Leiche gefunden

Feuerwehr findet Toten in Messie-Wohnhaus

Feuerwehrleute beim Aufräumen: In dem Haus an der Mühlenstraße türmt sich der Unrat.

Feuerwehrleute beim Aufräumen: In dem Haus an der Mühlenstraße türmt sich der Unrat.

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Der Mann lag offenbar über Tage tot in der Haushälfte an der Mühlenstraße. Feuerwehrleute waren in Schutzanzügen im Einsatz.

Geesthacht.  In einer Doppelhaushälfte in Geesthacht wurde am Montagabend eine Leiche gefunden. Offenbar lag der Tote bereits mehrere Tage unbemerkt in der stark vermüllten Haushälfte. Feuerwehrleute in speziellen Schutzanzügen waren im Einsatz, um die Leiche zu bergen – bislang erfolglos. Ob es sich bei dem Toten um den 34-jährigen Mieter der Doppelhaushälfte handelt, ist nach Polizeiangaben noch nicht gewiss. Eine Obduktion soll Klarheit bringen – auch über die Todesumstände.

Feuerwehrleute in Einwegschutzanzügen

In ihren Einwegschutzanzügen, mit Atemschutzgeräten, Gummihandschuhen und abgeklebten Ärmeln sorgten die Feuerwehrleute für Aufsehen an der Mühlenstraße. „Wir wurden angefordert, um für den Rettungsdienst einen Zugang zum Patienten freizuräumen und Platz zu schaffen, damit der Mann bewegt werden konnte“, berichtete Marc Phelbs, Gruppenführer der Feuerwehr. Der Patient wurde auf etwa 200 Kilo geschätzt, sodass der Notarzt für die Feststellung des Todes Hilfe benötigte.

Beißender Gestank in dem Haus

Ein Dutzend Feuerwehrleute waren mit zwei Fahrzeugen im Einsatz. Zunächst wurde das Haus gelüftet, weil dort beißender Gestank herrschte. Die im Haus eingesetzten Feuerwehrleute wurden anschließend dekontaminiert und die Schutzanzüge entsorgt.

„Für unsere Kräfte kein normaler Einsatz, das Umfeld war sehr ungewöhnlich. Die Person war schwer und der Weg sehr zugemüllt. Aber die Unterstützung für den Rettungsdienst war nötig, sodass wir uns aber bestmöglich vor der Umgebung geschützt haben“, berichtet Heiko Brett, Geesthachts stellvertretender Wehrführer.

Geesthachter Kriminalpolizei ermittelt

Weil der Notarzt die Todesursache nicht eindeutig feststellen konnte, geht die Polizei in solchen Fällen zunächst von einer unnatürlichen Todesursache aus. Hinweise auf ein Verbrechen fand man aber bisher nicht. Der Kriminaldauerdienst aus Lübeck war noch am Abend vor Ort. Die weiteren Ermittlungen führt jetzt die Geesthachter Kripo. Insgesamt zog sich der Einsatz dort mehrere Stunden hin.

Nachbarin: „Er wurde ganz einsam“

„Er war so ein wunderbarer Mensch. Aber irgendwie fehlte ihm die Liebe. Er wurde ganz einsam und hat sich dann auch nicht mehr helfen lassen“, berichtet Renate Ala. Die 71-Jährige lebte quasi Wand an Wand mit Sascha L. in dem Doppelhaus an der Mühlenstraße. Ein Freund versorgte den 34-Jährigen mit dem Nötigsten. Der Freund war es auch, der die Leiche am Montagabend entdeckte. Zu Mutter und Schwester soll es kaum noch Kontakt gegeben haben.

„Irgendwas hat ihn aus der Bahn geworfen“

Als 18-Jähriger war L. in die Haushälfte neben Renate Ala eingezogen. „Er war immer hilfsbereit, half mir mit dem Computer. Er war erst auch engagiert, aber irgendwas hat ihn dann aus der Bahn geworfen“, berichtet Renate Ala. Anwohnerrn Elsbeth Hillmer kannte den jungen Mann auch. „Ich habe ihn aber schon lange nicht mehr draußen gesehen“, erklärt sie. L. habe sich einen langen Bart stehen lassen und sei nicht mehr zum Friseur gegangen. Die Einsatzkräfte fanden ihn leblos auf dem Sofa, wo er ständig gesessen haben soll.

„Er war nicht doof, aber faul und irgendwann ist er zum Messie geworden. Aber er hat ja auch niemanden mehr rein gelassen und wollte keine Hilfe“, sagt Renate Ala. Oft habe sie den 30-Jährigen animiert, draußen mal eine Runde zu gehen. Doch der wollte nicht. „Man kam nicht mehr an ihn ran“, sagt sie. Um den Müll in der Messie-Wohnung wird sich jetzt der Hauseigentümer kümmern müssen. „Mal sehen, wie das wird, ich stehe schon mit dem Ordnungsamt im Kontakt, aber das Sozialamt wird wohl nichts zahlen“, berichtet der Hausbesitzer.

Bergung der Leiche scheiterte

Doch zuvor muss noch die Leiche abgeholt werden. Bisher konnte der schwergewichtige Tote nicht geborgen werden, weil der Bestatter dazu nicht in der Lage war. Die Haustür, die am Montag beim Besuch des Freundes offen war, ist notdürftig vernagelt, die Kripo hat ein Siegel angebracht und die Haushälfte gesichert.