Das ist mein Verein

Sie können Zoff "kaputtreden"

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Christoph Brix

Serie: Der Verein Security Service Geesthacht sorgt bei Großveranstaltungen ehrenamtlich für Sicherheit

Wenn sie als Türsteher im Einsatz sind, sich um betrunkene Randalierer kümmern oder Streithähne trennen, werden sie dabei nicht selten beschimpft, bespuckt und sogar bedroht. "Das hat jeder von uns schon einmal erlebt", sagt Iris Fieg. Die 39 Jahre alte Geesthachterin sorgt seit 13 Jahren als Mitglied von Security Service Geesthacht (SSG) bei Großveranstaltungen wie dem Rockbi-Festival oder der Sommer-Ü30-Party für Ruhe und Ordnung. "Security Service Geesthacht e.V. bitte, da legen wir Wert drauf", so Fieg. Das e. V. steht für "eingetragener Verein". Tatsächlich arbeiten alle Sicherheitsmänner und -frauen von SSG ehrenamtlich.

Ehrenamt in einem Metier, das eher mit Rockerbanden und Rotlicht in Verbindung gebracht wird? "Angefangen hat alles 1995, als das Jugendzentrum Alter Bahnhof für eine Party Türsteher brauchte", erinnert sich Holger Trost (42). Mit 20 Freunden übernahm der heutige Vorsitzende die Aufgabe. Alles lief glatt, Trost und seine Freunde wurden weiter angefragt. Aus einer spontanen Idee wurde ein Projekt: Im September 1998 erkannte das Amtsgericht den Security Service Geesthacht als eigenständigen Verein an. "Das war ein entscheidender Schritt hin zu einer vernünftigen Absicherung", so Trost. Vorher waren alle nur über ihre privaten Versicherungen abgesichert, jetzt greift im Notfall die Haftpflicht des Vereins.

Doch ein vernünftiger Versicherungsschutz ist nur ein Aspekt. Stichsichere Schutzwesten und Kevlarhandschuhe, schwarze Jacken mit dem Aufdruck "Sicherheitsdienst" sowie Funkgeräte gehören ebenfalls dazu. "Einige unserer Mitglieder sind auf dem EKA der Polizei ausgebildet", sagt Einsatzleiter Matthias Behnke (38). EKA steht für "Einsatzstock kurz, ausziehbar". Hinzu kommt die waffenlose Selbstverteidigung: Ein Team-Mitglied ist ehemalige Deutsche Meisterin in Jiu Jitsu und trainiert ihre Kollegen in der japanischen Kampfkunst.

"Aber wir sind nicht die Türsteher vom Kiez", sagt Trost. Die Hauptaufgabe sei Deeskalation, schwierige Situationen "kaputtreden". Doch das gelingt nicht immer: Beim Rockbi-Festival 2012 stürmte ein Betrunkener die Bühne, randalierte. Mitarbeiter des SSG holten ihn von der Bühne, fixierten ihn auf dem Boden und verständigten die Polizei. Beim Eintreffen der Ordnungshüter griff er eine Polizistin an. "Sechs Polizisten waren nötig, ihn ins Auto zu verfrachten", erinnert sich Fieg.

Doch trotz zahlreicher gefährlicher Situationen, bisher wurden die Frauen und Männer vom Sicherheitsverein verschont. Und: "Man erlebt ja auch witzige Geschichten", so Vereinsmitglied Marco Schäfer. Als positive Beispiele nennt der 36-Jährige die Conny-Reimann-Tour 2010, Einsätze bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft der Rollstuhl-Basketballerinnen in Hamburg oder die Kooperation mit dem Ordnungsamt Scharnebeck zur Bewachung des Inselsees jedes Jahr an Himmelfahrt.

"Aber unser Hauptaugenmerk liegt auf der Jugendarbeit", erklärt Trost. Er und seine Kollegen betreuen seit Jahren die Schulfeiern am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG). Trost hat schon so manchen Gymnasiasten von der Einschulung bis zum Abi-Ball begleitet.

Die Motivation aber ist immer noch die gleiche wie vor 18 Jahren. Trost: "Wir wollen, dass Jugendliche heute genauso ungestört und friedlich feiern können, wie wir selber in unserer Jugend."

Mehr Informationen zur Arbeit des Sicherheitsvereins gibt es unter www.security-service-geesthacht.de

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