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DLRG: Erklärungsversuche zum Nachlass-Bettelbrief

Die Geesthachterin Inge Oldenburg-Temple (80) ist wütend: Die DLRG forderte sie per Brief auf, ihren Nachlass den Lebensrettern zu vermachen. „Eine Unverschämtheit“, sagt sie.

Die Geesthachterin Inge Oldenburg-Temple (80) ist wütend: Die DLRG forderte sie per Brief auf, ihren Nachlass den Lebensrettern zu vermachen. „Eine Unverschämtheit“, sagt sie.

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

Geesthacht. Erbschaften und Nachlässe seien unabdingbar, betont der Bundesverband und wirbt um Verständnis bei Geesthachterin (80).

Geesthacht.  Die mit Füllfederhalter handschriftlich geschriebene Anrede und Signatur „Ihr Achim Wiese“ verraten es: Die Kritik der Geesthachterin Inge Oldenburg-Temple ist bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) angekommen. Der Leiter der DLRG-Verbandskommunikation meldete sich persönlich bei ihr, nachdem wir über ihren Fall berichtet hatten. Die 80-Jährige hatte sich schockiert darüber gezeigt, dass sie ungebeten in einem „Bettelbrief“ von der DLRG um ihren Nachlass gebeten wurde.

Sprecher: Spontan-Spenden reichen nicht aus

„Mit unserem Angebot, einen Erbschaftsratgeber bestellen zu können, wollten wir Ihnen keinesfalls zu nahe treten. Dieser Ratgeber ist als Service für unsere Spender gedacht“, schreibt Achim Wiese, der nicht nur für die Kommunikation in der DLRG-Bundesgeschäftsstelle in Bad Nenndorf verantwortlich ist, sondern auch für das Einwerben von Spenden (Fundraising). Seit 2015, als Wiese diese Stelle übernahm, wird diese Aufgabe nicht mehr vom DLRG-Präsidium, sondern vom Bundesverbandssprecher übernommen.

„Sie sollten dabei wissen, dass trotz der immer wieder bekundeten Sympathien für unsere Hilfsorganisation und ihre humanitäre Aufgabe allein die Zahl der spontanen, unaufgeforderten Spenden nicht ansatzweise ausreichen würde, um die wichtige Arbeit finanziell abzusichern“, schreibt Wiese weiter. Der Anteil der Spendeneingänge in Form von Erbschaften und Vermächtnissen gehöre „schon längst zum Finanzierungsmix einer spendensammelnden Organisation, so auch bei der DLRG“, heißt es weiter in dem Brief. Die DLRG hoffe, dass „anders, als in der Zeitung geschrieben, Ihre grundsätzliche Sympathie für unsere ehrenamtlichen Rettungskräfte durch unser Angebot keinen Schaden genommen hat.“

Zweifel an der DRLG-Organisation, nicht den Rettern

Das sei auch nicht der Fall, sagt Inge Oldenburg-Temple im Gespräch mit unserer Zeitung. Allerdings müsse sie es sich gut überlegen, wie es künftig um ihr Vertrauen in die DLRG als Organisation bestellt sei. „Bis auf weiteres werde ich trotz des Briefes nicht mehr spenden“, sagt die Geesthachterin.