Geflüchtete Menschen

Kritik an neuen Unterkünften in der Gemeinde Seevetal

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Lena Thiele
Bau einer Flüchtlingsunterkunft des Landkreises Harburg in der Gemeinde Seevetal

Bau einer Flüchtlingsunterkunft des Landkreises Harburg in der Gemeinde Seevetal

Foto: Joto / JOTO

Landkreis baut Container in Meckelfeld und Hittfeld auf. Gemeinde bereitet Sporthalle in Maschen für Geflüchtete vor.

Seevetal.  Während der Landkreis Harburg in Meckelfeld und Hittfeld zwei zusätzliche Unterkünfte für Geflüchtete errichtet, gibt es Kritik amAuswahlverfahren für diese neuen Standorte. Es sei nicht transparent kommuniziert worden, welche Kriterien dabei entscheidend waren, sagt Timo Röntsch, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Rat der Gemeinde Seevetal. „Die Bürger wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Die Entscheidung für die beiden Standort sei in enger Abstimmung mit den Kommunen getroffen worden, sagt Landkreissprecher Andres Wulfes. „Die wichtigsten Fragen sind dabei immer: Welche Grundstücke sind geeignet? Und welche Grundstücke stehen überhaupt zur Verfügung?“ Wenn diese Grundvoraussetzungen geklärt sind, gelte es, die Möglichkeiten vor Ort zu prüfen. Dazu zählen zum Beispiel die Ver- und Entsorgung, Einkaufsmöglichkeiten sowie die Anbindung der möglichen Unterkunft an den Nahverkehr.

In Meckelfeld werden bis zu 132 alleinreisende Männer unterkommen

Die Einrichtung in Meckelfeld wird ausschließlich mit Männern aus verschiedenen Ländern belegt. Es sei bundesweit üblich, Unterkünfte zum einen für Familien, zum anderen nur für alleinreisende Männer einzurichten, sagt der Landkreissprecher. Zwei Heimleiter sowie ein Sozialarbeiter werden zur Betreuung der Geflüchteten eingesetzt. Ziel sei die Hilfe zur Selbsthilfe, um die Integration zu erleichtern, so Wulfes. Auch ein Sicherheitsdienst ist vor Ort tätig.

In den Containern an der Glüsinger Straße in Meckelfeld ist Platz für bis zu 132 Menschen. Weitere 70 Geflüchtete können in der Unterkunft unterkommen, die Am Küstergarten in Hittfeld gebaut wird. Die neuen Standorte, die die bisher 57 Unterkünfte im Landkreis ergänzen, sollen im Dezember in Betrieb genommen werden. Für den Betrieb ist auch hier das Unternehmen Quarter Living zuständig. Zuletzt kamen die meisten der etwa 40 Geflüchteten, die derzeit jede Woche den Landkreis Harburg erreichen, aus der Türkei, Afghanistan und Syrien, andere aus Kolumbien, Irak und Armenien.

Für Geflüchtete aus der Ukraine ist die Gemeinde Seevetal zuständig

Für die Unterbringung der Ukrainer sind seit Anfang Juni die Kommunen zuständig. Sie stehen vor der Herausforderung, ausreichend Plätze für die immer zahlreicher werdenden Menschen einzurichten, die vor dem russischen Angriffskrieg flüchten. Pro Woche kommen derzeit etwa 50 im Landkreis Harburg an. Wohnungen, in die sie einziehen könnten, sind in Seevetal jedoch weiterhin knapp.

Die Gemeinde hat sich daher zu einem Schritt entschlossen, der noch vor wenigen Wochen als letzte Möglichkeit genannt wurde: Sie richtet in Maschen eine Turnhalle als Flüchtlingsunterkunft her. „In Absprache mit dem VfL Maschen ist es gelungen, die Sporthalle auf dem Vereinsgelände vorübergehend als Wohnraum für geflüchtete Menschen aus der Ukraine zur Verfügung zu stellen“, sagt Gemeindesprecher Andreas Schmidt. Dort werden voraussichtlich in der Woche vom 10. Oktober an übergangsweise bis zu 70 geflüchtete Menschen untergebracht werden.

Sporthalle in Maschen wird provisorisch eingerichtet, Gemeinde sucht Wohnungen

Zwar wird die Halle nicht für den Schulsport genutzt, für die Vereinssportler mussten jedoch Alternativen gefunden werden. Soweit möglich nutzen sie vorübergehend andere Hallen in der Nähe.

Auch diese gemeindliche Einrichtung wird der Regionalverband der Johanniter Unfallhilfe betreiben, die Mitarbeiter kümmern sich um die Betreuung, Verpflegung und den täglichen Bedarf der Geflüchteten. „Die Sporthalle wird provisorisch eingerichtet, das Leben findet hier bei eingeschränkter Privatsphäre auf engstem Raum statt“, so Schmidt. Die Gemeinde bemühe sich weiterhin intensiv um das Erschließen weiterer Wohnmöglichkeiten für die aus der Ukraine geflüchteten Menschen. Zurzeit stehe jedoch nicht fest, wie lange diese in der Sporthalle bleiben müssen. Die Halle ist – anders als zum Beispiel das Helbach-Haus – nicht als sogenannte Erstunterkunft konzipiert.

Informationsabend in der Sporthalle Maschen am 4. Oktober

Die Gemeinde Seevetal lädt ihre Bürgerinnen und Bürger zu einer Informationsveranstaltung in der Sporthalle ein: am Dienstag, 4. Oktober, von 17 bis 19 Uhr. Wer Fragen oder Anregungen hat oder ehrenamtlich helfen will, wendet sich an die Sozialarbeiterin der Gemeinde, Catharina Santos, unter Telefon 04105/55 22 78 oder per Mail an C.Santos@seevetal.de.