Eurovision Song Contest

Marvin Schories: Ein Schiedsrichter gegen jede Regel

| Lesedauer: 5 Minuten
Anna Böcker
Fast hätte es Marvin Schories 2022 zum Eurovision Song Contest nach Turin geschafft. Dort wäre er für den Zwergstaat San Marino angetreten – von 284 Bewerbern hatte er sich unter die letzten 20 gesungen. Das Medieninteresse war entsprechend groß.

Fast hätte es Marvin Schories 2022 zum Eurovision Song Contest nach Turin geschafft. Dort wäre er für den Zwergstaat San Marino angetreten – von 284 Bewerbern hatte er sich unter die letzten 20 gesungen. Das Medieninteresse war entsprechend groß.

Foto: Marvin Schories

Der gebürtige Buchholzer pfeift am Wochenende auf den Fußballplätzen im Landkreis. Nun hat er seine erste Single veröffentlicht.

Buchholz.  Wenn man in Buchholz in der Nordheide auf der Suche nach dem wohl größten Paradiesvogel der Stadt ist, muss man nicht lange suchen. Ob als Schiedsrichter auf dem Fußballplatz, beim ESC-Vorentscheid auf den Bühnen Europas oder in seiner Polizeiuniform – Marvin Schories will einfach in keine Schublade passen.

Fast hätte es im vergangenen Jahr geklappt mit dem großen Traum. Erst im Zwergstaat San Marino, dann in der Ukraine hatte es der 23-Jährige bis in den Vorentscheid geschafft. Dass es am Ende nichts wurde, wurmte ihn nicht. Ganz im Gegenteil: Er stand wieder auf, legte gleich nach und schrieb seinen ersten eigenen Song. Unter dem Künstlernamen „Schor“ hat der Polizeischüler am 6. Januar seine erste eigene Single veröffentlicht.

In dem Lied geht es um das Gefühl nach einer Trennung

In dem Lied „Through this town“ (Durch diese Stadt) geht es um das Gefühl nach einer Trennung. „Man läuft durch die Gegend und kann eigentlich nur an die andere Person denken, auch wenn es zu dem Zeitpunkt vielleicht falsch ist und man möchte, dass diese Gedanken verschwinden“, sagt Schories. „Ich neige immer dazu, mich davon inspirieren zu lassen, was bei Freunden von mir passiert, oder bei mir selbst“, sagt er auf die Frage, wie er zum Thema des Liedes gekommen ist. Das Grundkonzept zu schreiben, habe nur eine halbe Stunde gedauert. Aufwändiger dagegen war das Arrangement drumherum mit akustischer Gitarre, Schlagzeug, Klavier und Synthesizer.

Seine Begeisterung für die Musik wurde dem 23-Jährigen in die Wiege gelegt: Er kommt aus einer sehr musikalischen Familie. „Ich stand eigentlich schon als Embryo auf der Bühne“, sagt Schories lachend. Seine Eltern Larissa und Klaus-Jürgen Schories sind beide hauptberufliche Musiker mit hauseigenem Studio, in dem auch „Through this town“ aufgenommen wurde. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Marvin selbst im Alter von elf Jahren anfing, Gitarre zu spielen.

Neben der Musik ist er dabei, sein Studium an der Polizeiakademie abzuschließen

Doch für Marvin Schories ist und bleibt die Musik zunächst nur eines seiner beiden großen Hobbys. „Ich mag es, beschäftigt zu sein“, sagt der Buchholzer, und das ist wohl eine seiner wichtigsten Eigenschaften. Denn der Buchholzer hat viel zu tun. Neben der Musik ist er dabei, sein Polizeistudium an der Polizeiakademie in Hannoversch-Münden abzuschließen. Als stellvertretender Kreisschiedsrichterobmann im Kreis Harburg steht er regelmäßig auf dem Fußballplatz (oder in der Futsal-Bundesliga in der Halle) und ist regionaler Ansprechpartner für Gewalt und Diskriminierung im Niedersächsischen Fußballverband. Wie er das alles unter einen Hut bekommt? „Mal mehr, mal weniger“, sagt Marvin Schories und lacht. Nötig dafür seien grundsätzlich sehr viel Struktur, eine gute Planung und die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Der Beruf stünde dabei an erster Stelle, das Schiedsrichterdasein und die Musik kämen danach.

Schories war schon immer ein großer Fan des Eurovision Song Contest und verfolgt jegliche Vorentscheide im Fernsehen. Plötzlich selbst „auf der anderen Seite“ zu stehen und die Person zu sein, die da im Fernsehen ausgestrahlt wird, sei für ihn ein sehr skurriles Gefühl gewesen. „Zeitgleich hat das super viel Spaß gemacht, weil ein Traum in Erfüllung gegangen ist, auch wenn ich am Ende nicht nach Turin gefahren bin“, sagt der Sänger über den ESC 2022, in dem er für San Marino antreten wollte und es als Amateur sogar in den Vorentscheid schaffte. „Es hat einfach super viel Spaß gemacht, war ein tolles Gefühl und ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut.“

Wird er sich für den Eurovision Song Contest 2024 wieder bewerben?

In diesem Jahr hatte Marvin Schories mit seinen Bewerbungen für die Ukraine und Rumänien hingegen keinen Erfolg und konnte sich nicht erneut für einen der Vorentscheide qualifizieren. Er gibt den Mut jedoch nicht auf. Wird er sich für den ESC 2024 wieder bewerben? „Der Traum ist da. Es ist eine super Möglichkeit, seine Musik in irgendeiner Art und Weise an den Mann oder an die Frau zu bringen. Dementsprechend kann ich das nur mit einem klaren Ja beantworten.“

Wie die musikalische Reise weitergehen soll, steht für den singenden Schiedsrichter unabhängig von einer ESC-Teilnahme schon fest: Geplant sei die Veröffentlichung einer weiteren Single und einer sogenannten Extended Play (EP) mit vier bis fünf neuen Songs, die etwa Mitte des Jahres herauskommen solle. Alles weitere müsste man dann schauen, sagt Schories. Man darf gespannt bleiben.