Großbrand

Feuer im Helmholtz-Zentrum: Rauchsäule über Geesthacht

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Wiebke Jürgensen
Großfeuer im Magnesiumlabor des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG). 80 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Großfeuer im Magnesiumlabor des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG). 80 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Foto: NEWS & ART

Geesthacht: Bei einem Großfeuer ist am Mittwochmittag eine Halle für die Materialforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) ausgebrannt.

Kilometerweit war die tiefschwarze Rauchsäule über Geesthacht zu sehen, beißender Geruch stand in den Straßen Grünhof-Tesperhudes: Ein Großbrand am Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) forderte gestern Mittag die Feuerwehr und schreckte viele Einwohner der Elbestadt.

Zunächst waren die Brandschützer nur zu einem Fehlalarm auf das Gelände an der Max-Planck-Straße gerufen worden, doch plötzlich verschärfte sich die Situation: Denn als die Freiwillige Feuerwehr Geesthacht gerade abrücken wollte, schlugen gegen 12 Uhr plötzlich meterhohe Flammen aus einer Halle, in der Metalllegierungen für die Auto- und Flugzeugindustrie entwickelt und getestet werden.

Als die Feuerwehr zufällig vorbeifuhr gab es einen „Flash-Over“

„Als die Kräfte vorbeifuhren, sahen sie Rauch und innerhalb weniger Sekunden kam es zur Durchzündung – dem gefürchteten Flash-Over“, beschreibt Einsatzleiter Heiko Brett von der Feuerwehr Geesthacht die äußerst gefährliche Situation. Die Flammen fraßen sich durch das Dach, Scheiben barsten. Sofort wurden Wehren nachalarmiert. Insgesamt 85 Feuerwehrleute brachten den Brand dann schnell unter Kontrolle.

Die 400 Quadratmeter große Halle brannte dennoch völlig aus. Glück im Unglück: „In der Halle gelagertes Magnesium war von dem Brand nicht betroffen“, informiert HZG-Pressesprecher Torsten Fischer. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand. Außer einer Verwaltungsmitarbeiterin, die die Retter unverletzt über eine Steckleiter aus dem ersten Stock holten, war niemand im Gebäude. Das Magnesium-Walzwerk stand gestern still. Der Schaden am Gebäude und den Forschungseinrichtungen dürfte aber in die Millionen gehen. „Die Brandursache steht noch nicht fest“, sagte Fischer. Spezialisten der Kripo sollen sie heute ermitteln.

Der Rauch zog direkt über das Kernkraftwerk

„Bei allem, was aus Richtung Forschungszentrum und Kernkraftwerk kommt, fragt man sich, ob es etwas ist, was einem Sorgen machen sollte“, sagt Wiebke Schürmann gestern Mittag. Während mehr als 85 Feuerwehrleute am Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) löschen, steht die Betreiberin des Freiluftlokals „Elbkantinchen“ 400 Meter Luftlinie vom Feuer entfernt in der Küche.

Auf der Terrasse an der Elbe sitzen Gäste vor ihrem Kuchen, als der schwarze Rauch von der bewaldeten Anhöhe, auf der das HZG-Gelände liegt, herunterzieht. „Die Rauchwolke zog den Berg hinunter und es stank wie nach verbranntem Gummi“, beschreibt Wiebke Schürmann die Situation, die bei vielen Einwohnern Grünhof-Tesperhudes gestern Mittag Sorgenfalten hervorrief.

Bei Facebook entbrannte rasch eine emotionale Diskussion. Einige Geesthachter ordneten die „gigantische“ schwarze Rauchwolke, die durch Tesperhude zog und über viele Kilometer weit sichtbar war, zunächst dem Kernkraftwerk Krümmel zu, das zwar seit 2011 still steht, aber von Weitem als Ort des Feuers ausgemacht werden konnte – immerhin trennen Werk und HZG nur etwa 300 Meter Luftlinie.

Keine Verletzten, keine Gesundheitsgefährdung

Torsten Fischer, Pressesprecher des Helmholtz-Zentrums, betont aber: „Auch wenn die Rauchentwicklung stark war, gab es keine Gesundheitsgefährdung für die Anwohner.“ Denn der Rauch habe sich durch den Wind schnell verflüchtigt und im Feuer seien keine gefährlichen Substanzen verbrannt. Auch das schnell entzündliche Magnesium, dessen Verarbeitungsmöglichkeiten in der Halle erforscht werden, sei – anders als zunächst im Internet spekuliert wurde – nicht entzündet worden, sagt Fischer.

Wäre dieses der Fall gewesen, hätten die ehrenamtlichen Brandschützer der Freiwilligen Feuerwehren eine noch größere Aufgabe zu lösen gehabt: „Magnesium ist kritisch für uns, weil es sich mit normalen Löschmitteln nicht löschen lässt“, erklärt Heiko Brett, stellvertretender Wehrführer der Geesthachter Feuerwehr, der den Einsatz gestern leitete. Nicht mit Wasser, sondern mit einem speziellen Schaum oder Sand hätten die Feuerwehrleute den Flammen dann Herr werden können. Doch es brannte „nur“ die Halle selbst.

Helmholtz-Zentrum weiträumig abgeriegelt

Das Gelände an der Max-Planck-Straße wurde während des Einsatzes abgeriegelt. Nur Polizei, Feuerwehr sowie Rettungsdienste durften das Areal des Helmholz-Zentrums über den Hauptzugang an der Bundesstraße 5 anfahren – Pressevertreter zunächst nicht. Am frühen Nachmittag wurde der Nebeneingang über die Otto-Hahn-Straße für Mitarbeiter und Lieferungen freigegeben – ein Pförtner sicherte den Zugang ab. Evakuiert wurde nur das etwa zehn Meter von der brennenden Halle entfernte, nächstgelegene Gebäude, das ebenfalls zur Magnesiumforschung gehört. In diesem Forschungssegment sind am HZG etwa 60 Mitarbeiter der rund 750 Menschen zählenden Belegschaft beschäftigt.

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