Wissenschaft

Neues GKSS-Projekt erforscht die Nordsee

| Lesedauer: 2 Minuten
Timo Jann

Geesthacht. Das Geesthachter GKSS-Forschungszentrum investiert zwölf Millionen Euro in ein engmaschiges Netz zur Gewässerüberwachung der Nordsee. Gestern trafen sich die Verantwortlichen zu einem Auftakt-Workshop im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie.

Daten zu Strömung, Temperatur, Algenkonzentration und vielem mehr werden erfasst. Dabei geht es auch um mögliche Folgen des Klimawandels.

Mit dem Projekt "COSYNA" (Coastal Observation System for Northern and Arctic Seas) entsteht im Bereich der deutschen Nordsee ein umfassendes Beobachtungs-System zur Erfassung, Vorhersage und Analyse des aktuellen Zustandes und der Entwicklung des Küstenmeeres.

"Zu den größten Problemen der Küsten und Meere zählen heute Überfischung, Überdüngung und der Eintrag schädlicher Stoffe. Hinzu kommen noch die Auswirkungen des Klimawandels", erklärt Professor Dr. Franciscus Colijn vom Institut für Küstenforschung des GKSS. "Uns fehlen jedoch die wissenschaftlichen Werkzeuge, um Parameter wie Strömungen, Wassertemperatur oder Algenkonzentration präzise beurteilen und vorhersagen zu können". Mit den umfangreichen Daten von COSYNA hoffen die Forscher, die physikalischen, ökologischen und biochemischen Prozesse besser verstehen zu können und so deren Vorhersehbarkeit zu ermöglichen.

Für das Messnetz stellt die Helmholtz-Gemeinschaft, der das GKSS angehört, zwölf Millionen Euro zu Verfügung. Später soll das System auf das arktische Meer ausgeweitet werden.

Die von den Wissenschaftlern eingesetzten automatisierten Messsysteme wie Radartechnik, die selbst entwickelte "FerryBox" an Bord der England-Fähre zur regelmäßigen Überwachung einer festen Schifffahrtroute, Messbojen oder Erdbeobachtungssatelliten wie Envisat ermitteln die Strömungsverhältnisse, den Salz- und Sauerstoffgehalt, die Temperatur, den Seegang oder die Konzentration von Algen. Diese Daten speisen die Geesthachter Küstenforscher in Simulationsmodelle ein, mit deren Hilfe der Zustand der Nordsee abgeleitet wird.

Das Programm erlaubt so fundierte Analysen des Klimawandels. "Hierdurch werden Grundlagen für das Management der Küsten zur Verfügung gestellt", sagt Franciscus Colijn.

Konkrete Forschungsthemen könnten in Zukunft die Änderung der kurz- und langfristigen Intensität und Verteilung von Strömung, Seegang, Salz- und Säuregehalt sein. Aber auch die Frage, wie sich ein Temperaturanstieg auf das Ökosystem auswirkt, soll bearbeitet werden. Was das Auftreten von Algenblüten oder Quallenschwärmen steuert, wird ebenso untersucht wie die Frage, welche Zonen im Wattenmeer bei Ölunfällen am dringlichsten geschützt werden müssen.

Das GKSS-Forschungsschiff "Ludwig Prandtl" spielt dabei eine entscheidende Rolle. Aufgrund seines geringen Tiefgangs eignet es sich für den Einsatz in küstennahen Bereichen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Geesthacht