Geesthacht

Premiere mit Teufelin und Maskenspiel

| Lesedauer: 2 Minuten
Kai Gerullis

"Faust 1+2" setzt auf Minimalismus und Wortgewalt

Die Bühne ist in Schwarz getaucht, sie ist leer - kein störendes Mobiliar, nichts Überflüssiges. Nur ein riesiger roter Rahmen rund um die Spielfläche im Keller-Studio setzt einen Kontrapunkt. Wer aber nun eine Inszenierung von "Faust 1+2" erwartet, die aus dem Rahmen fällt, liegt falsch - und das ist gut so: KTS-Chef und Regisseur Ulrich Jacobi hat Goethes Tragödie bewusst minimalistisch auf die Bühne gebracht. Bis auf ein aufwendiges Maskenspiel verzichtet er auf Pomp, Singsang und versucht gar nicht erst, den klassischen Stoff in ein modernes Gewand zu kleiden. Das gibt Goethes Worten den verdienten Raum.

Und diese Worte brauchen viel Raum. Knapp über drei Stunden dauert Jacobis Aufführung, fast unbemerkt fließen Faust 1 und 2 ineinander über. Natürlich musste dafür so manche Szene des Originals geopfert werden - aber sei's drum. Vielleicht wird ein Purist Auerbachs Keller oder die Walpurgisnacht im KTS vermissen - doch auch komprimiert verliert der Faust seine Kraft nicht, wie Jacobi unter Beweis stellt.

Ganz klassisch ist dieser Faust aber dennoch nicht: Mephistopheles hat in Geesthacht das Geschlecht gewechselt - mit einer erneut überragenden Suzanne Andres ist der Teufel eben eine Frau, im schwarzen Gewand, mit roter Tasche, roten Augen, roten Schuhen. Thomas Ney als Dr. Heinrich Faust überrascht ebenso - wenn auch auf andere Weise: Unerwartet unaufdringlich, ja fast zurückhaltend tritt er auf die Bühne und erfüllt damit zunächst einmal kaum das Klischee eines verschlagenen Dr. Faust. Doch dieser Faust hat es in sich. Langsam, aber beständig wächst er von Szene zu Szene, begeistert zielsicher akzentuiert mit den Goetheschen Monologen, harmoniert mit dem ebenso überzeugenden Gretchen, das vortrefflich mit Maja Rodigast besetzt wurde.

Und dann ist da noch die Technik: Aufwendig produzierte das Ensemble - dem zudem Erika Döhmen und Uwe Thielen angehören - kurze Filmsequenzen, die auf Monitoren eingespielt werden.

Das Premierenpublikum überzeugte die Mischung - es dankte mit langem Applaus. "Ich habe in die Schauspieler großes Vertrauen gesetzt und bin beeindruckt von ihrer Leistung", zeigte sich auch Jacobi voll zufrieden. Bleibt am Ende nur ein Wehmutstropfen: "Faust 1+2" ist Jacobis letzte Inszenierung - da das KTS sparen muss, soll die Eigenproduktion künftig entfallen.

Weitere Termine: 8. und 15., 16., 23. und 30. November, 7. und 13. Dezember. Karten bei Zigarren Fries, Bergedorfer Straße 46.

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