RES Oesterreich

Wenig Hoffnung für Kleingläubiger

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Kai Gerullis

Geesthacht. Jahrelang passierte nichts hinter dem hohen Zaun der ehemaligen Firma RES Oesterreich. Nun wollen Stadt und Land das Gelände, das mit verölten Metallspänen verunreinigt ist, für einen symbolischen Euro von der insolventen Firma und dem Eigentümer kaufen (unsere Zeitung berichtete).

Jahre nach der Insolvenz von RES Oesterreich: Die AGS Abfall- und Gefahrgut-Service Nord GmbH wartet immer noch auf ihr Geld.

Wo heute rund 19 000 Tonnen Altlasten lagern, könnten nach einer Sanierung Wohnungen direkt am Elbufer entstehen. Ingo Arndts, Geschäftsführer der Firma AGS Abfall- und Gefahrgut-Service Nord GmbH aus Escheburg, sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen: "Natürliche freue ich mich, dass auf dem Gelände endlich etwas passiert", sagt der 43-Jährige. "Aber ich habe Angst, dass die Kleingläubiger bei dem geplanten Deal leer ausgehen. Und uns hätte die Insolvenz damals fast die Existenz gekostet."

Ursprünglich sollten bei RES Oesterreich ölverschmutzte Metallspäne aus der Kugellager- und Metallindustrie mit einem neuartigen Verfahren günstig gereinigt werden. Für den Fall, dass die Maschinen kurzzeitig still stehen, mietete das Unternehmen bei der Escheburger Firma auslaufsichere Spezialcontainer für die kurzfristige Lagerung der Späne an. "Wir mussten die Behälter selbst von mehreren Partnerfirmen anmieten, waren also nur Vermittler", sagt Arndts.

Er organisierte mehr als 30 Container und ließ sie auf das Firmengelände am Geesthachter Hafen bringen. "Wie wir später erfahren haben, wurden die Container keineswegs als Notfalllösung benutzt. Da das Reinigungsverfahren nicht wirklich funktionierte, wurden die Späne fast von Anfang an zwischengelagert - erst in den Containern, als alle voll waren auch auf dem Boden drum herum", sagt Arndts. Die Miete für die Behältnisse erhielt der Entsorgungsspezialist zu diesem Zeitpunkt nur noch sporadisch - nach der Insolvenz floss gar kein Geld mehr. "Doch ich musste ja selbst jeden Monat Miete zahlen, wir waren ja nur Vermittler", sagt der Escheburger.

Auch die Container waren nicht greifbar. "Direkt nach der Insolvenz sagten mir sowohl das Land als auch der Insolvenzverwalter, dass unsere Spezialcontainer weiterhin benötigt würden und die Bezahlung bis auf weiteres gesichert sei. Trotz dieser Zusage floss jedoch weiterhin kein Geld an uns, sodass ich um Herausgabe unserer Spezialcontainer bat. Ich könnte sie abholen, aber nur inklusive dem giftigen Inhalt, so Arndts. "Ein Entleeren vor Ort zu den anderen Massen an Spänen auf dem Geländeboden lehnte man ab, weil das angeblich illegal wäre."

Fast zwei Jahre zog sich dieser Streit hin, dann erst durften die Container abgeholt werden. "Plötzlich konnte der Inhalt auf den Boden entleert werden, warum auch immer", so Arndts. Doch längst nicht alle Behälter waren noch auf dem Gelände, von einigen fehlt bis heute jede Spur. Arndts hat die Dienstleistung für die vom Land Schleswig-Holstein geförderte Pilotanlage rund 60 000 Euro gekostet.

"Für ein Unternehmen mit zehn Mitarbeitern ist das viel Geld, wir wären fast Pleite gegangen." Aus dem Insolvenzverfahren hat er bislang keinen Cent erhalten. "Ich weiß, dass das anderen Kleingläubigern ähnlich ergeht", sagt der Escheburger und hofft, nun zum Zuge zu kommen.

Doch Geesthachts Bürgermeister Ingo Fokken macht ihm wenig Hoffnung. "Das Interesse der Stadt ist es, die Altlast zu beseitigen und das Gelände für eine weitere städtebauliche Entwicklung freizuhalten", so Fokken. "Das Insolvenzverfahren geht die Stadt nichts an, insofern können wir zu offenen Schuldenfragen nichts sagen." Der Bürgermeister verweist an den Insolvenzverwalter. Der in Hamburg ansässige Rechtsanwalt war gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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