Schwarz Cranz

Wursthersteller bankrott: Gelände in 1a-Lage vor Verkauf

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Schwarz Cranz in Neu Wulmstorf: Nach der Skandal-Pleite steht das Gelände offenbar vor dem Verkauf.

Schwarz Cranz in Neu Wulmstorf: Nach der Skandal-Pleite steht das Gelände offenbar vor dem Verkauf.

Foto: Sabine Lepél

Eine Millionenklage gegen die Geschäftsführung läuft wohl noch lange. Neuer Eigentümer für das Grundstück?

Neu Wulmstorf. 
  • Wursthersteller – Millionenklage gegen Ex-Geschäftsführerinnen
  • Wursthersteller Schwarz Cranz: Produktionsgebäude steht leer
  • Schwarz-Cranz-Pleite: Seit einem Jahr läuft juristische Aufarbeitung

Muss die Gemeinde Neu Wulmstorf einen langfristigen Leerstand auf dem ehemaligen Firmengelände des bankrottgegangenen Neu Wulmstorfer Fleisch- und Wurstwarenherstellers Schwarz Cranz fürchten?

Obwohl es möglicherweise eine Perspektive für die brachliegende Gewerbeimmobilie in Top-Lage gibt, besteht die Gefahr weiterhin. Eine Millionenklage gegen die beiden ehemaligen Geschäftsführerinnen läuft.

Schwarz Cranz: Leer stehendes Produktionsgebäude

Zwei Jahre, nachdem der Neu Wulmstorfer Fleisch- und Wurstwarenhersteller Schwarz Cranz zunächst von einem Skandal in den nächsten und schließlich ins Pleite-Drama rutschte, wuchert auf dem ehemaligen Betriebsgelände das Unkraut.

Die leer stehenden Produktionsgebäude der einstigen Fleisch- und Wurstwarenfabrik sind dem Verfall preisgegeben, das 3,7 Hektar große Gelände mitten im Neu Wulmstorfer Gewerbegebiet droht nach wie vor zu einer Industrieruine zu werden.

Seit einem Jahr läuft juristische Aufarbeitung der Schwarz-Cranz-Pleite

Etwa seit einem Jahr läuft die juristische Aufarbeitung der Schwarz-Cranz-Pleite, mit der 550 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des seinerzeit größten Arbeitgebers in der Gemeinde Neu Wulmstorf ihren Job verloren. Im Herbst 2020 hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet. Viel zu spät, wie der zuständige Insolvenzverwalter später feststellte.

Als Gründe für die Pleite wurden damals Kostensteigerungen im Einkauf, Mehraufwand wegen Corona und die verzögerte Auszahlung eines Kredits aufgeführt. Doch auch zuvor war Schwarz Cranz bereits mehrfach wegen des Umgangs mit Leiharbeitern und der Corona-Pandemie, wegen Bakterien in der Produktion, teils verdorbener Waren sowie Betriebsdurchsuchungen in die Schlagzeilen geraten.

Millionenklage gegen Geschäftsführung läuft noch

Seit Friedrich von Kaltenborn-Stachau im vergangenen Jahres das Gelände geräumt übergeben und das Insolvenzverfahren eröffnet hatte, herrscht dort Stillstand. Auf 70 bis 100 Millionen Euro hatte der Fachanwalt die Forderungen der Gläubiger damals geschätzt. Von Kaltenborn-Stachau hat zudem die ehemaligen Geschäftsführerinnen Kristin Schwarz und Wiebke Krüger wegen Insolvenzverschleppung und weiterer Ansprüche auf einen hohen mehrstelligen Millionenbetrag verklagt, das Verfahren läuft.

Nach den Erkenntnissen des Insolvenzverwalters hat die damalige Geschäftsführung die Insolvenz viel zu spät angemeldet. Die Firma sei bereits seit geraumer Zeit zahlungsunfähig gewesen.

Das ehemalige Betriebsgrundstück gehört nicht zur Insolvenzmasse

„Angesichts der Höhe der Klagesumme gehe ich davon aus, dass sich der Rechtsstreit über mehrere Instanzen erstrecken und entsprechend voraussichtlich noch längere Zeit dauern wird“, so der Hamburger Rechtsanwalt auf Abendblatt-Nachfrage. „Ich gehe auch davon aus, dass die von mir klageweise geltend gemachten Ansprüche rechtskräftig bestätigt werden.“

Im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens stehe der Rechtsstreit gegen die ehemaligen Geschäftsführerinnen ganz klar im Vordergrund, so Friedrich von Kaltenborn-Stachau. „Daneben bestehen noch weitere Vermögenswerte, wie Forderungen oder Beteiligungen, um deren Verwertung ich mich gegenwärtig kümmere.“

Betriebsgrundstück sei nur gemietet gewesen

Das ehemalige Betriebsgrundstück gehört nicht dazu. Es war nach Angaben des Insolvenzverwalters von der Schwarz Cranz GmbH & Co. KG nur gemietet. Die Gemeinde Neu Wulmstorf hatte lange vergeblich versucht, mit den Grundstückseigentümern Kontakt aufzunehmen. Nach Abendblatt-Informationen steht nun ein Eigentümerwechsel an.

Das knapp vier Hektar große Areal geht offenbar gerade in den Besitz des börsennotierten britischen Industrieimmobilien-Konzern Segro über, nach eigenen Angaben ein „Real Estate Investment Trust und ein führender Eigentümer, Manager und Entwickler von modernen Logistik- und Gewerbeimmobilien“.

Segro besitzt sechs Millionen Quadratmeter Mietfläche im Wert von 8,9 Milliarden Euro

Segro soll über sechs Millionen Quadratmeter Mietfläche mit einem Wert von 8,9 Milliarden Euro besitzen und verwalten und ist Dienstleister für Kunden aus den verschiedensten Branchen. Die im Besitz von Segro befindlichen und verwalteten Immobilien liegen überwiegend in unmittelbarer Nähe zu Ballungsräumen und an wichtigen Verkehrsknotenpunkten – in insgesamt zehn europäischen Ländern.

Nun soll offenbar die Schwarz-Cranz-Immobilie hinzukommen. Eine entsprechende Anfrage des Abendblatts zum Kauf und zur künftigen Nutzung wurde allerdings inhaltlich nicht bestätigt: „Da die Eigentumsumschreibung noch nicht stattgefunden hat, können und dürfen wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt leider noch keine Antworten auf Ihre Fragen geben“, teile Julian Kux von Segro mit.

Er verweist auf „Mitte Oktober“ als möglichen Zeitpunkt für den Abschluss der Übertragung. Kux ist bei Segro für die Grundstücksakquise und Entwicklungen in Norddeutschland zuständig.

Gespräche mit Kaufinteressenten für das Grundstück

In der Neu Wulmstorfer Gemeindeverwaltung gibt man sich hinsichtlich der Nachnutzung der brachliegenden Gewerbefläche in Top-Lage zuversichtlich: „In der Vergangenheit gab es bereits verschiedene Gespräche mit Kaufinteressenten für das Grundstück, die sich über die baulichen Möglichkeiten informieren wollten“, sagt Gemeinde-Sprecher Timo Stemmann.

Deshalb gehe die Gemeinde Neu Wulmstorf nicht von einem langfristigen Leerstand aus. „Es ist aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, eine Prognose hinsichtlich geplanter Nutzungskonzepte oder des weiteren Zeitablaufs für die Bespielung dieses Grundstücks beziehungsweise dieser Immobilie abzugeben“, so Stemmann weiter.