Geesthacht

Weißer Fleck auf der Kunstlandkarte

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Jan H. Schubert

Kultursommer am Kanal: Stiftungspräsident Schlie kritisiert mangelnde Resonanz aus der Verwaltung

Eigentlich sollte Geesthacht auf die kulturelle Landkarte zurückkehren. Die Voraussetzungen schienen vor vier Jahren denkbar günstig: Der Auftakt des "Kultursommer am Kanal" fand in der 30 000-Einwohner-Stadt statt. 2015 ist dieser Effekt aber offensichtlich längst verpufft. "Da bin ich auch ein wenig ratlos", sagt Kathrin Wagner-Bockey, die damals mit ihrer SPD-Fraktion schon versuchte, den Kultursommer näher an Geesthacht heranzubringen. Vergebens.

Kino und Theater ja, aber sonstige Hochkultur? Eher Fehlanzeige. Das Jahresprogramm der Stiftung Kreis Herzogtum Lauenburg ist in vollem Gang. 65 Veranstaltungen haben die Organisatoren bis Mitte Dezember konzipiert. Tolle Lesungen, Ausstellungen und Workshops - doch Geesthacht ist so gut wie nicht vertreten. Lediglich mit dem Vortrag "Otto von Bismarck - Reichsgründer oder Dämon?" am 14. April im Krügerschen Haus gibt es einen zwar wichtigen Termin in der größten Stadt des Südkreises - aber eben nur einen. Während des 2015er-Kultursommers kommt ein neues Projekt in den Geesthachter Ortsteil Grünhof mit der digitalen Schatzsuche "Birds and satellites" (ArtCaching). Es bleibt aber auch hier nur bei einer Veranstaltung.

"Wir sind ausgesprochen interessiert an Geesthacht, aber die Resonanz ist ausgesprochen schwierig. Es gibt keine direkten Ansprechpartner", sagt Stiftungspräsident Klaus Schlie und meint damit die ausbaufähige Kommunikation mit Verwaltung und Politik. Besser funktioniere die Zusammenarbeit in der Umgebung mit dem Künstlerhaus in Lauenburg, dem Amtsrichterhaus in Schwarzenbek oder auch Dörfern wie Gülzow.

Beispielsweise stieß die von der Stiftung vor Jahren initiierte Patensuche, in der Privatleute oder Institutionen jährliche Anteilsscheine im Wert von 500 Euro erwerben sollten, auf keine Reaktion aus der Elbstadt. Das erklärt SPD-Chefin Wagner-Bockey so: "Wenn wir so wenig beim Kultursommer berücksichtigt werden, kaufe ich doch keine Anteilscheine. Das haben wir damals auch parteiübergreifend entschieden."

Dabei sieht Schlie, gleichzeitig CDU-Landtagsabgeordneter in Kiel, durchaus gute Voraussetzungen in der Stadt: "Wir hatten beispielsweise während des Kultursommers 2011 genügend Kooperationspartner. Zum Beispiel fanden damals in privaten Haushalten Literatur- und Musikabende statt", sagt Schlie. Dazu gibt es noch die vorhandenen Veranstaltungsorte Menzer-Werft-Platz, Festsaal des Rathauses, Kleines Theater Schillerstraße (KTS), Krügersches Haus. Gute Kontakte sollen beispielsweise zwischen Stiftung und Museumsdirektor Wolf-Rüdiger Busch bestehen

Wagner-Bockey findet indes nicht, dass gegenseitige Vorwürfe sinnvoll sind: "Ich würde es begrüßen, wenn Herr Schlie zu uns in den Ausschuss kommen und seine Anliegen vorstellen würde. Einfach nur die Schuld auf uns zu schieben, finde ich zu kurz gegriffen." Einen ähnlichen Vorschlag unterbreitet Stadtsprecher Torben Heuer "Wenn wir angesprochen werden, sind wir interessiert."

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