. Die Gründung des Bauwerks erfolgt über eine 1,5-Meter- Bodenplatte.

Neben den schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus dem Abbau sollen im LasmAaZ auch radioaktive Abfälle aus der Betriebszeit des Kernkraftwerks, die derzeit in anderen Einrichtungen aufbewahrt werden, eingelagert werden. Die maximal einzulagernde Radioaktivität ist mit 2 x 1017 Bq (Becquerel) beantragt.

„Schwach- und mittelradioaktive Stoffe machen nach derzeitigem Planungsstand etwa zwei Prozent der gesamten Abbaumasse aus. Diese Abfälle müssen so lange sicher am Standort aufbewahrt werden, bis das für sie vorgesehene Bundesendlager Schacht Konrad fertiggestellt und in Betrieb genommen ist“, sagt Dr. Ingo Neuhaus, Technischer Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH. Das Lager bei Salzgitter wird zurzeit gebaut und soll nach Angaben der Bundesgesellschaft 2027 zur Verfügung stehen. Dann sollen die Abfälle sukzessive dorthin verbracht werden. Dieser Prozess wird voraussichtlich einige Jahrzehnte dauern.

Das Genehmigungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen

Obwohl die Baugenehmigung für das Zwischenlager erteilt wurde, ist das Genehmigungsverfahren nach dem Strahlenschutzgesetz noch nicht abgeschlossen. Darauf weist das Kieler Energiewendeministerium hin. Die Reaktorsicherheitsbehörde habe jedoch vorab die für die Baugenehmigung relevanten Anforderungen untersucht und dies der Baubehörde mitgeteilt. Im Verlauf des Verfahrens wird noch die maximale Strahlungsaktivität auf die Hälfte des von Vattenfall beantragten Werts festgeschrieben.

Auch für das Kernkraftwerk selbst, das sich in der Nachbetriebsphase befindet, ist das Genehmigungsverfahren für Stilllegung und Abbau noch nicht abgeschlossen.

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