Deutsche Bahn

Hamburg - Berlin: Zugausfälle und Umleitungen im Herbst

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André Herbst
Die Deutsche Bahn AG erneuert zwischen Hamburg und Berlin Gleise, Weichen, Schwellen und Schotterbett zwischen dem 11. September und voraussichtlich 11. Dezember 2021.

Die Deutsche Bahn AG erneuert zwischen Hamburg und Berlin Gleise, Weichen, Schwellen und Schotterbett zwischen dem 11. September und voraussichtlich 11. Dezember 2021.

Foto: Oliver Lang / Deutsche Bahn AG

Bahn AG investiert 100 Millionen Euro in die Strecke. Eine Konsequenz: Kein Fernverkehr über Bergedorf, Schwarzenbek und Büchen.

Bergedorf/Büchen.  Über den Herbst ruht der Fernverkehr auf der Bahnstrecke Bergedorf, Schwarzenbek und über Büchen hinaus weitgehend. EC/IC fahren über viele Wochen nicht, die ICE zwischen Hamburg und Berlin sollen vom 11. September bis 11. Dezember über Uelzen und Stendal umgeleitet werden. Grund: Die Bahn AG investiert etwa 100 Millionen Euro in den Trassenabschnitt zwischen Büchen und Berlin-Spandau.

Der Aufwand ist immens. Auf etwa 200 Kilometer werden die Schienen ausgetauscht, dazu 24 Weichen. Hinzu kommen etwa 15.000 neue Schwellen und rund 30.000 Tonnen Schotter, die mit schweren Maschinen verlegt werden. Nach der deutschen Wiedervereinigung war die etwa 290 Kilometer lange Gesamttrasse in zwei Schritten erst grundlegend saniert und dann zwischen 2000 und 2004 für eine Geschwindigkeit von Tempo 230 ausgebaut worden.

Fahrzeit zwischen Hamburg und Berlin dauert 50 Minuten länger

Für die ICE wird sich die Fahrzeit zwischen Elbmetropole und Hauptstadt im Herbst um etwa 50 Minuten verlängern. Dies sei bereits in den Fahrplänen berücksichtigt, teilt die Bahn AG mit. Warum nur die ICE über die Südtrasse umgeleitet werden, die teilweise auch in Bergedorf und vor allem in Büchen haltenden IC aber komplett entfallen, begründet die Bahn mit Kapazitätsproblemen. „Die Strecke Uelzen-Stendal ist eingleisig und damit ist die Streckenkapazität gegenüber einer zweigleisigen Strecke eingeschränkt“, so eine Bahnsprecherin. Für mehr als ein stündliche ICE-Linie reiche die Trasse nicht, „für weitere ICE- oder IC/EC-Linien stehen keine Kapazitäten zur Verfügung“.

Eine Folge: Fernreisende, die bislang mit EC oder IC direkt nach Dresden, Prag oder Budapest gereist sind, können jetzt mit dem teureren ICE über die Südtrasse nach Berlin gelangen, müssen dann dort umsteigen. „Die Reisezeiten von Hamburg nach Dresden oder Prag verlängern sich mit dem Umstieg in Berlin um etwa 30 Minuten“, so die Bahnsprecherin.

Regionalverkehr soll in Teilen aufrecht erhalten werden

Wer mit dem Zug im Herbst Richtung Schwerin, Rostock oder weiter nach Vorpommern an die Ostsee möchte, wird auf Busersatzverkehr verwiesen. Bis 31. Oktober sollen zwischen Hamburg über Rostock bis Stralsund und Rügen keine Züge verkehren, danach mit „angepassten Fahrzeiten“.

In Teilen aufrecht erhalten will die Bahn AG den Regionalverkehr. So soll der Regionalexpress 1 zwischen Bergedorf, Büchen bis Rostock „weiterhin im Zwei-Stunden-Takt“ verkehren, bis Schwerin zeitweise im Stundentakt. Zwischen Schwarzenbek über Büchen bis Hagenow-Land müsse jedoch wegen Zugausfällen zeitweilig auf Busersatzverkehr ausgewichen werden. Uwe Möller, Bürgermeister in Büchen, sieht Nachrichten wie diese kritisch.

Verstärkerzüge für Pendlerverkehr werden vermutlich entfallen

Von Zugausfällen betroffen sind auch Schwarzenbeker, Bergedorfer, Berufspendler und Reisende Richtung Ostsee betroffen.

Obwohl zwischen Schwarzenbek und Büchen keine Arbeiten geplant sind, fahren auch dort zeitweilig Busse. Dass der Regionalexpress Hamburg, Büchen und Rostock „weiterhin im Zwei-Stunden-Takt“ verbinden soll, die Strecke nach Schwerin zeitweilig im Stundentakt, sieht Büchens Bürgermeister Uwe Möller kritisch: „Das heißt dann wohl, dass die Verstärkerzüge für den Pendlerverkehr entfallen. Für diese Züge haben wir sehr gekämpft, die Züge, die die Berufspendler nutzen, sind in der Regel sehr stark gefragt.“ Busersatzverkehr könne dieses Angebot kaum ausgleichen, mahnt Möller. „Ein solcher Zug hat 700 Plätze, wieviel Busse will die Bahn AG auf der Strecke denn fahren lassen?“

Büchen ist ein Verkehrsdrehkreuz mit großes Bedeutung. Allein in der 6300-Einwohner-Gemeinde „steigen werktags normalerweise etwa 4500 Menschen ein oder um“, so Möller. Nicht nur in Ost-West, sondern auch in Nord-Süd-Richtung wird dies im Herbst nur sehr eingeschränkt möglich sein. Da die marode Elbbrücke bei Lauenburg saniert werden muss, ruht zeitweise auch hier der Bahnverkehr.