Neue Pflicht

Schutzmasken sind in Geesthacht heiß begehrt

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Schneiderin Dürdane Gürgen und ihr Team nähen als zusätzliches Standbein Alltagsmasken im Akkord. Zu einem Stückpreis von acht Euro gibt es bei ihr Unikate – Kunden können auch ihren eigenen Stoff mitbringen.

Schneiderin Dürdane Gürgen und ihr Team nähen als zusätzliches Standbein Alltagsmasken im Akkord. Zu einem Stückpreis von acht Euro gibt es bei ihr Unikate – Kunden können auch ihren eigenen Stoff mitbringen.

Foto: Stefan Huhndorf

Ab kommender Woche sind die Masken in Schleswig-Holstein Pflicht. Wo es sie in Geesthacht gibt und was sie kosten.

Geesthacht.  Der Countdown läuft: Mittwoch, 29. April, beginnt die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkaufen im nördlichsten Bundesland zu tragen.

Wer nähen kann, ist klar im Vorteil, auch Alltagsmasken sind vielerorts ausverkauft. Änderungsschneiderin Dürdane Gürgen aus der Einkaufspassage Geesthachter Hof in der Fußgängerzone hat aus der Not eine Tugend gemacht. „Seit Tagen fertigen wir mit bis zu vier Leuten im Akkord Masken. Stoff habe ich genug, weil wir auch Maßanfertigungen für Kleider machen. Deshalb kann ich auch passend zu einem Kleidungsstück eine Maske anfertigen. Wer Stoff mitbringt, kann auch daraus eine Maske fertigen lassen“, sagt die Schneiderin. Acht Euro kosten die Unikate von Dürdane Gürgen.

Auch bei Sieglinde Drews am Buntenskamp 23 steht die Nähmaschine kaum still. In ihrer Schneiderei werden selbstgenähte doppellagige Masken mit Gummiband angeboten, in die zusätzlich ein Zellstoff-Taschentuch eingelegt werden kann. Die Masken werden zum Preis von zehn Euro angeboten. „Wir haben derzeit genügend Masken da und können auch schnell nachproduzieren. Wer allerdings eine größere Stückzahl benötigt, sollte diese vorbestellen“, bittet Sieglinde Drews. Bei Bedarf werden auch Kindermasken gefertigt.

Preisexplosion: Apotheke verkauft keine Masken mehr

Nicht in allen Geesthachter Apotheken können derzeit Masken gekauft werden. Die Apotheke im Rewe-Center bietet derzeit keine an. „Den Preiskampf machen wir nicht mit. Die medizinischen Masken müssten wir unseren Kunden zu einem unangemessen hohen Preis anbieten“, sagt eine Mitarbeiterin. Wenn jemand nachfrage, verweise man auf Schneidereien im Umkreis, die Masken anbieten. In der Sonnenapotheke (Bergedorfer Straße 58) dagegen kann man medizinische Masken zu einem Stückpreis von 8,95 Euro erwerben.

Großer Andrang herrscht auch im Stoff- und Wollgeschäft „Nähkästchen“ von Heide Gloor in der Lilie-Passage. „Die Kunden wollen alle Gummiband. Das ist schon seit Wochen nicht lieferbar. Man braucht etwa 60 Zentimeter Gummiband für eine Maske. Stoff haben wir dagegen in ausreichender Menge. Masken nähen wir aber nicht“, sagt Heide Gloor.

Gleich gegenüber hat Claudia Lilie ihren Buchladen. Sie selbst trägt bereits eine Maske und weist ihre Kunden auf die Neuregelung hin. „Ich würde meinen Kunden gerne Masken anbieten, die sind aber nicht zu einem vertretbaren Preis zu beschaffen.“

Auf die Produktion von Masken für Großkunden hat die Firma Invero aus Geesthacht ihre Produktion umgestellt. Normalerweise fertigt das Unternehmen an der Spandauer Straße hochwertige Tücher, die im Fachhandel verkauft werden. Aufgrund der Coronakrise liegt diese Produktion gerade brach. Die Stoffe, wie zum Beispiel das feine Merinogarn, kommen aus Italien, die Lieferketten sind unterbrochen. Dafür nähen die 14 Mitarbeiter, die sich derzeit in Kurzarbeit befinden, seit Anfang April in großen Mengen Alltagsmasken. Inhaberin Veronika Simon: „Die Nachfrage steigt und steigt. Wir haben mittlerweile bestimmt 2000 Stück genäht.“

Derzeit arbeiten die Kollegen an einem Großauftrag für das Rathaus. „800 Stück hat die Verwaltung bestellt“, sagt Simon. Auch für das Reinbeker Krankenhaus St. Adolf-Stift wurden bereits Masken angefertigt. Ebenso 100 Stück für das Geesthachter Johanniter Krankenhaus.

Bettlaken und Pfeifenreiniger werden zu Masken

Fabriziert wird nach dem sogenannten „Essener Modell“. Der Stoff stammt von einem Posten Bettlaken, der noch auf Halde war, sowie aus Stoffresten von selbstgenähter Kleidung für die Enkelkinder von Veronika Simon.

Und den in der Bastelanleitung empfohlenen Pfeifenreiniger für die Stabilisierung steuert Zigarren Fries bei. „Als ich sie bei Oliver Fries kaufen wollte, hat der verwundert gefragt, was ich denn mit 1000 Pfeifenreinigern wolle“, erzählt Veronika Simon. Als er den Grund erfuhr, wollte er kein Geld.

Immer schwieriger wird es hingegen, Schrägband für die Kanten zu beschaffen, ein ähnlich knappes Gut wie Gummibänder. „Da müssen wir uns jetzt etwas einfallen lassen“, sagt Simon. Mittlerweile spendet Invero die Masken nicht mehr, da die Nachfrage einfach zu groß sei.

Immerhin fallen etwa zehn Minuten Arbeit pro Stück an. „Für Großposten wird nun Geld verlang. Vier Euro die Maske“, so die Chefin.

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