Prozessauftakt

Autoraub in Geesthacht: Hörte der Pistolen-Mann Stimmen?

Mit dieser Waffe bedrohte der Angeklagte den Geesthachter: Die Schreckschusspistole HK P30, Kaliber 9 Millimeter P.A.K. des Herstellers Umarex.

Mit dieser Waffe bedrohte der Angeklagte den Geesthachter: Die Schreckschusspistole HK P30, Kaliber 9 Millimeter P.A.K. des Herstellers Umarex.

Foto: Umarex / umarex

Geesthacht/Lübeck. Seit Mittwoch steht der 36-Jährige vor Gericht. Das Opfer, ein 65-Jähriger aus Geesthacht, verzeiht ihm die „Blödsinns“-Tat.

Geesthacht/Lübeck.  Die Vorwürfe gegen Peter M. (36) wiegen schwer: Er soll am 28. November 2018 mit einer Schreckschusspistole in Geesthacht einen Mann bedroht und ihm einen grünen VW Lupo geraubt haben – direkt am Markt, nur 80 Meter Luftlinie von der Polizeiwache entfernt. Seit Mittwoch muss sich der Mann aus der Nähe von Schwarzenbek vor der Siebten Großen Strafkammer des Lübecker Landgerichts verantworten. Ihm könnte eine mehrjährige Haft drohen.

Opfer Uwe B.: „Ist okay, ist halt passiert“

Der dunkelhaarige Angeklagte, der sich eigens die Haare hatte schneiden lassen und den Bart abrasiert hatte, blickte zumeist auf den Tisch vor sich und nuschelte seine Antworten in die Hand, auf die er seinen Kopf stützte. Er erklärt sich die Tat mit seinem Drogenkonsum – vor allem Meth­amphetamin („Meth“). „Dann ist die Geschichte halt passiert… Kann ich mir selbst nicht erklären“, sagte Peter M. Und gewandt an Opfer Uwe B. brachte er ein knappes „Tut mir leid“ hervor. Dem 65-jährigen Opfer aus Geesthacht schien das zu reichen: „Ist okay, ist halt passiert“, antwortete Uwe B. Zuvor hatte der Geesthachter bereits sein Bedauern für den Angeklagten geäußert und die Tat als „Blödsinn“ bezeichnet.

Waffe hat auch Bundeswehr im Einsatz

Den Raubüberfall hat der Angeklagte derweil gestanden. Bei sich trug er eine „HK P30“, die äußerlich komplett der scharfen Pistole gleichen Namens der Firma Heckler & Koch ähnelt. Die Waffe haben unter anderem Bundeswehr und Zoll im Einsatz. Die Schreckschusspistole hat ein Magazin für 15 Gaskartuschen. Nach Angaben der Polizei befanden sich noch sieben Schuss im Magazin, ein weiterer Schuss im Lauf der durchgeladenen Waffe, die der Angeklagte nach eigenen Angaben bei seinem Bruder hatte mitgehen lassen. Für das Tragen fehlte dem Angeklagten der kleine Waffenschein. Zudem hatte er, weil er vor Jahren mit drei Gramm Marihuana am Steuer erwischt worden war und sich die Medizinisch-Psychologische Untersuchung („Idiotentest“) gespart hatte, keinen Führerschein.

Stimmen im Kopf als Auslöser?

Doch was brachte M. dazu, einen uralten Lupo (Baujahr 2003) zu rauben? Er soll mehrfach Stimmen gehört haben, die ihm Befehle erteilt haben – etwa, sich Gliedmaßen abzuschneiden. Direkt vor der Tat hatte er drei Nächte in der Psychiatrie des Geesthachter Johanniter-Krankenhauses zugebracht. Ob er direkt vor der Tat Stimmen gehört habe, konnte M. nicht erinnern. Der Prozess wird am 20. Mai fortgesetzt. Dann soll voraussichtlich das Urteil fallen.