Gutachten

Steigende Notfallzahlen: Rettungswagen fahren länger

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Gerrit Pfennig
Ein DRK-Rettungswagen beim Einsatz (Symbolbild)

Ein DRK-Rettungswagen beim Einsatz (Symbolbild)

Foto: Rene Ruprecht / picture alliance / dpa

Geesthacht/Ratzeburg. Um 29,7 Prozent stiegen seit 2012 die Zahlen. Jetzt soll vor allem Geesthacht profitieren.

Geesthacht/Ratzeburg.  Die Kurven zeigen immer weiter nach oben: Im Kreis Herzogtum Lauenburg wurden 2016 insgesamt 31.682 Einsätze von den Besatzungen der Krankentransport- (KTW) und Rettungswagen (RTW) gefahren. Die Zahl der Krankentransporte ist seit 2012 um 21,4 Prozent auf 16.626 Fahrten gestiegen, die der Rettungseinsätze sogar um 29,7 Prozent auf 15.056.

Hilfsfristen nicht eingehalten

Gleichzeitig stieg der Anteil der Einsätze, bei der die Hilfsfrist von zwölf Minuten zwischen Eingang des Notrufs und Eintreffen am Einsatzort überschritten wurde, kreisweit von 9,47 Prozent (2015) auf zuletzt 11,43 Prozent. Dieser Entwicklung will der Kreis ab sofort Rechnung tragen. So sollen die „Vorhaltezeiten“, an denen die Fahrzeuge im Dienst stehen, um 117 Stunden pro Woche ausgeweitet werden. In Ratzeburg soll unter dem Strich ein Plus von 24 Stunden stehen, in Lauenburg und Büchen jeweils zehn Stunden.

Geesthacht profitiert am stärksten

Der größte Zuwachs mit 71 Stunden entfällt auf Geesthacht. So soll an der Rettungswache am Johanniter-Krankenhaus der zweite RTW, der bislang nur freitags und sonnabends 24 Stunden im Dienst ist, die ganze Woche ganztägig im Einsatz sein. Der dritte RTW soll künftig zwölf Stunden unter der Woche sowie zehn und acht Stunden am Wochenende bereitstehen. Gleichzeitig reduziert sich Zeit beim KTW um zehn Stunden. Während die Pläne in Lauenburg sofort umsetzbar sind, muss in Geesthacht der Betriebsrat des DRK-Kreisverbands zustimmen.

Brackmann sieht Nachbesserungsbedarf

Die Stunden-Zuwächse sind das Ergebnis eines Gutachtens, mit dem sich jetzt der Haupt- und Innenausschuss des Kreises beschäftigte. Eine Fachfirma aus Bonn hatte hierfür die Einsätze zwischen Februar 2016 und Januar 2017 ausgewertet. Dabei trat jedoch Nachbesserungsbedarf zutage: „800 Einsätze hat der Gutachter nicht anerkannt“, sagt Ausschussvorsitzender Norbert Brackmann (CDU). Es handele sich um Einsätze, bei denen die Ortsangabe unklar ist – etwa auf der Autobahn 25, wo der Einsatz auf Hamburger oder Kreisgebiet liegen kann. In das Gutachten fließen nur Einsätze auf Kreisgebiet ein. Dies durch GPS-Daten der Fahrzeuge zu ermitteln, sei mit einer technischen Aufrüstung der Integrierten Leitstelle zu erreichen. Bislang habe dies der Kreis Stormarn jedoch noch nicht umgesetzt, kritisiert Brackmann. Hierauf habe die Politik auch Landrat Dr. Christoph Mager hingewiesen. „Wir rechnen mit einem noch höheren Bedarf an Vorhaltezeiten als jetzt berechnet“, so Brackmann.

Was wird aus der Wache in Geesthacht?

Ein Thema bleibe die Rettungswache in Geesthacht, wo Garagen zu eng seien und eine Hygieneschleuse fehle. Es sei Zeit, langjährige Pläne endlich umzusetzen, fordert Brackmann. Die Krankenkassen wollen dies erst entscheiden, wenn feststeht, wer nach 31. Dezember 2021 Betreiber wird, wenn der Vertrag mit dem DRK endet. „Der Kreis betrachtet die Frage der vertraglichen Beziehungen zum Durchführer des Rettungsdienstes jedoch unabhängig von den Rettungswachen“, betont dagegen Kreissprecher Tobias Frohnert.

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