Kultur in Buchholz

Premiere! Festivalstimmung im Museumsdorf Seppensen

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Hanna Kastendieck
In Vorbereitung auf das Waldinsel Spektakel mit Lasterkonzert vor dem Sniers Hus (v.l.): Künstler Mr. Wink (maskiert), Veranstalter Kim Senger und Stephan Schmidt vom Museumsverein.

In Vorbereitung auf das Waldinsel Spektakel mit Lasterkonzert vor dem Sniers Hus (v.l.): Künstler Mr. Wink (maskiert), Veranstalter Kim Senger und Stephan Schmidt vom Museumsverein.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Mit „Lasterkonzert“, Pop-Art-Ausstellung und Feuershow startet das erste Waldinsel Spektakel vor dem Sniers Hus

Seppensen.  Es sind die besonderen Orte, die Festivalveranstalter Kim Senger für seine Veranstaltungen sucht. Der Elbanleger in Teufelsbrück gehört dazu, der Reger­hof in Altona oder die ehemalige Wilhelmsburger Reichsstraße. Jetzt hat Senger, Musikpromoter, Labelinhaber und Open-Air-Konzertveranstalter, einen neuen Ort für seine ungewöhnlich kreativen Ideen gefunden: das Museumsdorf Seppensen am Rande von Buchholz. „Ein besonderer Ort, der es verdient, aus dem Dornröschenschlaf geweckt zu werden“, findet Kim Senger. Um genau das zu tun, präsentiert der 51-Jährige, dessen Label „Waldinsel Records“ für genreübergreifende, handgemachte Musik steht, am morgigen Donnerstag erstmalig sein außergewöhnliches Konzertformat auf dem Museumsgelände am Mühlenteich 3.

Pünktlich um 17.30 Uhr geht zwischen Sniers Hus, historischer Schmiede, Backhaus und alter Dorfschule das erste „Lasterkonzert“ an den Start. Schon der Name verheißt außergewöhnliches. Denn die Bühne, auf der Musiker wie Hannah Paularsen und Multitalent John Winston Berta spielen, befindet sich auf einem legendären Oldtimer-Lastwagen, für den allein schon sein wunderschönes Äußeres spricht.

Mehr als eine Million Kilometer hat der 6,5-Tonner inzwischen zurückgelegt

42 Jahre ist der Mercedes LP 608 alt, über eine Million Kilometer hat der 6,5-Tonner inzwischen zurückgelegt. Als Möbeltransporter, Zirkuslastwagen, Zuhause für eine Familie war er in den vergangenen Jahrzehnten im Einsatz, genauso wie als Tourbus, Wohnmobil und jetzt als mobile Bühne und rollendes Aushängeschild der Waldinselbühne.

„Der Waldinsel-Lastwagen ist aber mehr als nur eine mobile Bühne. Er ist auch Symbol dafür, dass Musik als Teil von Kunst und Kultur uns Menschen ausmacht“, sagt Kim Senger, der den Laster zum ersten Mal 2020 als Konzertbühne in der Öffentlichkeit eingesetzt hat. „Damals wollten wir das neue Album von John Winston Berta & Band promoten, aber wegen der Pandemie gab es keine Auftrittsmöglichkeiten. Also haben wir uns eine eigene Bühne gebaut und sind damit losgefahren“, erzählt Senger. Unter strengen Corona-Auflagen brachte er auf diese Weise Livemusik zu den Menschen – und zwar so erfolgreich, dass das Projekt im vergangenen Jahr vom Hamburger Kultursommer gefördert wurde. Die Künstlerinnen und Künstler spielen dabei vor dem Laster oder vom Dach des Fahrzeugs in zirka 3,60 Meter Höhe, das Publikum versammelt sich um das Fahrzeug. „Damit sind auch Konzerte mit Abstand zur Pandemieeindämmung möglich“, sagt Senger, der inzwischen mehrere Konzerte auf öffentlichen Plätzen aber auch auf Privatgrundstücken veranstaltet hat.

„Wir wollen diesen Ort für hochwertige Veranstaltungen öffnen“

Als Projekt des eigenen Musiklabels lässt Senger ausschließlich eigene Künstler auftreten wie John Winston Berta, Rüdiger Bierhorst oder Sven Panne. Aber auch Künstler aus seinem Umfeld in Buchholz dürfen darauf spielen. Dort nämlich, auf einem inselartigen Grundstück nahe einer renaturierten Schotter-Deponie in Suerhop lebt Senger seit 2012 mit seiner Frau Moni. Die beiden verbindet die Leidenschaft, ihren Garten für Freunde zu öffnen. Was zunächst mit kleinen Sommerpartys begann, zu denen die ersten Künstler geladen wurden, entwickelte sich allmählich zur Waldinselbühne mit jährlich rund 200 Besuchern. „Das aber ist privat und soll es auch bleiben“, sagt Kim Senger. Weil aber immer mehr Leute anfragten, ob sie dabei sein und das hochwertige Programm erleben könnten, machte sich der Konzertveranstalter auf die Suche nach einem weiteren Auftrittsort – und landete im Museumsdorf. Dort möchte er nun viermal im Jahr Events mit der Waldinsel-Crew anbieten.

Dieter von Plata vom Vorstand des Geschichts- und Museumsvereins Buchholz ist begeistert von der neuen Kooperation. „Wir wollen diesen Ort mehr für hochwertige Veranstaltungen öffnen und diese dazu nutzen, unser Angebot bekannter zu machen“, sagt er. Das Festival sei dafür eine tolle Möglichkeit. Denn neben der abwechslungsreichen Musikauswahl lädt Musik-Freak Wolfgang Strobel zur „Plattenverkostung“ ein und zeigt besondere Schallplattencover der Musikgeschichte. Der ortsansässige Designer und Künstler Mr Wink präsentiert in der alten Schmiede sein Rainbow Fantasy Popart Adventure. Es gibt Bratwürstchen, vegane Leckereien, Bioweine, Kaffee und selbst gemachte Smoothies. Den spektakulären Abschluss des Abends macht um 21.40 Uhr das Duo Flamba mit einer choreographierten Feuershow der Extra-Klasse.