Zeitgeschichte

Wie die Nationalsozialisten die Macht ergriffen

Geesthacht (ger). Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. In schneller Abfolge schlossen sich Eingriffe in die Presse- und Versammlungsfreiheit, Terror von SA und SS gegen Andersdenkende, die komplette "Gleichschaltung" und Bücherverbrennungen an.

Die sogenannte "Machtergreifung" von 1933 hat den Grundstein für Zweiten Weltkrieg und Holocaust gelegt.

Dass die Wandlung der Republik zur Gewaltherrschaft nicht nur im fernen Berlin in Riesenschritten vonstatten ging, beleuchtet das jetzt erschienene Themenheft ",Machtergreifung' 1933" der Lauenburgischen Heimat, das der Heimatbund und Geschichtsverein Herzogtum Lauenburg herausgegeben hat.

"Die 'Machtergreifung' fand auch bei uns vor Ort statt", sagt Stadtarchivar Dr. William Boehart. In dem Sonderheft stellt Dr. Hansjörg Zimmermann anhand von Wahlergebnissen dar, wie die Nationalsozialisten auf Kreisebene die Macht übernahmen. "Gerade, wenn man Zeitungen aus der Zeit liest, sieht man, wie weit verzweigt die 'Machtergreifung' war. Auch in den Dörfern um Geesthacht herum", sagt Boehart. Obwohl Geesthacht zeitweise "Klein Moskau" genannt wurde, konnten die Nationalsozialisten auch hier im Prozess der Gleichschaltung auf Unterstützung der Bevölkerung setzen. "Überspitzt könnte man sagen, dass die NSDAP hier die erste große Volkspartei war. Sie hatte über alle Schichten verteilt großen Zulauf", so Museumsleiter Wolf-Rüdiger Busch.

Busch stellt in seinem Aufsatz die "Gleichschaltung" der Vereine, Verbände und Organisationen im Kreis durch die NSDAP dar. Boehart beleuchtet den Terror als politisches Instrument. Christiane Lopau zeigt die Auswirkungen der "Machtergreifung" auf die evangelisch-lutherische Kirche. Die Machtübernahme in Geesthacht hat der im Januar verstorbene Redakteur Bernhard Menapace erforscht und als Fallbeispiel aufbereitet. Einen Rückblick nach 75 Jahren hält zudem Professor Bernd Jürgen Wendt.

Das 108 Seiten starke Heft ist ab sofort für fünf Euro erhältlich, unter anderem im Geesthacht Museum, Bergedorfer Straße 28, und in der Stadtbuchhandlung Brinkmann, Bergedorfer Straße 39.

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