Traditionsunternehmen

Vorwerk verkündet Aus für Geesthachter Teppichfabrik

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Von Kai Gerullis
Der Schriftzug der Norddeutschen Teppichfabrik könnte bald unter Denkmalschutz stehen – doch die Produktion wird 2016 eingestellt.

Der Schriftzug der Norddeutschen Teppichfabrik könnte bald unter Denkmalschutz stehen – doch die Produktion wird 2016 eingestellt.

Foto: Jens Robrahn

Geesthacht. Vorwerk schließt zwei Jahre nach der Übernahme die Geesthachter Teppichfabrik. 88 Mitarbeiter stehen vor der Kündigung.

Geesthacht.  Nicht einmal zwei Jahre ist es her, dass die Firma Vorwerk Flooring die insolvente Norddeutsche Teppichfabrik übernommen hat. Glaubwürdig und nachhaltig wollte man die Vermarktung fortführen, hieß es damals. Davon ist keine Rede mehr. Gestern bestätigte Vorwerk das endgültige Aus für den Standort Geesthacht.

Die Produktion soll im Oktober kommenden Jahres eingestellt werden. Grundstück und Produktionsanlagen gehen Ende 2016 an den Insolvenzverwalter zurück – mehrere Interessenten haben bereits Interesse an den Flächen im Herzen Geesthachts angemeldet.

Konzentration am Stammsitz Hameln

Auf einer Mitarbeiterversammlung informierte Vorwerk-Gesellschafter Rainer Genes gestern die 88 verbliebenen Mitarbeiter am Standort. Er betonte, dass dem Unternehmen die Schließung nicht leicht gefallen sei. Allerdings sei der Markt für Teppichboden in Deutschland hart umkämpft und rückläufig. So sei das Aus für den Teppichstandort Geesthacht Folge einer neuen Strategie und einer Neuaufstellung der Teppichproduktion im Unternehmen.

„Daher investieren wir auch massiv in unsere Produktion und konzentrieren diese künftig in unserem Stammwerk in Hameln“, sagt Kirstine Seitzberg aus der Vorwerk-Geschäfsführung. Die Geesthachter Traditionsmarke „Nordpfeil“ soll erhalten bleiben und wird von Vorwerk künftig aus Hameln vertrieben.

Betriebsbedingte Kündigungen

Für die Belegschaft in Geesthacht ist das kein Trost: die Angestellten werden zum Oktober ihre Kündigungen erhalten. „Mit den Mitarbeitern werden persönliche Gespräche geführt. Vorwerk strebt dabei eine faire Umsetzung der Standortschließung an und wird den Mitarbeitern ein Angebot machen, das im üblichen Rahmen bei betriebsbedingten Kündigungen liegt“, sagte Michael Weber, der Leiter der Vorwerk-Unternehmenskommunikation, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Zahlen deutlich unter Erwartungen

Die Entscheidung des Konzerns traf die meisten Mitarbeiter allerdings wenig überraschend. Hinter vorgehaltener Hand wurde schon seit Monaten über Schwierigkeiten des Standorts gesprochen. So lagen die Produktionszahlen unter den Erwartungen, im Sommer hatte der damalige Geschäftsführer Alexander Holl die Prognose für das laufende Jahr wegen schleppender Vermarktungserlöse von 1,9 Millionen Quadratmeter auf 1,6 Millionen Quadratmeter Teppich gesenkt. Holl hatte Geesthacht im Herbst verlassen – gleiches gilt für seinen Nachfolger, der dem Standort vergangenen Monat nach nur knapp sechs Wochen im Amt wieder den Rücken gekehrt hatte, wie Mitarbeiter berichten.

Die Gebäude will Vorwerk Ende 2016 an den Insolvenzverwalter Udo Müller aus Hannover übergeben. Nach Informationen unserer Zeitung hat dieser bereits mehrere Angebote für den Kauf der Grundstücke auf seinem Schreibtisch liegen, auch die stadteigene Wohnraumentwicklungsgesellschaft WoGee gehört zum Kreis der Interessenten.

Filetstück für Wohnbebauung

Das 24 Hektar große Areal in Innenstadtnähe gilt als Filetstück für Wohnbebauung, zusätzlich lässt der Bebauungsplan hier auch die Ansiedlung von Industrie zu. Als Problem für potenzielle Investoren gilt allerdings der ungeklärte Denkmalschutz für mehrere Gebäude der Teppichfabrik, der eine Bebauung mit neuen Häusern erschweren könnte. Die Norddeutsche Teppichfabrik wurde 1951 gegründet und zählte lange zu den größten Arbeitgebern in der Stadt.

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