Fahrradstrategie

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Foto: BGZ / André Herbst / André Herbst

Bergedorf. Im Vorfeld hatten Verkehrspolitiker ihre fehlende Beteiligung am Fahrrad-Workshop beklagt, der jetzt vorliegende Entwurf einer Fahrradstrategie für den Bezirk stößt bei anderen auf Kritik: Sie sei zu wenig ambitioniert, um die Verdoppelung des Radverkehrs zu erreichen.

„Zu den Hauptzielgruppen müssen auch die Autofahrer zählen, steigen keine um, ist eine Verdoppelung der Radfahrquote bis 2015 nie zu erzielen“, moniert Norbert Fleige (GAL). Bergedorf liege selbst im Hamburger Vergleich deutlich zurück, beklagt Lutz Jobs (Linke). „Anders als etwa in Eimsbüttel gibt es bei uns keine Pläne für Extra-Aufstellflächen vor Ampeln, auch keine für Linksabbiegespuren oder selbst Radfahrstreifen.“

Ein Blick in andere Großstädte, etwa Bremerhaven, zeige, was möglich sei. Mit dem Hinweis auf Unterschiede zwischen Kleinstädten und dem flächenmäßig riesigen Bezirk Bergedorf konnte der Verkehrsausschussvorsitzende Lenhard Correll (CDU) nicht durchdringen. Baudezernent Arne Dornquast mahnte schmunzelnd, Kleinstädte, die kaum Größer als ein Zentralfriedhof seien, mit Bergedorf zu vergleichen.

Einige bis 2013 vorgeschlagene Maßnahmen sind, wie berichtet, nur hinsichtlich des Umfangs strittig, so die Zahl zusätzlicher Fahrradbügel oder von wenigen neuen Fahrradboxen an den S-Bahnstationen. Zudem ist vorgesehen, alle Alltags- wie auch Freizeitrouten mit einheitlicher und aufeinander abgestimmter Wegweisung zu versehen, und zu klären, ob für die Vier- und Marschlande ein Schulwegenetz entwickelt werden soll.

Manche Vorschläge bergen mehr Konfliktstoff, etwa die Prüfung, welche Einbahnstraßen für Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben werden können. Der Vorstoß der GAL, die Straße Am Bult gegen die Fahrtrichtung für Radler zu öffnen, wird aufgrund des Straßenbelags und der geringen Breite kritisch gesehen. Fehlende Straßenbreiten sind zum Teil Ergebnis jüngerer Planungen. So ist die Wentorfer Straße bei der Sanierung verengt worden, um das Verkehrstempo zu bremsen. Platz für Radfahrstreifen am Fahrbahnrand ist in Bergedorf fast nirgendwo ausreichend vorhanden, müssen diese doch 1,50 bis 1,80 Meter breit sein.

Für den maroden, schmalen Radwege an der Nettelnburger Straße schlägt die Fahrradstrategie daher eine abschnittsweise Sanierung vor. Kosten: 450.000 Euro. Am Binnenfeldredder wird ein Weg für 80.000 Euro ergänzt, am Reinbeker Redder 550 Meter bis zur Landesgrenze gebaut (125.000 €). An der B5 zwischen Mohnhof und Vierlandenstraße wird der kaputte Weg repariert (110.000 €).

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