Coronakrise

Gastronomen überleben mit einem „Taschengeld“

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Ibrahim Gürel und Rita Murlszach betreiben das Gasthaus Düneberg. Seit Anfang April bieten sie einen wechselnden Mittagstisch zum Abholen an. So wollen sie sich wenigstens ein wenig „Taschengeld“ verdienen.

Ibrahim Gürel und Rita Murlszach betreiben das Gasthaus Düneberg. Seit Anfang April bieten sie einen wechselnden Mittagstisch zum Abholen an. So wollen sie sich wenigstens ein wenig „Taschengeld“ verdienen.

Foto: Isabella Sauer

Gastronomen in Geesthacht und Umgebung kämpfen um ihre Betriebe. Jeden Tag wird die Lage schwieriger. Aufgeben tun sie trotzdem nicht.

Geesthacht. Während Einzelhändler ihre maximal 800 Quadratmeter großen Läden ab Montag wieder öffnen dürfen, müssen Gastronomen weiterhin ausharren. Dabei ist auch für sie jeder Tag, den das Restaurant geschlossen bleibt, ein Existenzrisiko. Und trotzdem: Die Gastronomen in Geesthacht und Umgebung versuchen, das Beste aus der Coronakrise zu machen, kämpfen ums Überleben.

Die Tür zum Gasthaus Düneberg (Düneberger Straße 59) steht weit auf. Links und rechts daneben hängen zwei Schilder mit der Aufschrift: „Mittag zum Abholen von 12 bis 14 Uhr“ und „Wir sind für Sie da“. In der Mitte des Eingangs steht ein kleiner Tisch parat. Hier wird Wechselgeld per Schälchen gegen Essen getauscht­. „Seit Anfang April bieten mein Geschäftspartner Ibrahim Gürel und ich einen Außer-Haus-Service an“, sagt Rita Murlszach. Zunächst hätten sie das Restaurant geschlossen, da sie total frustriert waren. Alle zehn Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt werden.

Derzeit haben sie Glück, was die Mietkosten angeht. „Unser Vermieter hat gesagt, wir können später bezahlen. Wir sind sehr dankbar“, sagt Murlszach, die die Idee mit dem täglich wechselnden Mittagstisch hatte und diese Woche Flyer im Gewerbegebiet verteilt hat. „Es ist ein Überleben von einem Tag zum anderen, aber wir geben nicht auf“, sagt sie trotzdem mit guter Laune und bedient Kunde Rüdiger Jürgens, der aktuell vermeidet, in Supermärkten einkaufen zu gehen und somit häufiger Essen bei den Gastronomen vor Ort bestellt. „Ich möchte so helfen. Und noch dazu gibt es leckeres Essen“, sagt der Geesthachter.

Raul Kapur hat seine Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt

Auch Raul Kapur (31), der das Restaurant Namaste India (Rathausstraße 67) betreibt, bietet einen Abholservice an. Von 16 bis 21 Uhr steht er alleine im Laden, nimmt Anrufe entgegen und kocht für seine Kunden. Seine fünf Mitarbeiter musste er ebenfalls in Kurzarbeit schicken. „Jetzt bin ich nur noch ein Ein-Mann-Betrieb“, sagt er. Aktuell koche er täglich drei bis fünf Essen zum Abholen. Das sei nicht viel, aber ein kleines Taschengeld sei besser als nichts. So oder so mache er aktuell jeden­ Tag ein Minusgeschäft. Hilfe für Selbstständige habe er bereits beantragt. „Ich bin froh darüber, dass es diese Hilfen­ in Deutschland gibt“, so Kapur, der den Kopf dennoch nicht in den Sand steckt und auf eine zweite, gute Jahreshälfte hofft.

Auch Peter Kunert hat mit seinem Hotel und Restaurant Holsteiner Hof (Hechtholtz 36) zu kämpfen. Drei Wochen hatte er komplett geschlossen, nun hat er ebenfalls einen Abholservice auf die Beine gestellt. Von Dienstag bis Sonnabend können Kunden nun nach telefonischer Vorbestellung Gerichte wie „Hamburger Pannfisch“ und „Schnitzel Wiener Art“ abholen und zu Hause genießen. „Das ist zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber besser als gar nichts“, so Kunert. Kredite seien bereits gestoppt, man arbeite daran, die laufenden Kosten einigermaßen decken zu können.

Sebastians: Frisches Essen in Bioverpackungs-Boxen

Schneller auf die Krise reagiert hatte hingegen Sebastian Suhr vom Restaurant Sebastians (Elbuferstraße 75). „Nachdem klar war, wir müssen schließen, habe ich mir einen Abhol- und Lieferservice einfallen lassen“, sagt der 37-Jährige, der vor zwei Jahren die Immobilie komplett renoviert hat. Donnerstags bis sonntags von 16 bis 20 Uhr können Gäste zum Beispiel Spareribs, selbst gemachtes Sauerfleisch und eingelegte Bratheringe in Bioverpackungs-Boxen und Warmhaltetragetaschen aus dem Laden herausholen. Damit die Bürger wissen, dass diese Möglichkeit überhaupt besteht, hat der Gastronom große Aufkleber drucken lassen, die nun die Fensterscheiben zieren.

In Tesperhude betreiben Nicole und Peter Voss das Hotel und Restaurant Elbblick (Elbuferstraße 102). Trotz Reise- und Kontakteinschränkungen stehen auf dem Parkplatz viele Fahrzeuge mit fremden Kennzeichen. „Geschäftsleute und Monteure dürfen ja reisen“, sagt Nicole Voss. Zum Frühstück im Restaurant werden die dann separiert: „Zuletzt hatten wir eine Gruppe von Monteuren, die jeweils nur zu zweit und mit einem Tisch Abstand dazwischen speisen durften“, so Voss.

In Rump’s Bistro in Börnsen wird weitergearbeitet

Für weitere Gäste ist das Restaurant geschlossen, stattdessen gibt es seit 14 Tagen einen Abholservice mit mehreren Gerichten, den Voss mit dem benachbarten Landhaus Tesperhude organisiert. „Es ist ein Service, aber davon leben kann man nicht.“ Wie lange sie in dieser Situation durchhalten, kann der Hotelier nicht sagen: Mit Hilfe von Beratern hat das Ehepaar bereits zahlreiche Förderanträge gestellt, das Personal in die Kurzarbeit geschickt.

In Rump’s Bistro (Beim Sachsenwald 2) in Börnsen wird ebenfalls weitergearbeitet – allerdings als Ein-Frau-Betrieb. Inhaberin Ina Rump hat ihre zwei Mitarbeiter bereits im März in Kurzarbeit geschickt, den Abholservice stemmt sie allein. „Die Angebote werden gut angenommen“, freut sich die 53-Jährige. Sie versuche dadurch, den Verlust zu minimieren. Die Umsatzeinbußen bis Ende Mai beziffert sie auf rund 40.000 Euro. Um das Bistro zu halten, greift sie bereits auf private Reserven zurück. Eine Öffnung des Bistros unter Einhaltung von Abstandsregelungen sei kaum umsetzbar. „Mehr Abstand zwischen den Tischen bedeutet weniger Tische und dann auch weniger Gäste!“ Lukrativ sei das nicht. Aber Ina Rump möchte auf jeden Fall durchhalten – wenn unbedingt nötig auch mit einigen Einschränkungen.

Weitere Infos zur Gastronomie: www.herzogtum-lauenburg.de

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