Wasserwerk wird Heim für Flüchtlinge

Von Timo Jann

Geesthacht.
Damit die Stadt den ungebrochenen Zustrom an Kriegsflüchtlingen und Asylbewerbern bewältigen kann, soll das Gebäude der Stadtwerke an der Elbuferstraße angemietet werden. Eine entsprechende Empfehlung beschloss jetzt der Sozialausschuss. Wie berichtet, zieht der Energieversorger im ersten Quartal 2016 an seinen neuen, zentralen Standort an der Mercatorstraße. Nach einer kurzen Umbauphase könnten ab Sommer 2016 bis zu 35 Menschen in die frei gewordenen Räume am Elbufer einziehen. Die Immobilie sei ein "Glücksfall", sagte Sozialamtsleiter Christoph Wieck.

Der Sozialausschuss hatte sich zu Beginn seiner Sitzung am Dienstagabend in dem Wasserwerk getroffen, um das Gebäude kennenzulernen. Michael Scherf von den Stadtwerken führte die Gäste durch das Haus.

Im Erdgeschoss gibt es Technikräume, die die Stadtwerke auch weiterhin - zumindest noch einige Jahre - nutzen müssen. Doch das erste Obergeschoss bietet Büros, die problemlos in Schlafräume umgewandelt werden können. Gemeinschaftsräume und Sanitäranlagen sind ebenfalls vorhanden. Der einstige Anmeldebereich könnte gut für eine Sozialbetreuung genutzt werden, sagte Alexandra Groß vom Sozialamt.

Obwohl das Gebäude fernab der Innenstadt liegt, biete es mit der Bushaltestelle vor der Tür eine ausreichend gute Anbindung, waren sich die Politiker einig. Die Bauaufsicht hatte nach einer Besichtigung der Immobilie bereits der angedachten Nutzung zugestimmt.

Innerhalb der Verwaltung kursiert bereits eine Liste mit verschiedenen städtischen Flächen, die als Standorte für Container oder Holzhäuser geprüft wurden. Wieck möchte diese aber noch nicht öffentlich diskutieren. "Wenn die Liste in die Öffentlichkeit kommt, würde das viel Unruhe schaffen", erklärte er im Ausschuss. Selbst Spielplätze, Grünflächen, Sportanlagen und Parkplätze wurden untersucht.

Heinrich Sievers (SPD) riet, man solle den Standort am Höchelsberg aufstocken. Mehr Container wären auch noch an der Mercatorstraße möglich. "Kurzfristig werden wir nicht um neue Container-Standorte herumkommen, aber langfristig sollten wir nachhaltigeres Bauen umsetzen", sagte Alexandra Groß. Angedacht sind Holzhäuser, die nach dem Ende des Flüchtlingsstroms anderweitig genutzt werden könnten.

Mit dem Eigentümer eines leer stehenden Mehrfamilienhauses am Schlesierweg konnte laut Wieck bisher keine Einigung über einen Ankauf erzielt werden. "Da liegen die Forderung und das Angebot zu weit auseinander", sagte er.

Laut Alexandra Groß wird in diesem Jahr noch Wohnraum für 73 Menschen benötigt. Problematisch sei, dass nun verstärkt einzelne Männer und keine Familien zugewiesen würden. Sie appellierte an die Politiker, nicht mehr nur auf "klein-klein" zu bestehen, sondern auch größere Standorte zu genehmigen: "Die Praxis hat gezeigt, dass es mit kleinen Unterkünften nicht mehr handhabbar ist."

"Forderungen und Angebot liegen weit auseinander" Christoph Wieck über Verhandlungen zum Kauf eines Mehrfamilienhauses