Öffentlicher Nahverkehr

Bis 15 Uhr streiken heute die VHH-Busfahrer

Streikposten am 29. September auf dem Betriebshof Bergedorf: Thomas Scheel (59, Betriebsrat) und Busfahrerin Birgit Selk (61).

Streikposten am 29. September auf dem Betriebshof Bergedorf: Thomas Scheel (59, Betriebsrat) und Busfahrerin Birgit Selk (61).

Foto: Florian Büh

Arbeitskampf um mehr Schichtzulagen und weniger tägliche Arbeitszeit geht weiter. Auch in Bergedorf. Kritik vom Geschäftsführer.

Bergedorf.  Heute legen die Busfahrer der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) wieder den ÖPNV im Hamburger Osten lahm. Wie zuletzt am 29. September dürfte der Warnstreik dafür sorgen, dass von Betriebsbeginn an so gut wie kein Linienbus verkehrt. Die Aktion ist bis 15 Uhr befristet.

Hintergrund sind die aus Sicht der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di schleppenden Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern, der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände. Die VKA habe trotz der Streiks von Ende September erst für 4. November einen Gesprächstermin angeboten. „Damit verschleppt die Arbeitgeberseite unnötig den Tarifkonflikt auf Kosten der Fahrgäste“, heißt es von Ver.di, wo weiter „auf ein verhandlungsfähiges Angebot gewartet“ wird.

VHH-Busfahrer schließen sich dem Warnstreik an

Die Gewerkschaft will eine Erhöhung der Schichtzulagen und eine Begrenzung der täglichen Höchstarbeitszeit durchsetzen. Zudem geht es um das 13. Monatsgehalt und 30 Tage Jahresurlaub – alles flächendeckend für die ganze Bundesrepublik geregelt.

Genau deshalb beschlossen die Mitarbeiter der VHH gestern spontan, sich dem für heute angekündigten Warnstreik der Hamburger Hochbahn (HHA) anzuschließen. Das gemeinsame Motto: „Wir wollen eins sein.“

„Zum jetzigen Zeitpunkt kein Verständnis für die Aktion“

Dass dem Streik wieder die große Mehrheit der 2200 VHH-Beschäftigten folgt, gilt als sicher. Vor zwei Wochen ging auf ihren Linien praktisch nichts mehr. Wie berichtet, strandeten zahlreiche Fahrgäste der damals wie auch heute nicht bestreikten S-Bahn am Bergedorfer ZOB. Eine Situation, mit der die Arbeitgeber nicht gerechnet hatten.

VKA-Hauptgeschäftsführer Niklas Benrath kritisierte bereits im September das Vorgehen der Gewerkschaft in der derzeitigen Situation: „Es ist unverantwortlich, gerade in dieser krisengeplagten Zeit das gesamte Land mit einer Welle von Warnstreiks zu überziehen.“ Eine Haltung, die gestern Nachmittag auch VHH-Geschäftsführer Thoralf Müller unterstrich: „Zum jetzigen Zeitpunkt fehlt uns das Verständnis für diese Aktion.“

Ver.di sieht in der Corona-Krise genau das Gegenteil: Jetzt sei es an der Zeit, den „Helden der Mobilität“ eine finanzielle Anerkennung für ihr Engagements zu zahlen.