Geesthacht.

Angst vor Altersarmut begleitet ihn

Versichertenberater blickt auf 25 Jahre Ehrenamt zurück

Geesthacht.  Gerade eine Woche ist es her, dass die Beratungsgesellschaft Ernst & Young eine Umfrage veröffentlichte, wonach 56 Prozent der Deutschen sich um die Absicherung im Rentenalter Sorgen mache. Das seien 18 Prozentpunkte mehr als 2017. Besonders betroffen von diesem Risiko sind Frauen, von denen nach Angaben der Nationalen Armutskonferenz 55 Prozent in Teilzeit arbeiten und somit nur geringe Rentenanwartschaften erwerben. Zum Vergleich: Von den Männern arbeiten nur 18 Prozent in Teilzeit. Besonders hoch sei zudem das Risiko von Alleinerziehenden.

Ein Thema, das längst auch in Geesthacht angekommen ist, berichtet Ullrich Steffens: „Die Angst ist in meinen Gesprächen immer wieder zu spüren“, sagt der 60-Jährige, der seit über 25 Jahren als einer von 2600 ehrenamtlichen Versichertenberatern (früher „Versichertenälteste“) im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung im Bundesgebiet im Einsatz ist.

„Es sind immer auch traurige menschliche Schicksale, die einem dabei begegnen. Wenn etwa eine junge Witwe mit zwei kleinen Kindern vor einem steht, die ihre Hinterbliebenenrente klären lassen möchte“, sagt der Geesthachter Steffens. Er gebe deshalb auch immer wieder Hilfestellungen – etwa zur Beantragung der Grundsicherung, mit der eine karge Rente aufgestockt werden kann. Ullrich Steffens hat es oft auch mit Krankheiten und Diagnosen zu tun, die für die Berechnung der Rente eine Rolle spielen: „Diese Themen behalten wir Berater natürlich für uns.“

Die Versichertenberater werden alle sechs Jahre bestimmt, in dem sie für eine Liste bei der Sozialwahl antreten. Die Kandidaten für diese ehrenamtliche Tätigkeit gehören unterschiedlichen Organisationen an – von den Gewerkschaften bis zum katholischen Kolpingwerk. Steffens trat 2017 für die „BfA DRV“ an, eine unabhängige Interessengemeinschaft der Versicherten und Rentner. Beruflich arbeitete Steffens bis vor Kurzem für die Gesetzliche Krankenkasse DAK. Voraussetzung ist eine solche berufliche Vorbildung jedoch nicht.

Nach Angaben der Rentenversicherung bieten die Ehrenamtlichen jährlich eine Million Beratungen an. Dazu arbeiten sie 25.000 Anträge auf Klärung des Versicherungskontos ab und nehmen im Schnitt 200.000 Rentenanträge jährlich auf. Dies spare Zeit und Nerven, sagt Steffens: „Während die Versicherten bei den Beratungsstellen der Rentenversicherung schon mal bis zu acht Wochen auf einen Termin warten müssen, bekomme ich das meist innerhalb von zwei Wochen hin.“

Wird er auch bei der Sozialwahl 2023 wieder antreten? Das könne gut sein, sagt Steffens. „Das schöne ist der menschliche Kontakt. So gibt es bei weitem nicht nur bedrückende Themen. Erst kürzlich erzählte mir ein Mann, dass er sofort nach Thailand auswandern werde, wenn er erst den Bescheid in den Händen halte“, berichtet der Geesthachter schmunzelnd.

Wer sich bei Steffens beraten lassen möchte, erreicht ihn unter Telefon (0 41 52) 83 57 15 oder mobil unter 01 51 / 25 29 01 24.