Kultur in Buchholz

Christoph Selke bringt Buchholz „Zurück zum Glück“

| Lesedauer: 8 Minuten
Hanna Kastendieck
Christoph Selke (hinten 2. v.r.) mit Künstlern und  Mitstreitern der Buchholzer Kulturnacht (v.l. vorn): Andreas Ziesemann, Katja Staats, Anja Grover und Uwe Ruschmeyer. Hintere Reihe v.l.: Inka Kruse, Andreas Allzeit und Friederike Gerpheide

Christoph Selke (hinten 2. v.r.) mit Künstlern und  Mitstreitern der Buchholzer Kulturnacht (v.l. vorn): Andreas Ziesemann, Katja Staats, Anja Grover und Uwe Ruschmeyer. Hintere Reihe v.l.: Inka Kruse, Andreas Allzeit und Friederike Gerpheide

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Christoph Selke gilt als der Kulturmacher der Nordheidestadt, war Vertrauter von Horst Janssen und organisiert die Buchholzer Kulturnacht

Buchholz.  Er weiß, was es bedeutet, in Extremen zu denken. Visionen zu entwickeln und umzusetzen. Und dass es lohnt, Dinge anzupacken, die andere als verrückt bezeichnen könnten. Schließlich hat Christoph Selke, Vorsitzender des Vereins Feuer & Flamme für Kultur in Buchholz e.V.“, zehn Jahre seines Lebens mit Horst Janssen zusammengearbeitet, dem Hamburger Künstler, der als der wohl größte Zeichner und Druckgrafiker überhaupt gilt. Jansen, so beschreiben ihn jene, die ihn erlebt haben, sei ein begnadeter Künstler gewesen, aber auch ein Mensch mit Extremen, ein Exzentriker und Egomane.

Bei Selke hat diese Persönlichkeit tiefe Spuren hinterlassen. Sein Wesen als Künstler haben ihn beeindruckt und den Blick auf die Kunst und Menschen geprägt. „Janssen war ein faszinierender Mensch“, sagt Selke. „Die Zusammenarbeit mit ihm hat mich tief beeindruckt und beeinflusst mich und meinen Umgang mit der Kunst und den Kunstschaffenden bis heute.“

Begeisterung für Künstler und ihre Kunst

Mit dieser Begeisterung für Künstler und ihre Kunst hat Selke nicht nur viele Jahre den Kulturverein Buchholz geleitet, sondern auch vor ein paar Jahren den Verein „Feuer und Flamme für Kultur in Buchholz e.V.“ ins Leben gerufen. Dieser veranstaltet die „Buchholzer Kulturnacht“, die jetzt zum vierten Mal an den Start geht. Am 16. Juli ist es wieder soweit. Dann öffnen zehn Veranstaltungsorte ihre Pforten. Ab 18 Uhr haben Besucherinnen und Besucher zu einem Eintrittspreis von zehn Euro (15 Euro an der Abendkasse) die Chance, aus 37 Einzelveranstaltungen zu wählen. Jede dauert eine gute halbe Stunde. Dann geht es weiter zur nächsten. So können an einem Abend bis zu vier Veranstaltungen besucht werden.

„Die Kulturnacht ermöglicht den Gästen, in viele verschiedene Kulturangebote reinzuschnuppern“, sagt Christoph Selke. „Und sie ist für die Künstlerinnen und Künstler eine Chance, sich einem möglichst breiten Publikum zu präsentieren.“ Nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause sei der Hunger nach Veranstaltungen groß. „Die Menschen wollen wieder etwas erleben“, sagt Selke. „Und die Kulturschaffenden wollen endlich wieder zeigen, was sie können.“

„Zurück zum Glück“ heißt das Motto der vierten Buchholzer Kulturnacht

„Zurück zum Glück“ heißt daher auch das Motto der vierten Buchholzer Kulturnacht. „Corona-geplagt und von anderen Welt-Ereignissen geprüft, bietet die Kulturnacht Abwechslung und Freude, ein Stück Normalität, die wir so dringend benötigen“, sagt Veranstalter Selke. Kultur sei dabei mehr als nur das Mittel zum Zweck. „Das unmittelbare kulturelle Erleben, der künstlerisch inspirierte Diskurs, die streitige Auseinandersetzung mit kreativen Irritationen – all das musste in den vergangenen Jahren in den privaten und den digitalen Raum verlegt werden und verlor dadurch seine unmittelbare Wucht“, so Selke, der froh ist, dass es nun endlich wieder losgehen kann. Weil er davon überzeugt ist, dass das Miteinander ohne Kultur nicht geht. „Kultur ist der Kit der Gesellschaft“, sagt er. „Sie verbindet die Menschen und macht ihr Sein aus.“ Gerade in Buchholz gebe es eine ungeheure Vielfalt an Kultur, die schlummere. Diese zu wecken, ihr ein Forum zu geben – das treibe ihn an.

Auch deshalb hat er von 2004 bis 2011 den Vorsitz des „Buchholzer Kunstvereins“ übernommen, dessen Ziel es ist, mehr Kunst in die Region zu bringen, junge Künstler zu fördern und ihnen eine Plattform zu geben. Jedes Jahr veranstaltet der Verein fünf Ausstellungen in den Räumen in der Kirchenstraße. Die Mitwirkenden kommen aus ganz Deutschland. Für deren Ausstellung fährt Selke zum Teil quer durch die Republik, kümmert sich um den Transport der Bilder, die Unterbringung der Künstler, um Werbung und Vernissage – und zwar all das im Ehrenamt.

Kunst spielt auch beruflich die Hauptrolle

„Ich erlebe es als Benefit, die Künstler kennenlernen zu dürfen“, sagt er. „Niemand ist so nah dran an diesen Menschen wie ich als Verantwortlicher. Ich lerne ihre Sichtweise kennen, wie sie denken und fühlen und verstehe ihre Kunst.“ 2011 erhielt der Verein den Kulturpreis der Stadt Buchholz. Für Selke, damals Vorsitzender, war das die größte Anerkennung seiner Arbeit. Er entschied, dass es Zeit war, das Amt abzugeben.

Zumal die Kunst auch beruflich bei Selke die Hauptrolle spielt. 1958 im Hamburg geboren, zieht er als Sechsjähriger mit seinen Eltern nach Buchholz, besucht das Albert-Einstein-Gymnasium, studiert Neuere Geschichte und Literaturwissenschaft an der Hamburger Uni und beginnt als Aushilfskraft beim Verlag St. Gertrude. Dieser hat nur einen einzigen Künstler unter Vertrag: Horst Janssen. Christoph Selke wird sein „Mädchen für alles“, ist fasziniert von dieser exzentrischen Persönlichkeit dieses Lebemannes, von seinen Ideen, der Vielfältigkeit und dem künstlerischen Schaffen. „Er hatte ein unglaubliches Können, eine Genialität, die mich überwältigt hat. Von ihm habe ich die Kunst von der Pike auf gelernt“, sagt Selke. Gemeinsam machen sie Ausstellungen und Bücher, setzen die verrücktesten Ideen um, erleben Höhen und Tiefen – wie den schweren Unfall des Künstlers im Jahr 1991 als Janssen vom Balkon seines Hauses in Blankenese in die Tiefe stürzt und mit ihm mehrere Wannen voll Säure, die er zum Radieren benutzt. Der Künstler überlebt, arbeitet intensiv weiter und feiert Erfolge.

Christoph Selke feiert mit. Als Janssen 1995 in Folge eines Schlaganfalls stirbt, geht auch für seinen Begleiter Selke eine Ära zu Ende. Zwar bleibt er noch weitere zwölf Jahre im Verlag, unterstützt den Aufbau des Horst-Janssen-Museums in Oldenburg und betreut weiterhin das Werk Janssens. Doch 2005 ist Schluss. Er verlässt den Verlag, macht sich selbstständig und übernimmt das Management von zwei bedeutenden Künstlern.

Darüber hinaus ist Christoph Selke seit 2004 in der Buchholzer Kommunalpolitik aktiv, sitzt von 2007 bis 2014 für die SPD im Stadtrat, wechselt anschließend zur Wählergemeinschaft Buchholzer Liste. Seine Themen sind die Kultur und der Klimaschutz. Er würde, wenn er könnte, ein großes Kulturzentrum für die Nordheidestadt schaffen, einen Ort, an dem alle unterkommen vom Kunstverein über die Stadtbücherei bis hin zur Volkshochschule mit Platz für 100 oder 200 Besucher. Und er würde einen Kulturbeauftragten anheuern, der das Thema Kultur übernimmt, sagt er. Visionen nennt er diese Wünsche, weil er weiß, dass sich die Stadt beides nicht leisten wird. Er will dennoch an den Ideen festhalten, sich weiter engagieren. „Wenn du etwas bewegen willst, musst du dich dafür einsetzen“, sagt er. „Nur dann kannst du etwas verändern.“ Was ihn am meisten ärgere, sei der Satz: „Das geht nicht.“ Weil es immer einen Weg gebe, man ihn nur finden müsse. Und zwar: gemeinsam.

Die Buchholzer Kulturnacht findet am 16. Juli statt. Start der Veranstaltungen ist um 18 Uhr. Die letzte Veranstaltung beginnt um 22 Uhr.

Die Veranstaltung bietet ein breites Spektrum an einheimischer Kultur: von Rock bis Klassik, von Plattdeutsch bis Hochdeutsch, von Pantomime bis Mächen, von Chören bis Einzel-Musikern.

Jeder Besucher kann vier Aufführungen an einem Abend wahrnehmen. Hinzu kommen noch vier Ausstellungen an einzelnen Orten, die zum Teil auch noch länger zu sehen sind.

Karten (Vorverkauf 10 Euro, Abendkasse 15 Euro) gibt es an der Kartenkasse der Empore (Breite Straße 10), Karten-Telefon: 04181-287878 oder am Veranstaltungsabend direkt vor Ort.

Organisator ist der Verein „Feuer und Flamme für Kultur in Buchholz e.V.“. Dieser gehört zum „Kultnetz21“, einer Kooperation von Machern und Vereinen der Kulturszene Buchholz.

Das Programm zum Download gibt es im Internet: www.kultnetz21.com

( hk )