Blogger in Buxtehude

Warum Kreuzfahrt-Influencer jetzt ein Reisebüro eröffnen

| Lesedauer: 6 Minuten
André Lenthe
Seit mehr als zehn Jahren betreibt Familie Wepner aus Apensen bei Buxtehude den Kreuzfahrtblog Schiffe & Kreuzfahrten.

Seit mehr als zehn Jahren betreibt Familie Wepner aus Apensen bei Buxtehude den Kreuzfahrtblog Schiffe & Kreuzfahrten.

Foto: Andrè Lenthe / HA

Melanie und Pascal Wepner betreiben einen erfolgreichen Seereise-Blog. Ab dem Wochenende gibt es in Buxtehude analoge Reiseberatung.

Buxtehude.  Seit mehr als zehn Jahren betreibt Familie Wepner aus Apensen bei Buxtehude den Kreuzfahrtblog Schiffe & Kreuzfahrten. Nun eröffnet der Familienbetrieb seine Kreuzfahrtlounge in der Buxtehuder Innenstadt. Ein ungewöhnlicher Schritt, suchen die meisten Firmen und Geschäfte derzeit doch eher den Weg ins Internet.

Blogger in Buxtehude: Millionen Menschen lesen die Beiträge

Mehr als drei Millionen Menschen lesen monatlich, was der Internet-Blog Schiffe & Kreuzfahrten seit Anfang 2011 ins Internet stellt. Dabei arbeitete das Betreiberpaar Melanie (40) und Pascal (38) Wepner stets aus dem heimischen Wohnzimmer oder direkt von den Kreuzfahrtschiffen auf den Weltmeeren. Redaktionelle Artikel, Videorundgänge und Bildergalerien gehören seither zum Alltagsgeschäft. Um diese Arbeit zu finanzieren, setzte die mit Abstand erfolgreichste Kreuzfahrer-Website lange Zeit auf sogenannte Affiliate-Links, also Partnerlinks. Diese teilen der Reederei über einen Internet-Cookie mit, über welche Seite der Kreuzfahrtkunde auf die Seite der Reederei kommt und zahlt eine Provision für die Vermittlung der Reise.

„Vor geraumer Zeit haben wir zusätzlich die Buchungsmaschine Cruisecompass auf unserer Website integriert und dadurch stieg der Beratungsbedarf der Kunden“, erklärt Melanie Wepner im Gespräch mit dem Abendblatt. „Daher fingen wir also an, unsere Leser am Telefon, per E-Mail oder per WhatsApp zu beraten. Vor allem hochwertige Reisen brauchen Beratung und wir sind die Experten für das Suiten-Programm vieler Reedereien“, so die engagierte Geschäftsfrau. Da sie oftmals mit ihren beiden Söhnen unterwegs waren, buchten aber auch viele Familien bei Schiffe & Kreuzfahrten.

Leser wollten Kreuzfahrten beim Ehepaar buchen

Zunehmend wurde es zu eng in den eigenen vier Wänden und man wollte Berufliches und Privates stärker trennen. Daher eröffneten die Eltern zweier Söhne (12 und 14 Jahre) im Jahr 2019 bereits ein Büro mit kleiner Ladenfront im Heimatort Apensen. Eher zufällig kamen immer wieder Kunden vorbei und wollten eine Kreuzfahrt buchen. „Damit hatten wir so nicht gerechnet, eigentlich wollten wir dort vor allem unsere telefonischen Beratungen ausbauen“, erzählt Melanie Wepner, „die Kreuzfahrtlounge in Apensen war geboren und mittlerweile kämen Kunden aus Hamburg, Hannover und ganz Norddeutschland, um sich nach Terminabsprache beraten zu lassen.“

Bei vielen Reedereien zum Toppartner aufgestiegen

Innerhalb kürzester Zeit sei man bei vielen Reedereien zum Toppartner aufgestiegen. Während andere Reisebüros in der Coronakrise schwächelten, stellte das Familienunternehmen in dieser schweren Zeit sechs Mitarbeiter ein. Im Jahr 2021 kam mit dem Kreuzfluenzer eine weitere Marke des Unternehmens hinzu und auch diese entwickelte sich zum Erfolgsmodell und wuchs schnell auf mehr als 10.000 Follower, alleine bei Youtube. Damit gelang dem Familienbetrieb der Einstieg ins Social Business.

Rund 100.000 Euro spendeten die beiden Unternehmer in den vergangenen eineinhalb Jahren aus dem Kreuzfluenzer-Projekt für Jugendsportmannschaften, bauten drei Schulen mit der Stiftung Fly&Help in Sri Lanka und Indien. Außerdem unterstützten sie die Familie eines verstorbenen AIDA-Crewmitgliedes mit 10.000 Euro.

In der Innenstadt von Buxtehude vor Anker

Nun geht Schiffe & Kreuzfahrten mit ihrer Kreuzfahrtlounge direkt in der Innenstadt von Buxtehude vor Anker. „Wir hoffen durch das Offline-Geschäft auf mehr Laufkundschaft und sind bereits jetzt vom Zuspruch überwältigt“, sagt Melanie Wepner, die das leerstehende Büro zufällig beim Shoppen mit ihrem Mann entdeckt hatte. „Wir haben gleich den Vermieter angerufen und es uns direkt angeschaut. Durch die tolle Innenstadtlage werden wir unsere Präsenz auf die Straßen von Buxtehude bringen“, ist sich die Kreuzfahrtexpertin sicher.

Das Büro in Apensen werde weiter Terminkunden betreuen. Am 3. September um 10 Uhr öffnet das reine Kreuzfahrt-Reisebüro in der Breite Straße 1 erstmals seine Türen. Zur Eröffnung wird es bunt werden, beispielsweise ist eine Verlosung geplant. „Wir arbeiten zum Start mit fünf großen Reedereien zusammen, bei denen wir uns richtig gut auskennen“, verrät die Reisevermittlerin.

Es sei den Kreuzfahrtspezialisten wichtig, das Produkt zu kennen. Daher sei es auch bei der Auswahl des Personals wichtig gewesen, dass die Bewerberinnen und Bewerber eine ausgeprägte Kreuzfahrtaffinität hatten und die Schiffe kennen.

Blogger in Buxtehude: Fünf Angestellte sind Quereinsteiger

Fünf der sechs Angestellten sind Quereinsteiger im Reiseverkauf, nur eine Mitarbeiterin hat eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau. „Wir setzen unser Online-Konzept eins zu eins in der Kreuzfahrtlounge um“, verspricht Melanie Wepner. Es werde ehrlich beraten, so wie es bei Schiffe & Kreuzfahrten üblich sei und dass trotz bestehender Agenturverträge. „Es ist viel wichtiger, dass die Kunden zufrieden sind, als dass wir sie nur wegen der Provision auf ein unpassendes Schiff setzen“, so Wepner abschließend.

In der Tat – die Unterschiede beispielsweise bei den Suiten und dem Service zwischen TUI Cruises und AIDA sind beachtlich. Mit Nicko Cruises, MSC Kreuzfahrten und dem Flussreiseanbieter A-Rosa, als Kernreedereien, bietet die Kreuzfahrtlounge ein breites Angebot.

Sich auf ein Produkt zu konzentrieren, funktionier in der Onlinewelt hervorragend und werde sicher auch in der Buxtehuder Innenstadt seinen Platz finden, hoffen die Unternehmer. Einen Hotelurlaub oder einen Flug kann man in der Kreuzfahrtlounge nicht buchen. „Und eins wird sich nicht ändern,“ verspricht Kreuzfluenzer Pascal Wepner, „Schiffe & Kreuzfahrten wird online weiter kritisch die Branche begleiten und mit so viel Witz wie vorher über den Kreuzfahrturlaub berichten.“