Bürgermeisterin

„Wir spannen ein grünes Netz über Seevetal“

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Lena Thiele
Bereits im Wahlkampf hatte Emily Weede angekündigt, das Thema Nachhaltigkeit in Seevetal angehen zu wollen.

Bereits im Wahlkampf hatte Emily Weede angekündigt, das Thema Nachhaltigkeit in Seevetal angehen zu wollen.

Foto: Lena Thiele

Seevetals neue Bürgermeisterin will Gemeinde nachhaltiger machen und Bedingungen für Wohnen im Alter verbessern.

Hittfeld. Groß umgeräumt hat Emily Weede nicht, ihr Büro im Hittfelder Rathaus ist noch fast genauso eingerichtet wie bei ihrer Vorgängerin. Seit gut hundert Tagen ist die neue Bürgermeisterin der Gemeinde Seevetal im Amt, erst vor wenigen Tagen hat sie eine störende Schreibtischlampe abgebaut. Die sei im Weg gewesen, begründet Weede diese einzige Umbaumaßnahme. Ein klarer Überblick ist ihr wichtig und so hat sie nach den ersten drei Monaten eine genaue Vorstellung davon, wo sie in ihrer künftigen Arbeit – neben gesetzten Themen wie der Bewältigung der Coronafolgen – Schwerpunkte setzen will.

Ganz oben auf der Liste steht das Thema Nachhaltigkeit. „Der Klimaschutz ist hier im Rathaus schon gut verankert, das hat mich überrascht“, sagt Weede. Aber es gehe immer auch noch mehr. „Jetzt satteln wir noch was drauf.“ So sollen künftige Bebauungspläne die Vorgabe enthalten, dass die Wohngebiete ohne fossile Energieträger auskommen. Die Bürgermeisterin will zudem die Nutzung kleiner Windkraftanlagen unter einer Höhe von 60 Metern erleichtern.

Sanierung und Neubauten von Schulen, Kitas und Turnhallen

Die Anlagen mit vertikaler Achse seien vor allem für energieintensive Betriebe interessant, zum Beispiel in der Landwirtschaft. Bisher gebe es noch Schwierigkeiten im Genehmigungsverfahren durch den Landkreis, so Weede. „Das muss sich ändern.“ Künftig solle beim Einsatz von erneuerbaren Energien in alle Richtungen gegangen werden.

Bei der Sanierung und Neubauten von Schulen, Kitas und Turnhallen wird ohnehin auf eine nachhaltige Bauweise geachtet. Alles auf einmal gehe natürlich nicht, sagt die Bürgermeisterin. „Aber wir haben einen sehr guten, ambitionierten Plan. Den arbeiten wir ab.“ In Kürze startet zudem ein Pilotprojekt: Alle Fahrzeuge des Seevetaler Betriebshofs werden künftig mit sogenannten E-Fuels betankt. Diese Kraftstoffe werden synthetisch hergestellt und können für die vorhandenen Fahrzeuge genutzt werden. Umbauten seien nicht notwendig, auch könne problemlos wieder zu konventionellem Kraftstoff gewechselt werden, sagt Weede. Sie ist überzeugt, dass in den E-Fuels großes Potenzial steckt. „Das ist eine hervorragende Alternative und wir sind ganz vorn mit dabei.“

Pflege der Grünflächen im Gemeindegebiet

Ein weiteres Vorhaben zielt auf die nachhaltige Pflege der Grünflächen im Gemeindegebiet. Dafür sucht die Gemeinde einen neuen Mitarbeiter aus einem sogenannten grünen Beruf, der zunächst den Bestand vollständig erfasst. Das Seevetaler Grünflächenkataster soll als Grundlage für eine optimale Pflege der Wiesen, Parks, Verkehrsinseln und Straßenbegleitgrün-Streifen dienen. „Wir werden ein grünes Netz über Seevetal spannen“, sagt Weede.

Dabei gehe es nicht um „Schönheit“, sondern um eine je nach Fläche sinnvolle Pflege. „Das Ziel ist mehr Biodiversität. Dafür muss an einigen Stellen vielleicht später im Jahr gemäht werden, an anderen Stellen anders bepflanzt oder auch intensiver gepflegt werden.“ Damit die Bürger verstehen, warum wo was unternommen wird, soll der Prozess durch offensive Kommunikation begleitet werden.

Im sozialen Bereich hat die Bürgermeisterin insbesondere das Seniorenwohnen auf der Agenda. Zusätzlich zu den bereits bestehenden und im Bau befindlichen Wohnanlagen und Heimen sollen weitere Wohnmöglichkeiten für Senioren in Seevetal entstehen – aber nicht um jeden Preis. Bei den Gesprächen, die dazu geführt werden, werde die Gemeinde künftig verstärkt die Betreiber in den Blick nehmen, sagt Weede. „Wir wollen Betreiber, die nach Tarif zahlen, selbst ausbilden und einen bestimmten Betreuungsschlüssel einhalten. Wir wollen eine hohe Qualität für die Menschen, die dort leben. Was wir nicht wollen, sind Heuschrecken, die regionale Firmen aufkaufen.“

Ausbildung soll einen noch höheren Stellenwert erhalten

Auch im eigenen Haus soll die Ausbildung einen noch höheren Stellenwert erhalten. Die Gemeinde startet in Kürze eine Ausbildungsinitiative: So wird zum einen ein duales Studium zum Bauingenieur angeboten. Die Kooperation mit der Hochschule 21 in Buxtehude soll im kommenden Wintersemester beginnen. Außerdem können junge Menschen von August an den Beruf des Technikers erlernen oder eine praxisorientierte Ausbildung zum Werker am Betriebshof absolvieren. „Damit tragen wir den ganz unterschiedlichen Fähigkeiten der Menschen Rechnung“, sagt Weede.

Derzeit ist sie eng in die Planung des Gemeindejubiläums eingebunden, in wöchentlichen Besprechungen geht es vor allem um die Chronik, die mit viel Einsatz erstellt wird, und die Planung des Festwochenendes rund um den 1. Juli. Vereine und Initiativen, die sich beteiligen wollen, können bis Ende Februar Anträge auf Förderung stellen. Das Programm soll alle Gemeindeteile umfassen und Menschen jeden Alters einbeziehen. So wird es ein Bobbycar-Rennen geben, ein Picknickkonzert und einen Festakt. Auch das diesjährige Sommerfest von Haus Huckfeld ist Teil der Feierlichkeiten. „Der inklusive Gedanke wird hier tatsächlich gelebt“, betont Weede. „Im Zuge des Jubiläums wollen wir auf die Dinge hinweisen, die uns in Seevetal wichtig sind.“

Verwaltung arbeite sehr schnell und flexibel

Die Bürgermeisterin ist überzeugt, dass all die Projekte und Pläne auch erfolgreich in die Tat umgesetzt werden können. Die Verwaltung arbeite sehr schnell und flexibel, auch bei komplexen Themen. Dies habe sich in den vergangenen Wochen zum Beispiel gezeigt, als wegen der andauernden Corona-Pandemie innerhalb kürzester Zeit eine Test-Struktur im Gemeindegebiet und ein Impfstützpunkt im Fleester Hoff aufgebaut wurden. „Alle haben mitgezogen, das war toll.“ Überhaupt hätten die Mitarbeiter – es sind 330 in der Verwaltung und etwa noch einmal so viele bei anderen Trägern – sie von Anfang an sehr gut aufgenommen. Es herrsche ein sehr gutes Klima und eine offene Kultur, betont Weede. „Die Mitarbeiter machen viele eigene Vorschläge, wir können gemeinsam an Lösungen arbeiten.“

Dass sie Teamarbeit schätzt, hat sie bereits als langjährige Vorsitzende des Vereins Wassermühle Karoxbostel gezeigt. Für ihren ehrenamtliche Einsatz bleibt seit ihrem Amtsantritt in Hittfeld nicht mehr ganz so viel Zeit. Andere Vorstandsmitglieder haben daher einige ihrer bisherigen Aufgaben übernommen. Zurückziehen will sie sich dort keinesfalls. „Ich freue mich auf jeden Sonnabend.“ Unter der Woche beginnt Emily Weede die Arbeitstage mit einer Frühschicht zu Hause, E-Mails müssen abgearbeitet werden, der Hund will eine Runde drehen. Wenn die Bürgermeisterin um acht Uhr im Büro sitzt, verschafft sie sich einen Überblick über die anstehenden Aufgaben – und freut sich doch über einen Farbtupfer im Raum. „Mir ist es wichtig, dass Blumen da sind.“