Geesthacht.

Seltene Fledermaus in Geesthacht entdeckt

Inventur Großes Mausohr überwintert in Bunker

Geesthacht.  Kleine Sensation bei der alljährlichen Inventur in den Geesthachter Fledermaus-Quartieren: In einem unterirdischen Bau auf dem Gelände des Helmholtz-Forschungszentrums, der noch aus der Zeit von Alfred Nobels Dynamitfabrik stammt, entdeckten Experten ein Tier des Typs Großes Mausohr. „Das ist die größte in Europa vorkommende Fledermausart mit einer Spannweite von etwa 50 Zentimetern. Sie ist sehr selten und kommt hier in der Gegend sonst gar nicht vor“, sagt Matthias Göttsche vom Fledermaus-Monitoring Schleswig-Holstein. Er stieg mit Herbert Bahr vom Geesthachter Naturschutzbund (Nabu), der sich um die Fledermäuse in der Stadt kümmert, sowie anderen Freiwilligen zur Inventur in die zu Winterquartieren hergerichteten alten Bauten.

Das Große Mausohr lebt in Schleswig-Holstein nur im Segeberger Kalkberg, außerdem auf Burg Stargard in Mecklenburg-Vorpommern. Weiter im Süden ist die Art verbreiteter. Göttsche: „Vielleicht ist es ein Männchen, das die Region erkundet. Wenn es gute Bedingungen feststellt, kommen vielleicht auch mehr Tiere hierher.“ Es wäre endlich eine gute Nachricht für die Population der Fledermäuse.

Insgesamt wurden gestern gut 30 Tiere, darunter auch Fransen- und Wasserfledermäuse, in den Quartieren auf dem Gelände des Forschungszentrums und im alten Luftschutzstollen in Tesperhude entdeckt. Helfer des Nabu hatten sie in den vergangenen Jahren hergerichtet. „Wir hoffen natürlich, dass sich diese Überwinterungsmöglichkeiten bei den Fledermäusen herumsprechen“, erklärt Bahr. Gerade die alten Bunker- und Fabrikanlagen aus der Dynamit-Zeit bieten den Tieren gute Möglichkeiten. Die Mitglieder des Nabu haben sie mit Hohllochsteinen und Trapezplatten aus Kunststoff ausgestattet. In den Löchern und Hohlräumen suchen sich die Fledermäuse ihre Schlafplätze für den Winter. Unterirdisch ist es warm und feucht – optimale Bedingungen.

Göttsche ist landesweit betrachtet mit den aktuellen Vorkommen der Fledermäuse zufrieden. Immerhin ist trotz aller Befürchtungen der Rückgang bei der Population nicht spürbar. „Die bisher erfassten Quartiere waren ganz gut belegt, aber Entwarnung können wir noch lange nicht geben. Die Fledermäuse sind weiterhin in ihrem Bestand sehr bedroht“, sagt Göttsche. Ursache der Bedrohung ist vor allem der Nahrungsmangel: Das Insektensterben führt dazu, dass die Fledermäuse weniger Futter finden – sie verhungern dann.