Landkreis Harburg

Im Bendestorfer Filmmuseum führen jetzt die Schüler Regie

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Hanna Kastendieck
Drehten im Bendestorfer Filmmuseum ihren eigenen Trickfilm (v.l.): Emily, Johanne, Marta-Isabella, Robin und Anton von der Sonnenschule Bendestorf

Drehten im Bendestorfer Filmmuseum ihren eigenen Trickfilm (v.l.): Emily, Johanne, Marta-Isabella, Robin und Anton von der Sonnenschule Bendestorf

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Das Filmmuseum baut seine medienpädagogische Arbeit aus und lädt Kinder zum Trickfilmen ein

Bendestorf.  Es ist ein langgehegter Traum, der für die ehrenamtlich Engagierten des Filmmuseums Bendestorf in Erfüllung geht: Dort, wo einst Hildegard Knef zur „Sünderin“ wurde, mit Rudi Carrell „die Post abging“ und Heinz Rühmann zur Zwischenlandung in Paris“ ansetzte, wird endlich wieder Film gemacht.

Allerdings sind die Filmemacher, die die alte Halle auf dem Gelände am Schierenberg mit Leben füllen, Drehbücher schreiben und Regie führen, erst zehn Jahre alt. Sie besuchen die Grundschule gegenüber und haben bislang nicht gewusst, welch’ historisch wertvolle Produktionsstätte nur wenige Schritte von ihrer Schule entfernt auf sie wartet.

Jetzt ist es soweit. Nach Jahrelangen Umbauarbeiten und aufwendiger Renovierung öffnet das Filmmuseum seine Räume im Erdgeschoss für die Schulen der Region. Künftig sollen hier Schülerinnen und Schüler der umliegenden Grundschulen die Chance haben, unter fachkundiger Anleitung ihre eigenen Trickfilme zu produzieren.

Medienpädagogische Arbeit ist eine der vier Säulen des Museumskonzepts

Die Idee stammt vom neuen Vorsitzenden Tommy Smidt. Medienpädagogische Arbeit ist eine unserer vier Säulen des Museumskonzepts,“ sagt Tommy Smidt. „Neben dem Kino mit diversen Veranstaltungen, den musealen Exponaten zur Filmtechnik und den Ausstellungsräumen für Kunst, wollen wir das Museum zu einem lebendigen, interaktiven Ort machen, der vor allem Jüngeren die Möglichkeit bietet, sich mit dem Thema Film auseinanderzusetzen.“ Dabei gehe es auch darum, zu begreifen, wie eigentlich ein Film entstehe. „Nämlich aus unzähligen Einzelbildern, die nacheinander in schneller Folge abgespielt werden“, sagt Smidt. „Foto für Foto also.“

Eine simple Technik, die sich am besten mit Hilfe einer Trickbox umsetzen lässt. Die Trickbox ist eine Kiste, mit der man Trickfilme verschiedenster Art erstellen kann. Im Deckel befindet sich ein Tabletcomputer mit entsprechender Software. In der Box positionieren die Kinder Bilder, Knet- oder Playmobilfiguren, die mit einem Foto festgehalten werden, sogenannte „Stop-motion-Bilder“. Die Software sorgt dafür, dass die Einzelbilder im Schnelldurchlauf mit 24 Bildern pro Sekunde wiedergegeben werden.

Kreativität und Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

„Der Kreativität und Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt“, schwärmt Tommy Smidt. „Wie im richtigen Film, erstellen die Kinder ein eigenes Drehbuch und schaffen Kulissen und Darsteller.“ Begleitet werden sie bei ihrer Arbeit von Medienpädagoge Guido Bauhammer. Er arbeitet für die Niedersächsische Landesmedienanstalt und unterstützt Schulen rund um das Thema Medien. „Die Schülerinnen und Schüler lernen in diesem Projekt nicht nur, wie ein Film funktioniert“, sagt er. „Das gemeinsame Arbeiten in Kleingruppen fördert darüber hinaus Schlüsselqualifikationen wie Teamarbeit, Kooperation und Verlässlichkeit.“

Auch die Lehrkräfte sammeln über das Angebot neue Erfahrungen. „Bevor sie mit ihren Schülerinnen und Schülern zu uns kommen, werden sie im Medienzentrum Hittfeld geschult, lernen, dass kindgerechte Trickfilmproduktion mehr ist als nur künstlerisches Gestalten“, sagt Tommy Smidt. „Es ist ein didaktisches Grundprinzip, das in verschiedenen Unterrichtsfächern Anwendung finden kann.“

Für die Viertklässler der Sonnenschule Bendestorf ist die Produktion ihres ersten eigenen Streifens aber vor allem eins: eine Schulwoche, die richtig viel Spaß macht. Emily, Johanne, Marta-Isabella, Robin und Anton haben für ihren Film „Der coole Weihnachtsmann auf dem Crossmotorrad“ tausende Bilder gemacht. Sie haben Figuren aus Pappe gebastelt und Hintergrundgeräusche ausgesucht. Schließlich haben sie gemeinsam mit den anderen Filmteams ihre Werke auf der großen Kinoleinwand des Museums angeschaut. Schulleiter Gunnar Sievert ist begeistert: „Was wir hier lernen, lässt sich in allen Fächern anwenden“, sagt er. „Die Kooperation mit dem Filmmuseum ist eine gegenseitige Bereicherung.“