Coronavirus

Geesthachter nähen jetzt Mundbedeckungen

| Lesedauer: 4 Minuten
Bei Invero werden Masken genäht; Veronika Simon (Inhaberin), Stephanie Soltau (beide vorn), hinten am Bügelbrett stehen Manuela Eggert, Nicole Rekowski (Azubi) und Heidi Harnisch. Die Frauen bringen ihre eigenen Nähmaschinen mit, die Firmenmaschinen sind zu speziell.

Bei Invero werden Masken genäht; Veronika Simon (Inhaberin), Stephanie Soltau (beide vorn), hinten am Bügelbrett stehen Manuela Eggert, Nicole Rekowski (Azubi) und Heidi Harnisch. Die Frauen bringen ihre eigenen Nähmaschinen mit, die Firmenmaschinen sind zu speziell.

Foto: Dirk Palapies

Einige Firmen stellen nun ihren Betrieb um. Auch Privatpersonen wollen in der Coronakrise helfen. Drei Beispiele aus Geesthacht.

Geesthacht. Überall fehlt es an Schutzkleidung, trotz mehrfacher Bestellungen. Das führt dazu, dass mittlerweile auch Ehrenamtliche zur Nähmaschine greifen und aus alten Bettlaken, Stoffen und Gummibändern die notwendigen Mundbedeckungen herstellen. Aber auch einige Betriebe stellen ihre Produktion um, damit sie in der derzeitigen Lage unterstützen können. Drei Beispiele, wie in Geesthacht zusammengehalten und geholfen wird.

Firma Küpper: Kostenfreie Masken werden verteilt

Fünf Tage ist es nun her, da starteten Sabine und Stefan Küpper, die seit 1996 die Sanierungsservice GmbH Küpper an der Mercatorstraße in Geesthacht betreiben, einen Aufruf auf ihrer Facebook-Seite. Dabei ging es um das Nähen von Mund- und Nasenmasken. „Wir haben gefragt, wer Lust, Zeit und das notwendige Equipment hat, um ein paar Atemmasken zu nähen“, sagt Sabine Küpper. Ihr Anliegen ist es, dass so viele Bürger wie möglich eine Atemmaske erhalten. „Wir haben bereits für 2000 Euro Stoff gekauft und als Firma zur Verfügung gestellt.“ Mittlerweile gibt es 20 ehrenamtliche Helfer, die fleißig nähen. Nun sei die Gruppe allerdings auf weitere Stoff- oder Geldspenden angewiesen. Aber auch weitere helfende Hände könnten gebraucht werden.

Verteilt werden sollen die Masken an Apotheken. Die wiederum wollen die selbstgenähten Exemplare an das Personal von Alten- und Pflegeheimen weitergeben. „Die Mundbedeckungen sollen besonders dem Pflegepersonal und pflegenden Angehörigen im Alltag helfen und die Verteilung von Tröpfchen in der Umgebung verhindern“, so Küpper.

Bis zum Wochenende wollen die freiwilligen Helfer rund 1200 Atemmasken herstellen. „Dann legen wir sie in kleine Körbchen, und die werden verteilt.“ Wo genau, steht noch nicht ganz genau fest. Eine feste Zusage gibt es aber bereits vom Edeka-Markt Lippert (Berliner Str. 83-87). Hier werden ein paar Körbchen an der Kasse oder im Eingangsbereich des Marktes stehen, damit sich die Kunden an den kostenfreien Masken bedienen können. Zudem sollen seine Mitarbeiter damit ausgestattet werden. Wer das Projekt der Firma Küpper unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an info@sanierungsservice.de melden.

Invero: Gutes tun in der Kurzarbeit

Invero stellt hochwertige Tücher her, die im Fachhandel verkauft werden. Die Produktion liegt gerade brach. Denn Stoffe wie das feine Merinogarn kommen aus Italien, die Lieferketten sind unterbrochen, die 14 Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit. Und wollten die Zeit nutzen, um etwas Gutes zu tun, berichtet Inhaberin Veronika Simon. So wurde das fachliche Können genutzt, um 150 „Behelfsmasken“ als Spende für das Reinbeker Krankenhaus St.Adolf-Stift zu nähen – die Schwester einer Invero-Mitarbeiterin arbeitet dort. „Als Mundschutz dürfen die Masken nicht bezeichnet werden“, klärt die Chefin auf. Das sei der medizinischen Produktion vorbehalten. Die 150 Modelle kamen richtig gut an. Sie haben innen Falten, damit Filtermaterial hineingesteckt werden kann. Weitere 100 Stück wurden dem Geesthachter Johanniter Krankenhaus als Spende übergeben.

Fabriziert wird nach dem sogenannten „Essener Modell“. Der Stoff stammt von einem Posten Bettlaken, der noch auf Halde war, sowie aus Stoffresten von selbstgenähter Kleidung für die Enkelkinder von Veronika Simon. Und den in der Bastelanleitung empfohlenen Pfeifenreiniger für die Stabilisierung steuerte als Spende Zigarren Fries bei. „Als ich sie bei Oliver Fries kaufen wollte, hat der verwundert gefragt, was ich denn mit 1000 Pfeifenreinigern wolle“, erzählt Veronika Simon. Als er den Grund erfuhr, wollte er kein Geld. Schwieriger war die Beschaffung von mittlerweile rar gewordenem Schrägband für die Kanten. 2000 Meter konnte sie bei einem Großhändler nachordern. Aber nur, weil sie ihn bereits lange kennt.

Als der Wunsch nach größeren Mengen laut wurde, zog die Chefin die Reißleine. Das sei ehrenamtlich nicht mehr zu schaffen gewesen, sagt sie. Immerhin fallen etwa zehn Minuten Arbeit pro Stück an. Für Großposten wird nun Geld verlangt: vier Euro die Maske. Das Johanniter hat gestern fürs Erste 500 gekauft.

Landfrauen nähen fürs Rote Kreuz und Soziale Dienste

Auch die Landfrauen im Kreis tun sich zusammen und nähen Behelfs-Mund-Nasen-Masken für Mitarbeiter des DRK und der Ambulanten Sozialen Dienste. Auf www.landfrauen-herzogtum.de stellen sie Nähanleitungen zur Verfügung. Bei Fragen oder bei Fertigstellung von Masken kann eine E-Mail an info@landfrauen-herzogtum.de geschickt werden.

( pal/isa )

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