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Fahrrad-Club gibt Kommunen schlechte Noten

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Arne Kolarczyk
Verkehrsplaner Hartmut Teichmann hofft auf viele Bürger bei der Veranstaltung am 10. September.

Verkehrsplaner Hartmut Teichmann hofft auf viele Bürger bei der Veranstaltung am 10. September.

Foto: Arne Kolarczyk

Städte und Gemeinden im Kreis Pinneberg haben viel vor: Pinneberg plant Fahrradstraßen, auch Schenefeld und Halstenbek wollen Radverkehr fördern.

Kreis Pinneberg.  Die Noten sind nicht gut. Beim aktuellen Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) schneiden die Städte im Kreis Pinneberg schlecht ab. Pinneberg wird etwa mit 4,51 nach Schulnoten bewertet, Uetersen (4,38), Quickborn (4,26) oder Wedel (4,15) stehen auch nicht viel besser da.

Diese Ergebnisse zeigen ein Dilemma auf. Im Kreis Pinneberg sind Investitionen, die den Fahrradfahrern zugute kommen, in den vergangenen Jahren ausgeblieben. Ein Beleg dafür: Es gibt derzeit kreisweit nur zwei reine Fahrradstraßen. Beide Male ist mit Pinneberg kurioserweise die Stadt beteiligt, die in der ADFC-Bewertung besonders schlecht abschneidet. Die Kreisstadt hat eine Verbindung nach Appen und seit Dezember 2018 eine Strecke in Richtung Halstenbek exklusiv den Fahrradfahrern vorbehalten und will in Zukunft 16 weitere Fahrradstraßen schaffen.

Schlechter als Pinneberg schneidet in der Bewertung mit der Note 4,54 nur Schenefeld ab. Dort hat inzwischen ein Umdenken eingesetzt. Am 26. September soll in der Ratsversammlung ein Radverkehrskonzept beschlossen werden, dessen Entwurf die Planer von Dänekamp & Partner aufgestellt haben. Es wurde bereits im Stadtentwicklungsausschuss mit einigen Ergänzungen und Modifizierungen beschlossen. Im Kern sollen bis auf die Altonaer Chaussee und den Osterbrooksweg alle Straßen für den Radverkehr freigegeben werden, sodass schneller fahrende Radler auch die Hauptverkehrsstraßen mitnutzen können. Für Kinder und alle anderen, die sich auf den Fahrbahnen unsicher fühlen,, sollen die Gehwege durch das Zusatzschild „Fahrrad frei“ freigegeben werden.

Damit sich Autofahrer, Busse und Radfahrer nicht ins Gehege kommen, will die Stadt das Parken auf den Fahrbahnen der Hauptverkehrsstraßen einschränken. Aber auch in den Tempo 30-Zonen soll geprüft werden, wo geparkte Autos den gemeinsamen Verkehr von Autos und Radlern behindern. Geplant ist außerdem, ein Netz von Fahrradstraßen durch die Tempo-30-Zonen zu konzipieren, auf denen alle Radler zügig und bevorrechtigt fahren können, die die Hauptverkehrsstraßen meiden möchten.

Auch in der Nachbargemeinde Halstenbek, vom ADFC mit der Note 4,02 bewertet, hat die Politik im September 2018 den Grundsatzbeschluss zur Erstellung eines Radverkehrskonzeptes gefasst. Dafür sind in diesem Jahr 50.000 Euro im Haushalt eingeplant. Doch auch kreisweit tut sich etwas. Die Kreisverwaltung ist ebenfalls dabei, ein Radwegekonzept zu entwickeln.

Davon unabhängig soll der Radschnellweg errichtet werden, der Elmshorn auf direktem Weg mit Hamburg verbindet. Favorisiert wird eine 32 Kilometer lange Strecke, die entlang der Bahnstrecke verlaufen und von Elmshorn kommend über Tornesch, Prisdorf, Pinneberg und Halstenbek Hamburg erreichen würde. Allerdings sind auch andere Varianten möglich. Zur Trassenführung gab es zu Beginn des Jahres eine Online-Beteiligung, außerdem laufen zurzeit Bürgerbeteiligungen vor Ort. Kreisverkehrsplaner Hartmut Teichmann hofft, dass sich viele Bürger einbringen. „Wir haben wichtige Planungshinweise erhalten“, sagt Teichmann im Hinblick auf die Online-Befragung. Der Kreisverkehrsplaner hofft, dass Mitte kommenden Jahres die Machbarkeitsstudie zum Radschnellweg vorliegt. Dann müsse noch festgelegt werden, ob der Kreis oder die Kommunen Straßenbaulastträger werden, also wer die Bau- und die späteren Unterhaltungskosten übernimmt.

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