25 000 Lkw-Fahrten, bis Krümmel verschwunden ist

Von Timo Jann

Geesthacht.
540 000 Tonnen Gesamtgewicht. Das ist die Masse aller für das Kernkraftwerk Krümmel verbauter Materialien. Wenn der Siedewasserreaktor, wie vom Energiekonzern Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE) beantragt, zurückgebaut wird, muss diese Menge abtransportiert und recycelt oder deponiert werden. Die Experten der VENE schätzen, dass etwa 500 000 Tonnen "normaler" Bauschutt der Gebäudehülle anfallen, 6000 Tonnen an Einbauten dürften als radioaktiv beurteilt werden. Der Rest ist Abfall, der deponiert werden muss.

Wo die ganzen Materialien bleiben, ist noch unklar. Vor allem an einem Endlager für den radioaktiven Abfall hapert es. Dr. Hannes Wimmer, der Geschäftsführer der Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS), die für die Endlagerung zuständig ist, erklärte beim "Treffpunkt Krümmel", wie der Stand der Entsorgung ist. Der Bund hat laut Atomgesetz die Anlagen zur Endlagerung einzurichten. Nur tut er sich damit schwer, denn weiterhin gibt es kein Endlager in Deutschland. So gibt es bisher an allen Kernkraftwerken nur Standortzwischenlager, in denen die in Castoren verpackten Brennelemente lagern.

In Krümmel bietet das Standortzwischenlager Platz für 80 Castoren, 43 werden wohl tatsächlich benötigt. 1002 Brennelemente befinden sich noch im Lagerbecken, die beim Rückbau in Castor-Behälter gepackt werden müssen. Ein unbeladener Behälter steht momentan in Krümmel. 21 weitere sind bestellt. "Aus jetziger Sicht werden sie dann geliefert, wenn wir sie benötigen", erklärt VENE-Sprecherin Sandra Kühberger.

Gefüllt werden sie Geesthacht dann noch Jahrzehnte erhalten bleiben. Wimmer erwartet ein betriebsbereites Endlager frühestens 2055: "Und dann wird es mindestens bis zum Jahr 2100 dauern, ehe alle 1000 bundesweit anfallenden Castor-Behälter eingelagert sind."

Ob der Rest des Standortzwischenlagers, der nicht mit Castoren belegt werden muss, für die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle genutzt werden kann, ist unklar. Einen entsprechenden Antrag muss Vattenfall erst stellen. Auch ist nicht klar, ob die Fläche reichen wird.

Die Rückbauplanung sieht bisher vor, dass 2019 nach entsprechender Genehmigung durch die Atomaufsicht des Kieler Umweltministeriums mit den Arbeiten begonnen werden kann. 2031 soll die Anlage dann von kontaminierten Bauteilen frei sein. Kosten: etwa 750 Millionen Euro. Geld, das während des Betriebes zurückgelegt wurde.

In zwei Phasen möchte Vattenfall das Atomkraftwerk zurückbauen. In Phase 1 soll mit der Ausfuhr der Brennelemente die Kernbrennstofffreiheit hergestellt werden, im Anschluss Reaktordruckbehälter, Bioschild und weitere Teile sowie der Bereich um das Brennelementelagerbecken zurückgebaut werden. Die Bauteile sollen behandelt werden, um kontaminiertes Material zu reduzieren.

"Die Phasen können sich überlappen und laufen teilweise parallel ab", schreibt Kraftwerksleiter Torsten Fricke an die Atomaufsicht. Zum Schluss folgt der Abriss.

Für den Abtransport der 500 000 Tonnen Bauschutt wären wahrscheinlich etwa 25 000 Lkw-Fahrten nötig. Die CDU hat deshalb für die Ratsversammlung schon einen Prüfantrag vorgelegt, zu klären, ob sich am Elbufer in Krümmel ein Umschlagplatz für den Transport auf der Wasserstraße einrichten ließe. Ein Binnenschiff würde etwa 500 Lastwagen ersetzen.

In der Nähe zu Krümmel befindet sich das Abfallwirtschaftszentrum Wiershop der Buhck-Gruppe, das aber nur auf der Straße zu erreichen wäre. "Bei uns hat noch niemand angefragt, ob wir etwas aus einem Rückbau recyceln könnten. Aber wir wissen von den Gesprächen auf Verbandsebene, die Umweltminister Robert Habeck plant", sagt Geschäftsführer Thomas Buhck. Ob in Wiershop etwas deponiert wird, ist unklar.