Familienfest

Ein sportlicher Erlebnistag im Zeichen der Inklusion

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Markus Steinbrück
Gemeinsam im Einsatz für den inklusiven Sport- und Erlebnistag: Stefan Frommann (l., TuS Fleestedt) und Berndt Otternberg (Barakiel-Stiftung).

Gemeinsam im Einsatz für den inklusiven Sport- und Erlebnistag: Stefan Frommann (l., TuS Fleestedt) und Berndt Otternberg (Barakiel-Stiftung).

Foto: Markus Steinbrück / HA

TuS Fleestedt und die Barakiel-Stiftung aus Hamburg erwarten am Sonnabend, 18. Juni, mehrere hundert Gäste im Sportzentrum Seevetal.

Fleestedt.  Es gibt nicht viele Sportveranstaltungen in der Region, die 1000 Zuschauer anlocken. Vielleicht die Zweitliga-Fußballer des Hamburger SV oder des FC St. Pauli, wenn sie zu einem Freundschaftsspiel kommen, oder die Bundesliga-Handballerinnen des Buxtehuder SV bei einem Spitzenspiel in der Halle Nord. Nun stellt sich ein vergleichsweise kleiner Sportverein aus dem Landkreis Harburg darauf ein, bis zu 1000 Gäste zu einer Premiere zu begrüßen.

„Das ist schon eine ambitionierte Marke“, sagt Stefan Frommann, Finanzvorstand beim TuS Fleestedt. „Aber wir richten unsere Planungen darauf aus, dass so viele Personen kommen könnten.“ Es gehe vor allem darum, viele Besucher aus der Gemeinde Seevetal und dem Landkreis Harburg, aber auch aus Hamburg und dem weiteren Umland für sportliche Aktivitäten und das gemeinschaftliche Erlebnis zu begeistern.

Organisationsteam mit Frauen und Männern zwischen 16 und 60 Jahren

Am Sonnabend, 18. Juni, veranstalten der TuS Fleestedt und die Barakiel-Stiftung aus Hamburg einen inklusiven Sport- und Erlebnistag im Sportzentrum Seevetal. Weil es sich um das weithin erste Angebot dieser Art handelt, ist es für das Organisationsteam, das aus Frauen und Männern im Alter zwischen 16 und 60 Jahren besteht, schwierig, die Resonanz einzuschätzen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwarten jede Menge Sport- und Spielmöglichkeiten zum Ausprobieren und Mitmachen. „Unser Programm richtet sich in erster Linie an Menschen mit Handicaps oder sonstigen Benachteiligungen, aber auch an deren Freunde und Familien“, sagt Stefan Frommann.

Kinder mit und ohne Handicap können Übungen gemeinsam ausprobieren

„Es gibt einen Bewegungsparcours für die jüngsten Sportler, ein Familien-Tischtennisturnier, eine Einführung in Kickboxen sowie in Tanz und Ballett“, umreißt er das Angebot. Auf dem Sportplatz können junge Fußballer auf einem Trainingsparcours altersgerecht mit dem Ball trainieren. Insgesamt gibt es 15 verschiedene Programmpunkte. „Bei allen Angeboten achten wir darauf, dass Kinder mit und ohne Handicap die Übungen gemeinsam ausprobieren können“, so Frommann.

Auch an freie Bewegungsmöglichkeiten ist gedacht. So steht eine Hüpfburg zum Toben zur Verfügung, und auch auf einer Bobbycar-Strecke können sich die Teilnehmer ausprobieren. Der inklusive Sport- und Erlebnistag ist geplant von 11 bis 17 Uhr, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Barakiel-Stiftung aus Hamburg engagiert sich erstmals im Landkreis

Mit an Bord ist die Barakiel-Stiftung aus Hamburg, die benachteiligte, behinderte und schwer erkrankte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien unterstützt. Die 2014 von dem Unternehmer Andreas Lentge gegründete Stiftung unterstützt auch Projekte, die nachhaltiges Leben fördern und künftigen Generationen ein gesundes Leben ermöglichen. Unter anderem finanzierte die Barakiel-Stiftung die Umgestaltung einer kleinen Sporthalle in Alsterdorf zu einer der ersten umfassend barrierefreien Sporthallen Deutschlands. Mittlerweile trägt die Halle an der Elisabeth-Flügge-Straße den Namen der Stiftung.

Persönliche Kontakte aus Realschulzeiten an der Bunatwiete

Der Kontakt zwischen Sportverein und der erstmal im Landkreis engagierten Stiftung kam über die persönliche Beziehung zwischen Finanzvorstand Stefan Frommann und Stiftungsrat Berndt Otternberg zustande. Gemeinsam besuchten sie einst die Realschule Bunatwiete in Harburg. Erste Gespräche über das Inklusionsprojekt fanden 2019 statt. Die Corona-Pandemie verzögerte wie in vielen Bereichen die Realisierung, im Juni soll es nun soweit sein.

43 Multiplikatoren im Umkreis von etwa 15 bis 20 Kilometern

Bis dahin will die Barakiel-Stiftung 43 Multiplikatoren im Umkreis von etwa 15 bis 20 Kilometern ansprechen und sie auf das Projekt aufmerksam machen, darunter die Elbe-Werkstätten und mehrere Kirchengemeinden. Bis zu 50 freiwillige Helferinnen und Helfer werden beim Erlebnistag im Einsatz sein.

Der TuS Fleestedt mit seinen 1600 Mitgliedern versteht sich als Breitensportverein. „Unsere Gemeinnützigkeit versuchen wir dadurch auszudrücken, dass wir immer wieder Aktionen auch für die Allgemeinheit anbieten“, sagt Pressewart Ulrich Vergin. Der Flohmarkt am 4. September, der Laternenumzug oder das regelmäßig im Herbst stattfindende Volker-Rosin-Konzert zählen dazu. 2022 zählen viele Aktionen zum Jubiläumsprogramm anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Gemeinde Seevetal.

Präventionsprojekt gegen sexualisierte Gewalt läuft seit Jahren

„In der Vorbereitung des Sport- und Erlebnistages arbeiten wir sehr kooperativ mit der Gemeinde zusammen“, sagt Frommann. Der Turn- und Sportverein war einer der ersten Vereine im Kreissportbund Harburg-Land, der ein Präventionsprojekt gegen sexualisierte Gewalt initiierte. In den kommenden Wochen und Monaten stehen nun Menschen mit Handicaps im Fokus. Selbst wenn weniger als 1000 Gäste kommen sollten: jeder einzelne zählt!