Klimaaktion in Winsen

Schüler radeln als Klimabotschafter nach Amsterdam

| Lesedauer: 5 Minuten
Hanna Kastendieck
Gehen im September als Klimabotschafter auf Schokofahrt: Die künftigen Achtklässler der IGS Winsen-Roydorf.

Gehen im September als Klimabotschafter auf Schokofahrt: Die künftigen Achtklässler der IGS Winsen-Roydorf.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Die künftigen Achtklässer der IGS Winsen-Roydorf wollen auf ihrer Schokofahrt 200 Kilogramm Schokolade emissionsfrei in den Landkreis bringen

Winsen.  Natürlich sind Fiona, Selina, Svea und Tim vor allem dabei, weil sie Schokolade lieben. Und weil sie Spaß am Radfahren haben. Aber es gibt auch noch einen ernsthaften Grund, warum die Siebtklässler im September gemeinsam mit 40 weiteren Schülerinnen und Schülern der IGS Winsen-Roydorf nach Holland radeln: Sie wollen als Klimabotschafter auf Schokofahrt gehen, mit ihrem Engagement für nachhaltige Mobilität, CO2-neutralen Transport und bewussten Genuss werben. 840 Kilometer werden sie zurücklegen und am Ende ihrer Tour 200 Kilogramm Schokolade vollkommen emissionsfrei in den Landkreis Harburg transportieren.

Die Schokofahrt ist eine Lastenradinitiative, die ursprünglich aus Münster stammt und nun deutschlandweit von Privatpersonen und Vereinen durchgeführt wird. Es geht dabei darum, sich radelnd für Klimagerechtigkeit einzusetzen und Schokolade emissionsfrei zu transportieren. Der Kakao für die Schokolade ist unter biologischen, nachhaltigen und fairen Bedingungen angebaut, geerntet und gehandelt. Den Weg aus der Karibik nach Europa wird per Segelschiff zurückgelegt. Nach dem Segeltörn wird der Kakao in einer kleinen Manufaktur in Amsterdam zu feinster Schokolade verarbeitet. Das letzte Stück des Weges bis in die Ladenregale erfolgt schließlich mit Muskelkraft und in Pedalen.

Herausforderung, die zu persönlichem Wachstum beiträgt

Die Idee, im Rahmen des Schulunterrichts an der Schokofahrt teilzunehmen, hatte Wiebke Post. Sie ist Lehrerin, leitet den siebten Jahrgang an der IGS Winsen-Roydorf. Dort gibt es das fest verankerte Schulfach „Projektzeit“, in welchem sich die Schülerschaft unter anderem dem Thema „Herausforderungen“ stellen soll. „Dabei geht es um Herausforderungen, derer sich die Jugendlichen innerhalb von zwei Wochen annehmen können“, sagt Wiebke Post. „Herausforderungen, die zu persönlichem Wachstum beitragen, Spuren hinterlassen und nachhaltig für die eigene Person und andere wirken.“ Das übergeordnete Thema, in welchem sich die angehenden Achtklässler im September einer Herausforderung stellen wollen, ist die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft.

„Es geht um die von der UN verabschiedeten Global Goals, die Ziele für nachhaltige Entwicklung“, so Post. „Wir haben uns die Frage gestellt, was wir persönlich dafür tun können.“ Herausgekommen sind fünf Projekte, die sich auf insgesamt 150 Schülerinnen und Schüler verteilen. Diese wollen Blühbeete anlegen, zwei Wochen ohne Plastik leben, Roboter programmieren, ihre Stimme für die Zukunft erheben — und sie wollen als Klimabotschafter nach Amsterdam radeln.

Leni ist gespannt darauf, zu erfahren, wie Schokolade hergestellt wird

„Weil es etwas Besonderes ist, sich für Klimaschutz einzusetzen und Schokolade emissionsfrei zu transportieren“, findet Schülerin Mia-Philippa. Mitschüler Jannik freut sich darauf, mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können und einen grünen Fußabdruck zu hinterlassen. Und Leni ist gespannt darauf, zu erfahren, wie Schokolade hergestellt wird und ob überhaupt alle dies „coole Challenge“ schaffen werden.

„Wir hoffen, mit unserer Tour möglichst viele Menschen auf das Thema Klimaschutz und faire Produkte aufmerksam zu machen“, sagt Lehrerin Wiebke Post. Schließlich sei Schokolade ein Lebensmittel, bei dem vielen gar nicht bewusst sei, dass allein der Transport der Kakaobohnen ein Höchstmaß an CO2 verursache und damit ein klimaproblematisches Gut darstelle. Mit der Tour wolle die Schule zeigen, dass Genuss und (Klima)-Gerechtigkeit zusammen möglich seien. „Gleichzeitig wollen wir die Chance nutzen, persönlich zu wachsen, Erfahrungen zu sammeln und über unsere Grenzen hinaus zu gehen. Und: Wir wollen als Klimabotschafter mit Menschen in Kontakt kommen, Vorbild für den Klimaschutz sein und andere inspirieren.“

14 Tage wird der Schokokonvoi unterwegs sein

14 Tage wird der Schokokonvoi unterwegs sein. Start ist am 16. September in Winsen. Die Tour teilen sich die Teilnehmer auf. 22 Jungs und Mädchen übernehmen die Hinfahrt. Die anderen den Rückweg inklusive 200 Kilogramm Schokolade im Gepäck. Transportiert werden soll diese mit Anhängern, in Satteltaschen und mit Lastenrädern, einer Spende des Vereins Buchholz fährt Rad e.V.. Auch bei den Rädern für die Schülerschaft hofft die Schule auf Spenden. „Wir suchen noch jemanden, der Leihfahrräder zur Verfügung stellen kann“, sagt Wiebke Post. „Zudem sammeln wir Geldspenden, um die Tour zu finanzieren.“

Anfang Oktober soll die Schokolade dann in ausgewählten Geschäften in Winsen verkauft werden. „Wir wollen Supermarktketten, aber auch den Einzelhandel ansprechen“, sagt Schülerin Fiona, die sich im Team Werbung um den Vertrieb kümmert und derzeit mit ihren Mitschülern Werbeplakate erstellt. Mitschüler Ove beschäftigt sich im „Team Kakao“ mit dem Anbau von Kakaobohnen, deren Ernte und Transport sowie der Produktion. Er freut sich auf die Tour, glaubt aber nicht, dass sich der Einsatz auszahlt. „Wer kauft bitteschön für viel Geld eine Tafel Schokolade, wenn er für die gleiche Summe auch mehrere bekommt?“, fragt er. „Ich jedenfalls wäre dazu nicht bereit.“