Kunst Landkreis Harburg

Art Galerie Sinnfall stellt Werke von Martin Lühker aus

| Lesedauer: 5 Minuten
Hanna Kastendieck
Matthias Neb, Julia Kotenko, Stephan Schmidt und Rea Buchholz (v.l.) zeigen eines der Gemälde des Buchholzer Künstlers Martin Lühker, das in der Art Galerie Sinnfall ausgestellt wird.

Matthias Neb, Julia Kotenko, Stephan Schmidt und Rea Buchholz (v.l.) zeigen eines der Gemälde des Buchholzer Künstlers Martin Lühker, das in der Art Galerie Sinnfall ausgestellt wird.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Der Buchholzer gehört zu den bekanntesten Kunstschaffenden in der Region. Er verstarb 2014. Jetzt wird sein Nachlass erneut gezeigt

Buchholz.  Sogar das Original des Kinderkönigs haben sie herangeschafft. Eine Figur aus Pappmaché, um die sich unzählige Arbeiten des Buchholzer Künstlers Martin Lühker ranken. Lühker verstarb 2014 mit nur 59 Jahren. Sein Kinderkönig aber – noch zu Lebzeiten in Bronze gegossen – ziert das Buchholzer Rathaus und gilt längst als Symbolfigur der Nordheidestadt. Doch nicht nur den König hat der wohl bekannteste Künstler von Buchholz hinterlassen. Sein Nachlass umfasst viele farbenfrohen Bilder und unzählige Skizzen. Diese sind von Sonntag, 18. September, bis zum 5. November, in einer großen Verkaufsausstellung in der Art Galerie Sinnfall (Bremer Straße 1) zu sehen.

„Martin Lühker ist der größte Künstler, den wir in der Region je hatten“, sagt Stephan Schmidt, der gemeinsam mit seiner Partnerin, Künstlerin Julia Kotenko, die Ausstellung vorbereitet hat. „Wir wollen mit unserem Engagement dazu beitragen, Lühkers Popularität weiter zu fördern. Da darf natürlich auch der Kinderkönig als zentrale Figur nicht fehlen.“ Der kleine Mann mit seiner roten Uniform und dem Schwert ist die wohl wichtigste Figur im Gesamtwerk von Martin Lühker. Das Märchen mit dem ursprünglichen Titel schrieb der Künstler bereits vor mehr als 35 Jahren. „Fertig geworden ist die Geschichte allerdings nie“, sagt Stephan Schmidt. „Aber es gibt unzählige Skizzen, Zeichnungen, Malereien und Collagen, die die Geschichte reflektieren. Sie erinnern ein wenig an ‚Alice im Wunderland‘.“

Ein großartiger Künstler, der immer mehr sein wollte als nur ein Lokalmatador

Es war die Schwester des verstorbenen Künstlers, Ria Buchholz, die Stephan Schmidt und Julia Kotenko auf die Idee brachte, ihre Galerie für den Nachlass ihres Bruders zu öffnen und den Menschen in der Region noch einmal die Möglichkeit zu geben, auf das beeindruckende Werk des Künstlers zurückzuschauen. Unterstützt werden sie dabei vom Buchholzer Kunstsammler Matthias Neb. Dieser war mit Lühker eng befreundet und hat ihn Zeit seines Lebens begleitet. „Martin Lühker war ein Riesentalent, ein großartiger Künstler, der immer mehr sein wollte als nur ein Lokalmatador“, sagt Neb.

„Aber er hat es nie auf die internationale Bühne geschafft.“ Dafür aber gehörte er in Buchholz und Umgebung zu den ganz Großen, erhielt mehrere Kunstpreise, darunter 1986 den Kulturförderpreis vom Landkreis und 2001 den Kulturpreis der Stadt Buchholz. „Trotz seiner Erfolge war er aber nie zufrieden“, erinnert sich Matthias Neb. „Er war ungnädig mit seinem Umfeld, machte sich über das Schaffen anderer lustig.“ Trotz seiner Eigenheiten unterstützte ihn Neb als Freund und Kunstkenner, wo er nur konnte, organisierte im Rahmen des Kunstvereins Buchholz regelmäßig Ausstellungen in der Holmer Mühle.

Der ganz große Durchbruch blieb aus

Doch der große Durchbruch blieb aus. Und das, obwohl die Stadt Buchholz wiederholt Bilder ankaufte, die an exponierter Stelle in der Verwaltung einen Platz gefunden haben. Darüber wurde die Skulptur des Kinderkönigs – nach einigen Überarbeitungen – im Auftrag der Stadt 2008 in einer Auflage von zwei Exemplaren als Bronze produziert. Ein Exemplar befindet sich an der Wand des Buchholzer Rathauses. Die zweite Bronze hat bis heute noch keinen Platz in der Stadt gefunden. Für den Guss musste die Pappmaché-Figur zersägt werden. „Für die Ausstellung haben wir sie wieder zusammengeflickt“, sagt Julia Kotenko.

Sie arbeitet selbst erfolgreich als Künstlerin und Designerin, eröffnete 2020 die ART Galerie Sinnfall in Buchholz. Dort gibt sie nicht nur Malunterricht, sondern organisiert regelmäßig auch größere Ausstellungen für nationale und internationale Kunstschaffende. „Martin Lühker kenne ich der gemeinsamen Zeit im Museumsdorf Seppensen“, sagt sie. „Wir hatten dort beide unser Atelier.“ 2012 übernahm Julia Kotenko die künstlerische Leitung und Bühnenbildgestaltung im Projekt Tanztheater „Kinderkönig“. „Eigentlich wollten Martin und ich das Projekt gemeinsam umsetzen“, sagt sie. „Aber er war zu jenem Zeitpunkt dazu nicht mehr in der Lage.“ Zwei Jahre später starb Martin Lühker. „Er war schwerer Alkoholiker“, sagt sein Wegbegleiter Matthias Neb. „Viele aus seinem Umfeld sagten, er brauche den Alkohol für seine Kreativität. Aber das Gegenteil war der Fall. Der Alkohol hat ihn als Künstler kaputt gemacht und nicht beflügelt.“

Stephan Schmidt träumt von einer Art „Buchholzer Maskottchen

Stephan Schmidt und Julia Kotenko wollen aber nicht nur mit der Ausstellung das Gedenken an den großen Maler aufrechterhalten. Auch den Kinderkönig, um welchen sich das Schaffen Lühkers gedreht hat, wollen sie wieder mehr in den Fokus rücken. Gemeinsam mit der Tanzschule Svetlana Ring planen sie, den Kinderkönig erneut auf die Bühne zu bringen. „Außerdem könnten uns vorstellen, dass der König als Symbolfigur noch mehr Bedeutung für die Stadt Buchholz bekommt als bisher“, sagt Stephan Schmidt, der von einer Art „Buchholzer Maskottchen“ träumt. Ein erstes Gespräch dazu hat bereits mit dem Bürgermeister stattgefunden. Schließlich liegen die Nutzungsrechte für den Kinderkönig bei der Stadt.