Kirche

Geesthacht: Gemeinde will Abriss von St. Petri vorziehen

Die St.-Petri-Kirche auf dem Spakenberg wurde 1963 fertiggestellt. Jetzt droht dem denkmalgeschützten Gotteshaus der Abriss.

Die St.-Petri-Kirche auf dem Spakenberg wurde 1963 fertiggestellt. Jetzt droht dem denkmalgeschützten Gotteshaus der Abriss.

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

Geesthacht. Bereits im Sommer 2020 soll der letzte Gottesdienst gehalten werden. Grünes Licht der Denkmalschützer steht aus.

Geesthacht.  Die Christen der Stadt kennen Gunnar Penning als ruhigen und ausgeglichenen Pastor der evangelischen Kirchengemeinde Geesthacht. Doch als Sonntagmittag Edith Müller-Eltzschig bei der Diskussion um die bevorstehende Schließung von St. Petri in der Gemeindeversammlung zum Mikrofon griff, platzte es aus dem Geistlichen hervor. Gemeindemitglied Müller-Eltzschig hatte angemerkt, dass St. Petri die „Kirche der Heimatvertriebenen“ in der Oberstadt sei. Und der Gruppe sei es nicht zuzumuten, die Gottesdienste ausschließlich in der zwei Kilometer entfernten St.-Salvatoris-Kirche zu besuchen.

Gemeindeversammlung hatte nur 60 Gäste

„Wir können doch nicht das Gebäude erhalten, aber keiner geht rein“, kritisierte Penning. Er führte als Beispiel den Gottesdienst an, den die Gemeinde direkt vor der Versammlung gefeiert hatte. Hier waren 125 Gäste im Kirchenschiff. Anschließend verließen jedoch viele das Gebäude. Auch wenn noch mehrere dazustießen, die nicht dem Gottesdienst beigewohnt hatten, saßen am Ende 13 Vertreter des Kirchengemeinderats (KGR, davon drei Pastoren) knapp 60 Besuchern gegenüber. Und die hörten viele Neuigkeiten.

So kündigte Axel Maak, Vorsitzender des Verwaltungsausschusses im KGR, an, dass die bislang für Ende 2022 geplante Schließung der Kirche erheblich vorgezogen werde. Bereits im Mai oder Juni 2020 soll in St. Petri der letzte Gottesdienst

gefeiert werden und anschließend sei bereits der Abbruch des denkmalgeschützten Gebäudes geplant – wenn der Landeskonservator dem zustimmt. Penning betonte, dass es bislang noch keine Gespräche mit der Denkmalpflege gegeben habe, weil man zunächst die Gemeinde habe informieren wollen. Nach den Gesprächen, die er bislang über das Thema mit dem Kirchenkreis Hamburg-Ost geführt habe, sei es „nicht unmöglich“ eine Einigung mit den Denkmalpflegern zu erzielen. KGR-Mitglied Michael Fiebig betonte dabei die Unumstößlichkeit der Entscheidung: „Wenn der Denkmalschutz nein sagt, wird das nicht dazu führen, dass wir diesen kirchlichen Standort wieder aufnehmen.“

Pastor: Kirche soll kein Wahlkampfthema sein

Axel Maak hatte zuvor von zahlreichen Bemühungen berichtet, die der KGR und viele andere Menschen unternommen hätten. So habe es die Überlegung gegeben, die Kirche als Kulturstandort zu nutzen, ohne jedoch einen Betreiber zu finden. Auch andere Religionsgemeinschaften und Sozialträger hätten kein Interesse an dem Gebäude bekundet, das als sehr sanierungsbedürftig gilt. Es sei sogar eine Idee gewesen, das Kirchenschiff als zentralen Kita-Raum zu nutzen, allerdings sei der große Raum nicht zweckmäßig. Laut Maak habe sich auch ein Geesthachter, der in Hamburg eine Privatbank leitet, erfolglos um Investoren bemüht: „Die Nachfrage ist gering. Geesthacht ist nicht Hamburg“, so Maak.

Gunnar Penning warb um Verständnis für das Vorziehen der Schließung: „Wir haben für uns festgestellt, dass es eine große Belastung ist, mit diesem Wissen im Hintergrund weiterzumachen.“ Zudem habe der KGR vermeiden wollen, dass St. Petri zum Thema beim nächsten Kommunalwahlkampf 2022 werde.

Damit endet auf dem Spakenberg bald eine knapp 70-jährige protestantische Geschichte. Nachdem sich 1960 die St.-Petri-Gemeinde gegründet hatte, fusionierte sie 2005 mit St. Salvatoris zu einer Kirchengemeinde, die aktuell noch 6500 Mitglieder hat. 15 Jahre nach der Fusion soll jetzt Schluss sein.