Öko? Logisch!

Diese Jugendlichen gehen mit guten Beispiel voran

Drei Mitglieder des noch amtierenden Kinder- und Jugendbeirates, Julia Dinse (l.), Valentin Kraner und Katharina Ramm, vor dem Pinneberger Rathaus.

Drei Mitglieder des noch amtierenden Kinder- und Jugendbeirates, Julia Dinse (l.), Valentin Kraner und Katharina Ramm, vor dem Pinneberger Rathaus.

Foto: Katja Engler

Jugendliche halten den Schutz der Umwelt für eine der größten Herausforderungen – einige von ihnen engagieren sich auf lokaler Ebene.

Kreis Pinneberg.  Während anderswo Schülerinnen und Schüler fürs Abitur büffelten, haben sich einige Jugendliche in Pinneberg zusätzliche Arbeit aufgebrummt. Nicht nur, dass sie als Mitglieder im beratenden Gremium des Kinder- und Jugendbeirats ihre Freizeit in den abendlichen Ausschüssen und in der Ratsversammlung verbringen. Sie haben in diesem Rahmen auch erstmals seit vielen Jahren mehrere Anträge gestellt, die Fahrradstraßen und damit den Klimaschutz betreffen.

Ihre letzte Aktion vor der Sommerpause: der Antrag, die Resolution zu unterstützen, den Klimanotstand auszurufen. Dieser wurde, wie so einige andere auch, in der Ratsversammlung durchgewunken. Das ist schon mal ein großer Erfolg, über den sich die jungen Leute gehörig freuen. Sie stellen fest, dass sie sich „einen echt guten Ruf in Politik und Verwaltung“ erarbeitet haben, sagt Valentin Kraner. „Wir werden jetzt wesentlich ernster genommen. Und wir möchten Pinneberg zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz machen.“

Viele von ihnen haben freitags für eine bessere Zukunft demonstriert. Aber das allein genügt ihnen eben nicht mehr. „Ich finde, man kann viel meckern. Aber man muss sich auch Mühe geben, es besser zu machen. Wer nichts tut, kommt nie zum Ziel“, sagt Katharina Ramm, die gerade ihr Abitur gemacht hat. Die Schüler, beobachtet sie, „sind politischer geworden“. Sie selbst will auch später politisch aktiv bleiben. Im kommenden November wird der Kinder- und Jugendbeirat neu gewählt. Für Katharina Ramm war die Zeit eine ganz wertvolle Erfahrung: „Wenn man sich engagiert und nicht gleich klein beigibt, kann man erreichen, dass man als junger Mensch ernst genommen wird. Ich habe hier ganz viel gelernt.“

Ebenfalls auf das Konto der jungen Beiräte geht ein runder Tisch, den sie im Mai ins Leben gerufen haben: „Jeden Freitag streiken Schülerinnen und Schüler, damit sich bezüglich Klimaschutz etwas ändert. Auch Pinneberg sollte sich überlegen, was man für den Schutz des Klimas tun kann“, heißt es in ihrem Aufruf. Tatsächlich haben sich die Politiker der kleinen Stadt daraufhin mehrfach mit ihnen getroffen. Wie überhaupt die Pinneberger Politik über alle Lager hinweg positiv auf das neue Engagement reagieren.

Anlass für den runden Tisch: In den Augen der Beirats-Mitglieder hat die Fridays-for-future-Bewegung zwar Forderungen an Bundes- und Landesregierungen zum Kohleausstieg oder zur Einführung einer CO2-Steuer gestellt. Aber bislang gebe es keine konkreten Forderungen an die Kommunalparlamente, ebenso wenig Angebote der Kommunen zum Klimaschutz, meinen die Beiräte. „Jedenfalls ist in den Gremien der Stadt Pinneberg noch kein einziges Mal darüber debattiert worden, wie man auf die berechtigten Sorgen der freitags streikenden Schülerinnen und Schüler eingehen kann“, hatten sie im Mai ihren Aufruf zum runden Tisch begründet. Das hat sich nun geändert. Über viele Dinge wurde in diesen Runden diskutiert.

Die schon längst festliegenden Velorouten etwa werden bislang nur sehr schleppend umgesetzt, das soll sich nun beschleunigen, wünschen sich die Beiräte. Die Pinneberger Bürgermeisterin habe ihnen angekündigt, dass viele Straßen zu Fahrradstraßen umgewidmet werden sollen. Dazu stellen sie fest: „Die Erhöhung des Fahrradanteils ist für Pinneberg wichtig. 50 Prozent der mit dem Auto zurückgelegten Strecken sind kürzer als fünf Kilometer und könnten auch mit dem Rad zurückgelegt werden.“

Auch müssten andere Konzepte für den öffentlichen Nahverkehr her, zum Beispiel sollten Bus-Shuttles von auswärts liegenden Parkplätzen eingerichtet werden, Linienbusse eine bessere Taktung bekommen.

Vor allem auf öffentlichen Gebäuden wünschen sie sich mehr Gründächer, um die ständig steigende Bodenversiegelung wenigstens ein wenig auszugleichen.

„Man merkt, dass etwas aus den vergangenen Jahren weitergetragen wird, dass etwas angestoßen wurde“, sagt Katharina Ramm. Sie verlässt bald den Beirat, um zu studieren. Mitstreiterin Julia Dinse ist erst 17. Sie wäre gern noch mal dabei.