Landkreis Harburg

Neues Angebot: Mit dem Leihfahrrad durch Winsen

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Helena Davenport
Birgit Nolte vom Amt für Regionale Landesentwicklung, Marco Weigert von Nextbike, André Wiese, Winsens Bürgermeister (CDU), Johann Reinhardt von der Stadt Winsen und Christoph Marquardt von Mobile Zeiten weihen das neue Leihfahrradsystem in Winsen ein.

Birgit Nolte vom Amt für Regionale Landesentwicklung, Marco Weigert von Nextbike, André Wiese, Winsens Bürgermeister (CDU), Johann Reinhardt von der Stadt Winsen und Christoph Marquardt von Mobile Zeiten weihen das neue Leihfahrradsystem in Winsen ein.

Foto: Helena Davenport

Räder sollen Verkehr nachhaltiger machen. Ein ähnliches Angebot gibt es in der Region in Lüneburg und Hamburg

Winsen.  Seit Dienstag hat Winsen ein Leihfahrrad-System. An insgesamt 14 Stationen stehen Radlern insgesamt 69 Leihräder zur Verfügung, die via Smartphone-App oder Anruf bei der entsprechenden Hotline ausgeliehen werden können. Die ersten 15 Minuten sind auf jeder Fahrt kostenlos, jede weitere Viertelstunde auf dem Sattel kostet einen Euro. Der maximale Mietpreis pro Tag beträgt zwölf Euro.

Für das Angebot, dass in erster Linie den Alltagsverkehr in Winsen nachhaltiger gestalten soll, hat sich die Stadt mit dem Leipziger Anbieter Nextbike zusammengetan, der sein System weltweit in rund 25 Ländern und 300 Städten anbietet.

Vertrag mit Nextbike läuft insgesamt 42 Monate

„Das ist eine riesige Chance für uns als Mittelstadt. Ich bin optimistisch, dass das neue Angebot angenommen wird“, sagte Winsens Bürgermeister André Wiese (CDU) am Dienstag. Gemeinsam mit Birgit Nolte vom Amt für Regionale Landesentwicklung, Marco Weigert von Nextbike, Johann Reinhardt von der Stadt Winsen und Christoph Marquardt von Mobile Zeiten weihte er eine Station vor dem Rathaus ein. Er werde die Räder auch selbst nutzen, kündigte Wiese an, sein eigenes Rad sei ihm kürzlich geklaut worden.

Bei der Einführung des Systems wird Winsen durch Mittel des Sofortprogramms „Perspektive Innenstadt!“ unterstützt, mit dem das Land den Kommunen bei der Bewältigung der Pandemiefolgen unter die Arme greifen will. Der Vertrag mit Nextbike läuft insgesamt 42 Monate. Die Kosten für das Leihfahrrad-System belaufen sich auf 315.000 Euro, die Stadt bezahlt 180.000 Euro aus eigener Tasche.

Die 14 Stationen sind über das Stadtgebiet verteilt. Man sehe in die 13 Ortsteile, sagte Wiese. Am Bahnhof wurde eine Ausleihstation installiert, an der Stadthalle, am Krankenhaus, in der Bürgerweide, im Luhepark, auch in Borstel und Luhdorf. Das Angebot richtet sich insbesondere an Pendler. Außerdem seien unter anderem Bürger angesprochen, deren eigene Fahrräder in der Reparatur sind. Im Moment müsse man in Winsen rund vier Wochen für die Reparatur einplanen, sagte Wiese. Für eine kurze Rast oder eine Besorgung gibt es übrigens eine Pausenfunktion, die am einfachsten über die App ausgewählt werden kann. Für diejenigen, die viel fahren, lohnt sich womöglich der Monatstarif für zehn Euro. Der Vorteil: Die 15 Freiminuten verdoppeln sich. Der Jahrestarif kostet 60 Euro. Auch hier fallen für die erste halbe Stunde keine weiteren Gebühren an, jede weitere kostet nicht zwei, sondern einen Euro.

Man wolle eine kostengünstige und umweltfreundliche Alternative zum Pkw schaffen, heißt es vonseiten der Stadt. In anderen Städten habe die Installation von Leihfahrradstationen sogar für höhere Einzelhandelseinnahmen gesorgt, sagte Marco Weigert, Director Business Strategy von Nextbike. Wer allerdings in Richtung Stöckte und Hoopte muss oder dort wohnt, sieht alt aus. Denn hier gibt es keine Stationen. Und wer sein Rad nicht ordnungsgemäß abstellt, wird zunächst verwarnt, muss aber beim zweiten Mal 20 Euro Strafe zahlen. Ein Service, der die Räder einsammelt, die sorglos stehen gelassen wurden, müsse noch eingerichtet werden, sagte Weigert.

Vier virtuelle Stationen

Fraglich ist, wie vier virtuelle Stationen angenommen werden, an denen kein Fahrradständer, sondern lediglich ein Schild auf den Verleih hinweist – und natürlich die Räder selbst, sofern sie nicht gerade ausgeliehen sind.

In Hamburg stehen Radlern rund 3100 Leihräder der Deutschen Bahn zur Verfügung, auch in Hamburgs Süden. Schaut man auf die Region, gibt es ansonsten nur in Lüneburg ein Leihfahrrad-System, das sehr gut angelaufen sei, sagt Suzanne Moenck, Pressesprecherin der Stadt. Gestartet war man in Kooperation mit der Leuphana Universität bereits 2013. Im vergangenen Jahr wurde das System ausgeweitet. 18 Stationen sind aktuell in Betrieb, drei weitere in Reppenstedt, Ochtmissen und am Eintracht-Sportplatz, sollen hinzukommen. Die Bilanz von 2021: In sechs Monaten wurden 35.000 Fahrten in insgesamt 662.000 Minuten zurückgelegt. 3000 feste Kunden nutzen die Räder.

In Buxtehude und Buchholz findet man kein vergleichbares System und aktuell auch keine Pläne, eines einzuführen. In Stade gibt es ein solches ebenfalls nicht, wohl aber den Verein „Stade fährt Rad“, über den kostenlos Lastenräder gebucht werden können, ein E-Lastenrad hat die Stadt Stade dem Verein 2021 geschenkt. Von Juli bis September 2021 habe es sagenhafte 900 Kilometer zurückgelegt, berichtet Stadtsprecher Stephan Voigt. Auf dem Platz Am Sande hat die Stadt außerdem eine Radfahrstation mit Werkzeug für eine Reparatur eingerichtet.

In Winsen muss sich nun herausstellen, ob die neuen Leihräder ihre Nutzerinnen und Nutzer finden. Spannend dürfte es auch sein zu schauen, welche Wege in der Stadt besonders häufig genutzt werden, wo möglicherweise noch Bedarf an ausgebauten Radwegen besteht. Tracker, die an den Rädern installiert sind, senden Signale bei Ausleihe und Rückgabe.