Große Auszeichnung

IGS Buchholz kann auf den Deutschen Schulpreis hoffen

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Hanna Kastendieck
Gemeinsam planen sie die Zukunftsschule (v.l.): Iris Gronert, Luca Holzhüter, Sebastian Moises, Semjon Borchert, Lara Sauthoff und Benjamin Jürgens von der IGS Buchholz

Gemeinsam planen sie die Zukunftsschule (v.l.): Iris Gronert, Luca Holzhüter, Sebastian Moises, Semjon Borchert, Lara Sauthoff und Benjamin Jürgens von der IGS Buchholz

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Die Gesamtschule gehört zu den letzten 20 Bewerbern für die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung. Entscheidung Ende Mai

Buchholz. Es könnte eine der höchsten Auszeichnungen werden, die eine Schule im Landkreis Harburg je erreicht hat. Jedenfalls stehen die Chancen auf eine Nominierung diesmal ziemlich gut. Als einzige Schule in Niedersachsen und erste im Landkreis Harburg darf sich die Integrierte Gesamtschule Buchholz (IGS Buchholz) Hoffnung auf den Deutschen Schulpreis 2022 machen.

Die Auszeichnung wird an Schulen mit hervorragender pädagogischer Praxis verliehen. Für die Bewertung werden anspruchsvolle Kriterien herangezogen, die die Schule als leistungsorientierten Ort bewerten, aber auch als demokratischen Lebens- und Lernort.

80 Schulen aus Deutschland haben sich beworben

80 Schulen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Netzwerk der Deutschen Auslandsschulen haben sich in diesem Jahr für den Deutschen Schulpreis beworben. Eine 50-köpfige Jury aus Bildungswissenschaft, Schulpraxis und Bildungsverwaltung hat die besten 20 ausgewählt. Diese werden in den kommenden Wochen von Juryteams begutachtet.

Die IGS Buchholz mit 1200 Schülern ist eine von ihnen und empfängt am 23. und 24. Mai das Auswahlgremium. Die Experten werden dann mit Lehrkräften, Schülern und Schülerinnen sowie Eltern Gespräche vor Ort führen, sie werden Unterrichtseinheiten und Projekte besuchen und bis Anfang Juli bis zu 15 Schulen nominieren.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die IGS Buchholz für die Sonderausschreibung des Deutschen Schulpreises beworben. Das Thema damals: „Wie geht die Schule mit Corona um“. „Die Teilnahme hat uns den Austausch mit 120 Schulen ermöglicht“, sagt Schulleiter Holger Blenck. „Diese Erfahrungen haben maßgeblich dazu beigetragen, unseren ständigen Schulentwicklungsprozess noch einmal so richtig voranzutreiben.“

In diesem Jahr steht der Wettbewerb unter dem Motto „Unterricht besser machen“ – und passt damit genau in den aktuell laufenden Schulentwicklungsprozess, den die IGS im vergangenen Jahr angestoßen hat. „Im Zentrum dieses Prozesses steht die Fortentwicklung unseres Kerngeschäfts“, sagt Schulleiter Holger Blenck. „Sprich unseres Unterrichts und seiner Qualität.“ Begleitet wird die Schule dabei von Schulentwicklungsberater Stefan Niemann. Der Arbeitstitel des Prozesses lautet: „IGS Buchholz 2030 – in die Zukunft auf Augenhöhe“.

Schüler sollen konstruktiv, tiefgründig und kritisch diskutieren

„Im Kern geht es bei unserer schulischen Arbeit um drei große Unterrichtsbausteine“, so Blenck. Plenumsunterricht, selbstständiges sowie kooperatives Arbeiten seien die Grundsäulen, die auch bis zum Abitur benotet werden. „Wir wollen unseren Schülerinnen und Schüler all das mitgeben, was im Leben wichtig ist. Sie sollen lernen, konstruktiv, tiefgründig und kritisch zu diskutieren, ein hohes Maß an Selbstständigkeit und -wirksamkeit entwickeln und fähig sein, im Team zu arbeiten.“ Es gehe um den Erwerb von Kompetenzen wie Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken.

Außer guter Fachlichkeit, individuellen und kooperativen Unterrichtsmethoden und der intensiven Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern setzt die Schule zudem auf Digitalisierung. Die Schüler arbeiten alle ab Klasse 5 am eigenen Laptop. Sie vertiefen ihr Wissen mit individualisierten Programmen, arbeiten mit interaktiven ActiveBoards und nutzen die Technik sogar bei den Abiturprüfungen in Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern.

Zu den Besonderheiten der IGS Buchholz gehört zudem, dass es keine Schulordnung gibt, Erziehung stattdessen auf Vertrauen und Selbstverantwortung setzt. Die Schülerinnen und Schüler haben zudem gemeinsam einen Schülerkodex erarbeitet, der die geltenden Regeln zusammenfasst. Auch das Kollegium arbeitet eng zusammen. Um Erfahrungen weiterzugeben, werden alle Unterrichtseinheiten, Arbeitspläne, Gruppenarbeiten, Klausuren und deren Erwartungshorizonte, Jahresarbeitspläne gemeinsam im Team entwickelt, dem nachfolgenden Jahrgang über das Intranet zur Verfügung gestellt und dort weiterentwickelt.

Im Rahmen des Schulentwicklungsprozesses sollen aber auch festgefahrene Strukturen und Lerninhalte hinterfragt und neue Möglichkeiten des Lernens eröffnet werden. Dazu gehören mehr individuelleres Arbeiten, mehr Sozialarbeit und mehr praktische Leistungen. „Viele Schülerinnen und Schüler arbeiten erfolgreich im Homeschooling“, sagt Lehrkraft Luca Holzhüter. „Warum soll das nicht auch weiterhin möglich sein?“ Die Voraussetzungen dafür könnten besser nicht sein, da ist sich Schulleiter Holger Blenck sicher. „Corona hat uns viele positive Impulse gegeben. Diese sollten wir weiter verfolgen und in die Schule der Zukunft einbauen.“

Ergebnisse der IGS liegen über Landesdurchschnitt

Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler machen deutlich, dass die IGS Buchholz auf dem richtigen Weg ist. „Unsere Ergebnisse der Durchschnittsnoten bei den Abschlussarbeiten am Ende von Klasse 10 liegen im Vergleich aller niedersächsischen IGSen im Jahr 2021 in allen Fächern zum Teil deutlich über dem Landesschnitt“, so Blenck, der die IGS Buchholz seit ihrer Gründung im Jahr 2010 erfolgreich leitet und den Schulentwicklungsprozess im vergangenen Jahr mit dem Kollegium und Elternvertretern angestoßen hat.

Zu Ende bringen werden sie diesen allerdings ohne ihren Chef. Blenck geht zum Schuljahresende in den Ruhestand. Mit dem Deutschen Schulpreis könnte er sich und seiner Schule ein besonderes Abschiedsgeschenk machen. Der Hauptpreis ist mit 100.000 Euro dotiert, die weiteren vier Preise mit jeweils 30.000 Euro.

Über den begehrten Preis:

  • Die Robert Bosch Stiftung GmbH vergibt den Deutschen Schulpreis seit 2006 gemeinsam mit der Heidehof Stiftung. Er ist der bekannteste, anspruchsvollste und höchstdotierte Preis für gute Schulen im Land. Kooperationspartner sind die ARD und die ZEIT Verlagsgruppe.
  • Seit dem Start des Programms haben sich rund 2500 Schulen für den Preis beworben. Bei der Entscheidung über die Preisträger bewertet die Jury sechs Qualitätsbereiche: „Unterrichtsqualität“, „Leistung“, „Umgang mit Vielfalt“, „Verantwortung“, „Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner“ und „Schule als lernende Institution“.
  • Im Fokus steht in diesem Jahr der Bereich „Unterrichtsqualität“. Diese Merkmale sind inzwischen als Kennzeichen für gute Schulqualität allgemein anerkannt.
  • Die Konzepte der Preisträger werden im Anschluss ausgewertet, aufbereitet und schließlich über Fortbildungen, Publikationen und die Online-Plattform Das Deutsche Schulportal allen Schulen verfügbar gemacht. Ein Kreislauf, in dem sich gute Praxis verstärkt.
  • Die nominierten Schulen nehmen am 28. September dieses Jahres an der feierlichen Preisverleihung mit Bundeskanzler Olaf Scholz in Berlin teil. Dann entscheidet sich, wer die begehrten Preise erhält.
  • Alle nominierten Schulen, die nicht mit Preisen ausgezeichnet werden, erhalten trotzdem etwas: einen Anerkennungspreis in Höhe von 5000 Euro.