Kommentar Gewerbegebiet Büchen

Ehrlichkeit ist gefragt

André Herbst,  Lokalchef Bergedorfer Zeitung, zum geplanten Gewerbegebiet zwischen Büchen und Müssen.

André Herbst, Lokalchef Bergedorfer Zeitung, zum geplanten Gewerbegebiet zwischen Büchen und Müssen.

Foto: Christina Rückert / BGZ / Christina Rückert

Die Gemeinde Büchen plant ein Gewerbegebiet. Aber Einwohner sammelten Unterschriften für einen Bürgerentscheid dagegen. Ein Kommentar.

Zahlreiche Menschen, die Großstädten den Rücken kehren, tun es, weil sie Lärm und Stress entfliehen wollen. Manche, die ruhig im Grünen leben möchten, tun sich schwer zu akzeptieren, dass Dörfer nicht als reine Schlafstätten existieren können. Zum Landleben gehört bis heute der Bauer, der sich nicht an gewünschte Ruhezeiten hält, wenn er rasch vor dem nächsten Unwetter seine Ernte einbringen oder seine Tiere in Sicherheit bringen muss.

Auch in Dörfern müssen Schulen, Kitas und öffentlicher Nahverkehr finanziert werden, sollen Jugendtreffs, Sportstätten, Schwimmbäder und Kulturangebote unterhalten werden. Ohne Gewerbesteuern und Firmen, die sie zahlen, funktioniert dies nicht. Weder in Metropolen – noch auf dem Land.

Zur Ehrlichkeit gehört auch die Erkenntnis, dass Arbeiten und Wohnen wieder enger zusammenrücken sollten. Werden Arbeitswege immer länger und Pendlerströme immer größer, verlieren wir alle an Lebensqualität. Und es wird genau die Umwelt geschädigt, die doch alle vorgeben, schützen zu wollen.

Werden Gewerbegebiete mit viel Grün realisiert, von heimischen Gehölzen und naturnahen Wasserläufen durchzogen, bleiben sie weiter Gewerbeareale. Doch die sind viel dichter an der Natur, bieten mehr Pflanzen und Tieren Lebensraum als riesige Agrar-Monokulturen.