Freibadtest Hittfeld

Ein Bad für die ganze Familie

| Lesedauer: 7 Minuten
Lars Hansen
Maren Pfaff ist Herrin des Beckenrands in Hittfeld. Sie managt 9600 Kubikmeter Wasser, bis zu 2000 Badegäste täglich, 21 Mitarbeiter und 1,5 Hektar Liegewiese.

Maren Pfaff ist Herrin des Beckenrands in Hittfeld. Sie managt 9600 Kubikmeter Wasser, bis zu 2000 Badegäste täglich, 21 Mitarbeiter und 1,5 Hektar Liegewiese.

Foto: Lars Hansen / xl

Freibadtest: Hittfeld – Freizeitorientiertes Baden, entspannte Atmosphäre und viel Platz auf der Wiese locken vor allem Eltern mit Kindern

Hittfeld.  Auf der Uhr ist es zwei vor eins im Schatten sind es 28 Grad und vor der Tür sind 30 Wartende. Mittwochs wird das Hittfelder Freibad immer erst um 13 Uhr geöffnet, sonst um 10 Uhr. Kaum öffnen sich die Türen, strömen die Badegäste hinein. Das Kassieren geht zügig, denn die wenigsten zahlen einzeln. „Meist sind es Familien, die unser Freibad nutzen“, sagt Badleiterin Maren Pfaff, „darauf ist es auch ausgerichtet.“

Das Hittfelder Freibad ist keine riesige Badelandschaft. 500 Quadratmeter Wasserfläche verteilen sich gleichmäßig auf einen Schwimmer- und einen Nichtschwimmerbereich, die rechtwinklig zueinander angeordnet sind. Fünf 25-Meter-Bahnen sind im Schwimmerbereich markiert und an einem Ende mit Startblöcken versehen. Wenn das Bad voll ist, wird es auch in den Becken schon mal eng, aber in Hittfeld zählt das Gesamtpaket: „Viele Familien kommen zu uns, um den ganzen Tag hier zu verbringen“, sagt Pfaff. „Dabei ist das Wasser natürlich die Hauptattraktion, aber es gibt genügend anderes.“

Hüpfkissen ein echter Anziehungspunkt für Kinder

Die eineinhalb Hektar grüne Freifläche sind schnell mit Handtüchern gesprenkelt rasch wird die Handtuchdichte größer. Andere haben sich Liegen am Pool geschnappt, die tribünenartigen Liegeterrassen werden von Jugendlichen bevorzugt, manche Badbesucher sind mit einem Platz auf einer Sitzbank völlig zufrieden. „Außerhalb der Becken ist das Hüpfkissen ein echter Anziehungspunkt für Kinder“, sagt Badchefin Pfaff. „Hier toben sie sich so richtig aus.“

Gleich neben dem Hüpfkissen ist die Wasser-Spiellandschaft für die Kleinsten – ein kleines Kunststoffgebirge mit kleinen Planschbereichen, wasserspuckenden Tierfiguren und Rutschbächen. Pia und Paul sind darauf in alle Richtungen unterwegs. „Wir sollten wirklich öfter hierherkommen“, sagt Pauls Mutter Sarina und ihre Freundin Helen, zu ihr gehört Pia, nickt: „Man gönnt sich viel zu selten mal einen schönen Tag!“

Einen schönen Tag haben auch Aron und Piet. Aron hebt steil nach oben vom Startblock ab, scheint in der Luft kurz in einer bizarren Streckpose zu verharren. Dann zieht er die Beine an, saust hinternzuvorderst in Richtung Wasser und taucht mit maximaler Spontanverdrängung ein. „Das war ne Gute!“ ruft Piet anerkennend. Aron hat das nicht gehört. Er taucht erst jetzt wieder auf. „Es ist ein bisschen schade, dass es hier keinen Einer und Dreier gibt“, sagt Piet, „aber vom Block machen die Arschbomben auch Spaß! Man kann nicht immer alles haben.“

Startblöcke fest in den Händen der Springer

An heißen Ferientagen sind die Startblöcke fest in den Händen der Springer. Das macht Bahnenschwimmen schwierig, zumal man auch auf der anderen Seite oft nicht bis zum Ende durchkommt. Hier ist das Wasser zwar tief genug zum Schwimmen, aber für Jugendliche und Erwachsene auch schon flach genug zum Stehen, was viele auch tun, besonders gern in Gruppen. „Das ist aber auch in Ordnung“, sagt Stammgast Olaf. „Die meisten sind nun mal zum Spaß hier und gerade die Jugendlichen haben keine Lust ständig zwischen Kindern zu stehen, aber nur gerade hin und her zu schwimmen, ist ihnen auch zu langweilig.“

Olaf ist geduldig: „Abends, so ab sechs, kann man hier wieder Bahnen ziehen“, weiß er, „dann geht der erste große Schwung nach Hause.“ Davon profitieren nicht nur routinierte Schwimmer, sondern auch Anfänger: Selbst an proppevollen Tagen nimmt ein Schwimmmeister in der letzten Stunde noch Prüfungen ab, weil man vorher gar nicht dazu käme. Aufmerksam, beruhigend und gleichzeitig fordernd und motivierend schreitet er parallel zum Prüfling am Beckenrand. Ein Silber-Abzeichen und ein Seepferdchen werden heute erfolgreich in Angriff genommen.

Die größte Attraktion für die jüngeren Badegäste befindet sich aber auf der Nichtschwimmer-Seite der Trennkette: 54 Meter halboffenes Glasfaserkunststoff-Rohr führen in einer Schleife und einer Schlaufe von der hoch gelegenen Eingangsebene bis zur Wasseroberfläche gut 10 Meter weiter unten. Damit ist die Hittfelder Wasserrutsche eine der größten in der Region. Ständig flitzen Kinder im Laufschritt die Wendeltreppe hinauf, um im Liegen durch die Röhre wieder hinabzusausen. Es gibt Regeln. Die meisten Kinder haben diese aber vergessen, sobald sie die Wendeltreppe hinaufgelaufen sind. Zu ernsthaften Unfällen ist es hier allerdings noch nie gekommen.

40 Jahre ist Maren Pfaff jetzt im Beruf

40 Jahre ist Maren Pfaff jetzt im Beruf – natürlich nicht immer als Chefin. „Im August 1982 begann ich meine Ausbildung zur Fachkraft im Bäderbetrieb, das war in Reinbek“, sagt sie. „Seit 2009 bin ich in Hittfeld.“

Was sie an ihrem Bad am meisten schätzt, ist der herzliche Umgang aller miteinander, Mitarbeiter, wie Besucher. „Es kommt sogar manchmal vor, dass die Badeaufsicht von Gästen spontan ein Eis gebracht bekommt“, sagt Pfaff. 21 ständige Mitarbeiter hat sie, davon neun am Beckenrand. 12 sind in der Badtechnik und in anderen Bereichen beschäftigt. An Wochenenden helfen noch einmal drei Teilzeitkräfte in der Badeaufsicht aus.

Das erwähnte Eis kann man – übrigens auch zum Selbstschlecken – im rechten der beiden Imbisswagen am unteren Ende der Liegewiese erwerben. Direkt daneben steht der Wagen mit der Fritteuse. Die Pommesprobe darf bei einer Freibadvorstellung natürlich nicht fehlen und Hittfeld besteht sie mit Bravour: Die Stäbchen selbst auf den Punkt frittiert, außen knusprig, innen saftig. Die Portion ist üppig, und der Ketchup als Extra kommt tatsächlich als eigene Komponente in einer separaten Pappschale. So können sich zwei Pommesteller eine Portion Ketchup teilen. Die Menge reicht dafür auf alle Fälle aus.

Wer das familiäre Freibad ausprobieren möchte, muss sich beeilen: Die Saison geht noch bis zum 4. September. Tags darauf geht der Betrieb in der Halle weiter.

Die Saison dauert bis noch bis zum 4. September. Geöffnet ist donnerstags bis dienstags 10 bis 20 Uhr, mittwochs 13 bis 20 Uhr. Kassenschluss: 19:15 Uhr. Frühschwimmen gibt es montags, dienstags, donnerstags und freitags von 6.30 bis 8 Uhr, nur mit 10er- oder 30er-Karten.

Erwachsene zahlen 3,50 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 2,50 Euro, Kinder unter drei nichts. 10er-Karten kosten für Erwachsene 31 Euro, jugendermäßigt 21 Euro und gelten auch in den Hallenbädern Hittfeld und Over. 30er-Karten kosten 75 oder 45 Euro. Familienkarten 6 oder 12 (2Erw./bis 4K).

Anreise: Das Bad liegt auf der Peperdiekshöhe. Anreise mit dem Auto oder Fahrrad über Hittfelder Landstraße. Mit dem Bus 4148 fährt man bis Schwarzer Weg, dann 20 Minuten zu Fuß. Ähnlich weit ist der Weg vom Hittfelder Bahnhof.